Katadioptrische Foto-Objektive – Teil III

Teil III: Katadioptrische Foto-Objektive von 1946 – heute.

(Teil I finden Sie hierTeil II hier.)

Die Erkenntnisse aus Teil II führen zu dem Schluß, dass für die ab den 1950er Jahren aufkommenden katadioptrischen Foto-Objektive aus den vielfältigen, bereits für Astro-Anwendungen bekannten „katadioptrischen Dialyten“ (Brachymediale) abgeleitet wurden, von denen einige schon bis zu 150 Jahre bekannt waren und unter denen Maksutov eine spezielle Variante ist.

Eine kurze Geschichte der Katadioptrischen Foto-Objektive:

Mit dem starken Aufkommen der Spiegel-Linsen-Objektive in den 1960-70er Jahren bildeten sich spezielle Konstruktionsmerkmale heraus, die in dieser Form bei astronomischen Fernrohren meist nicht zu finden sind:

a) Außer der Tatsache, dass die Foto-Optiken sehr robust und hermetisch dicht gebaut sind, wurde zunehmend auf die Bohrung im Primärspiegel verzichtet! Das bedeutet, dass die Strahlen, die vom Sekundär-Spiegel zurück geworfen werden, nicht mehr durch eine Öffnung im Hauptspiegel zur Kamera bzw. Filmebene gelangen, sondern durch einen unverspiegelten zentralen Bereich der Spiegelfläche durch das Glas des Spiegelkörpers treten.

Das bedeutet, dass der Innenbereich der Optik zwischen den beiden Spiegeln noch besser hermetisch abgeschlossen ist. Es bedeutet gleichzeitig, dass der zentrale Bereich des Spiegelkörpers auch noch als brechendes Linsenelement im Strahlengang einbezogen ist. Dieser Bereich bildet dann oft zusammen mit 1-3 weiteren Linsen den Sub-Apertur-Korrektor im Strahlengang nach dem Sekundärspiegel. Er muss aus Linsen-Glas allerhöchster Güte bestehen, da dieser Bereich des Hauptspiegels – im Falle eines Mangin-Spiegels – dreimal von jedem Lichtstrahl durchlaufen wird!

b) Immer häufiger treten nach 1965 Mangin-Spiegel auf, was ja der Grundkonfiguration des Hamilton-Teleskopes entspricht. Zuerst finden sich Primärspiegel als Mangin-Typ, bald auch beim Sekundärspiegel bzw. in beiden Positionen gleichzeitig oder auch nur beim Sekundärspiegel. Wie wir oben gesehen haben (Hamilton-Teleskop) ist der Mangin-Spiegel bereits ein Grund-Element des kadadioptrischen Dialyts – für sich genommen ist er meines Wissens nie als Teleskop oder Astrokamera verwendet worden.

Bild 1: Mangin-Spiegel – Quelle: Wikipedia – Autor: not known – https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/

Neben der Wirkung als Element der optischen Rechnung liefert der Mangin-Spiegel zwei weitere Vorteile für das Foto-Objektiv:

  • Die an der polierten Glasfläche anliegende reflektierende Spiegeloberfläche ist in der Mikro-Oberflächenstruktur wesentlich glatter als eine aufgedampfte Aluminium-Schicht auf ihrer „offenen“ Seite, die auch noch mit einer transparenten Schutzschicht (meistens Si02) überzogen werden muss.
  • Die Verspiegelungs-Schicht ist gegen den Zutritt von korrosiven Gasen, Feuchtigkeit etc. perfekt geschützt und behält langfristig seine uneingeschränkte Wirkung. Dies alleine wäre schon ein ausreicheder Grund, um diese Bauweise zu bevorzugen!

c) Foto-Objektive katadioptrischer Bauart benötigen zur Abschirmung gegen Falschlicht rohrförmige Blenden um den Zentralen Strahlen-Durchlass im Zentrum des Primärspiegels (nach vorne in Richtung des Sekundärspiegels) bzw. um den Sekundärspiegel herum (in Richtung Hauptspiegel), um die Kamera vor einfallendem Falschlicht zu wchützen. Auf dem folgenden Linsenschnitt sind die Tubus-Blenden und das Problem des Falschlichtes gut zu erkennen:

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Bild 2: Linsenschnitt mit Abschirmtubus-Blenden gegen „Falschlicht“am Olympus Zuiko Reflex 500mm f/8 (in diesem Bild ist der Lichteintritt rechts!) – Quelle: Olympus Produktbeschreibungs- und Spezifikationsdatenblatt zum Objektiv

An diesem Bild kann man gut erkennen, dass ohne diese beiden Blenden Lichtstrahlen durch die ringförmige Apertur-Öffnung (rechts) direkt und ohne Reflexion an den Spiegeln auf das Zentrum des Hauptspielgels und damit auch in die Kamera gelangen könnten! Eine Gegenlichtblende vor dem Objektiv kann das nur dann sicher verhindern, wenn die Gegenlichtblende extrem lang wäre – was natürlich dem Objektiv-Konzept widerspricht …

Die Existenz dieser rohrförmigen Blenden im zentralen Bereich hat Auswirkungen auf die sog. Obstruktion – also die Abschattung der Lichtstrahlen im Zentrum der Apertur:

Bei Strahlenbündeln, die vom Bildfeldrand schräg in die Optik einfallen, werfen die Tubusblenden einen Schatten auf den Hauptspiegel. In der Folge ist nicht mehr die gesamte Ringförmige Spiegelfläche „aktiv“. Sie ist in der Breite des Blendentubus unterbrochen. Man kann das bei geeigneter Bildstruktur an den außerfokalen Apertur-Ringbildern von Lichtreflexen sehen, wie folgend in dem absichtlich unscharf gestellten Aufnahme des Hausdaches gut zu erkennen ist:

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Bild 3:Tubusblenden-Schatten“ bei den außerfokalen Unschärferingen im Randbereich mit dem Olympus OM Zuiko Reflex 500mm f/8: unten-links und -rechts sieht man die kleinen „Packman-Ringe“ – die Öffnung weist zum Bildzentrum hin. – Quelle: fotosaurier

d) Die große Korrektor-Linse in der Lichteintritts-Apertur dient immer auch gleichzeitig als Tragstruktur für den Sekundärspiegel. Wie im Teil I ausführlich beschrieben wurde, führt die „Obstruktion“ durch den Sekundärspiegel im Strahlengang zu einer Kontrastverringerung des Beugungsbildes 1. Ordnung. Aber wenigstens werden durch das Fehlen von Tragspinnen die dadurch verursachten Beugungs-Spikes in den Bildern einer Punktlichtquelle vermieden, wie sie beim normalen Newton und Cassegrain auftreten.

Meine persönlichen MEILENSTEINE katadioptrischer Foto-Objektive (CATs):

Vorbemerkung: die Einordnung bestimmter Objektive als „Meilenstein“, die ich hier vornehme, ist rein SUBJEKTIV und basiert auf meinem – begrenzten – Wissen bzw. meiner Erfahrung. Mir ist bewusst, dass andere Fotografen und Beobachter zu etwas anderen Schlüssen kommen können, die ihrer eigenen Erfahrung entsprechen.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal ins Gedächtnis rufen, dass in den 1950er bis 70er Jahren gegenüber „langen“ Teleobjektiven (>200mm Brennweite) nicht nur Kompaktheit (Baulänge) und geringes Gewicht für die „CATs“ sprach, sondern vor allem die Freiheit von Farbfehlern (Chromatische Aberration, „CA“) – im Verhältnis zum Preis! Es gab zwar in den 1970ern bereits die ersten farbreinen Telekanonen mit Fluorid-Linsen – aber zu einem extrem hohen Preis unter Verwendung eines sehr empfindlichen Materials. Den Preis konnten/wollten sich sicher wenige Amateurfotografen leisten. So bin ich überzeugt, dass die „Blüte“ der katadioptrischen Teleobjektive hauptsächlich vom Amateur-Segment getragen war.

Darüber, warum die katadioptrische Objektivbauform fast völlig wieder verschwunden ist,  werde ich am Ende dieses Artikels einige (begründete) Vermutungen anstellen.

Hier nun mein kurzer Überblick auf die Zeitskala und die Entstehungsgeschichte geschlossener katadioptrischer Systeme, die als Foto-Objektive geeignet waren oder spezifisch dafür gebaut wurden.

Ich führe hier auch die mir bekannte Grundlagenentwicklungen ebenfalls im Zeitstrahl mit auf, damit die zeitliche Dimension mit einem Blick sichtbar wird.

Ich führe dann Foto-Objektive auf, die aus meiner Sicht Meilensteine der Entwicklung solcher Optiken darstellen. Dies ist keine vollständige Beschreibung dieses Objektiv-Segmentes! Ich versuche derzeit Informationen über alle jemals gelieferten Photo-CATs zu sammeln und hoffe in einigen Monaten eine fast vollständige Liste veröffentlichen zu können.

Fast alle bekannten katadioptrischen Teleobjektive wurden für das Kleinbildformat gerechnet. Einige wenige zeichneten Mittelformat 6×6 oder 6×7 aus: Carl Zeiss Jena Spiegelobjektive 500mm und 1.000mm, Kilfitt 500mm und 1.000mm und Pentax 6×7 1.000mm f8 – soweit mir bekannt ist.

1814

Grundlagen-Erfindung (Astronomie) des Katadioptrischen Dialyts (auch „Brachymedial“ genannt) durch Hamilton und darauf folgend eine  große Reihe von Varianten und Weiterentwicklungen.

Hier der Link zu Hamiltons GB-Patent Nr. 3781.

Bis in jüngerer Zeit hat eine italienische Firma tatsächlich noch Hamilton-Teleskope/-Kameras für astronomische Zwecke geliefert (Ceravolo).

1930

Grundlagen-Erfindung (Astronomie) der Schmidt-Korrektor-Platte – daraus entstanden Schmidt-Kamera und Schmidt-Cassegrain-Teleskop

1940/41

Grundlagen-Erfindung (Astronomie) des Maksutov-Korrektor-Meniskuslinse – daraus entstanden das Maksutov-Cassegrain-Teleskop – genau betrachtet ist es aber eine Sonderform des katadioptrischen Dialyts.

ab 1945

Maksutov-Cassegrain 3,5″ f/12-Teleskope – Lieferung großer Stückzahl des Teleskops an sowjetische Schulen, gebaut (anfangs) vermutlich in Nowosibirsk. Wenn Sie wissen wollen, wie das Schul-Teleskop aussah, folgen sie bitte diesem Link zu einer sehr kompakten Biografie Maksutovs auf Prabook. Dort sehen Sie ein Bild von D. Maksutov mit „seinem“ Schul-Teleskop vor ihm auf dem Schreibtisch. Mit ähnlicher Spezifikation wurde es in Polen als „PZO“ hergestellt und in der DDR von Zeiss als „Telementor„. Diese Geräte wurden auch (da sie Devisen brachten!) in den Westen verkauft.

Bemerkenswert ist, dass die Motivation, ein extrem robustes und haltbares sowie wartungsarmes Fernrohr für Schulen zu schaffen, bei Dimitri Maksutov zu der ursprünglichen Idee für das Meniskus-Tesleskop-Design führte. Ich sehe darin ein Beispiel, dass auch das Streben nach Gemeinwohl zu hervorragenden Innovationen führen kann!

In diesem Link zu „cloudynights.com“ fand ich weitere interessante Fotos des polnischen PZO-Instruments.

ab 1954

QUESTAR Maksutov-Cassegrain-Teleskop 3,5″ (in Großserie gefertigt bis heute)

Klassisches Maksutov-Cassegrain, Brennweite 1280mm f/14.4 (Spezifikation ab 1961) – wurde und wird auch als Teleskop-Tubus („Field-Model“ oder „Birder“) mit Okular- oder Kameraanschluss geliefert.

Ein Kult-Klassiker der Amateur-Astronomie. Aber auch die NASA soll einige beschafft haben …

Bild 4: Questar-3,5″-Teleskop mit ausgezogener Taukappe – Quelle Wikipedia, Autor:Hmaag – https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0

ab 1936 bis in die 1960er Jahre

wurden mindestens in Deutschland (Zeiss), Japan (Nikon) und Russland (GOI) und USA (Kodak) große semi-transportable (meist katadioptrische) Spiegelobjektive für militärische und satellitengestützte Anwendungen entwickelt. Diese waren ausschließlich vom Maksutov-Typ und hatten Brennweiten von 1.800mm – 8.200mm. Viele Informationen dazu gibt es im Übersichtsartikel von Marco Cavina in diesem Link. Auf diese umfangreichen Erfahrungen konnten sich die Optik-Unternehmen dann nach dem 2. Weltkrieg bei der Entwicklung von katadioptrischen Wechselobjektiven für Spiegelreflex-Kameras stützen.

vor 1958

Erste Maksutov-Cassegrain-Teleobjektive für SLR von LZSO, Sowjetunion: MTO 1.000mm f/10.5  und MTO 500mm f8 – erhielten eine Goldmedallie auf der EXPO in Brüssel 1958.

Ich weiß nicht, wann genau diese Maksutov-Cassegrain auf den Foto-Markt gebracht wurden. Es muss noch unter der strengen Überwachung von Dimitri Maksutov selbst gewesen sein, der ja bis 1964 lebte. Gibt es Leser, die da weiter helfen können?

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Bild 5a: MTO-500mm f/8 – Quelle: fotosaurier

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Bild 5b: MTO-1.000mm f/10 – Quelle: fotosaurier

Das archaische Design und die solide Bauweise führten dazu, dass die Optiken (bis heute) von Fotoamateuren liebevoll als „Russentonnen“ bezeichnet werden. Herstellerbezeichnungen waren und sind MTO, Arsenal, Rubinar. Nicht immer waren die Optiken leider in der Qualität konstantd, was oft an verspannt eingebauten Spiegeln gelegen haben soll. Ein Bericht dazu (Dr. Wolfgang Strickling) finden Sie hier.

1959/1961Nikon bringt nach den russischen MTOs bereits 1959 sein erstes CAT mit ehrgeizigen Daten auf den Markt, das Reflex-Nikkor 1.000mm f/6.3 – und bereits 1961 folgt ein Reflex-Nikkor 500mm f/5. Ab den frühen 1970er bis in die 2000er Jahre bietet dann Nikon kontinuierlich das „Reflex-Nikkor-Trio“ 500 f/8 + 1.000 f/11 . 2.000 f/11 an. Viele Details findet man in dem Artikel von Marco Cavina – für die Liebhaber der italienischen Sprache! Die 2.000mm f11 wurden demnach alle von 1971 bis 1975 in zwei Versionen gefertigt. Das eklärt wohl zur Genüge, warum Ihnen das 2.000er CAT so selten in „freier Wildbahn“ begegnet.

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Bild 6: Reflex-Nikkor C 500mm f/8 – Quelle: fotosaurier

1961Carl Zeiss Jena

stellt das katadioptrische „Spiegelobjektiv“ 500mm f4,0 auf der Leipziger Messe vor (Entwickelt ab 1955 von Dr. Harry Zöllner, W. Dannenberg. (Kurze Zeit später kommt auch ein Spiegelobjektiv 1.000mm f5,6, die sog. „Stasi-Kanone“, hinzu). Die Optiken sind für Mittelformat 6 x 6 gerechnet und geliefert worden!

Frei zugängliche Darstellungen von Linsenschnitt, Auflösung und MTF-Kurven stehen mir bisher zu diesen Optiken nicht zur Verfügung. Allerdings gibt es einen fabelhaften synoptischen Artikel von Marco Cavina, in dem das Jena-Spiegelobjektiv 500mm f/4.0 und das Mirotar f/4.5 im Detail ausführlich beschrieben und verglichen werden.

Bereits 1941 hatten bei Zeiss die Konstrukteure Robert Richter und Hermann Slevogt ein CAT-System (Richter-Slevogt-Teleskop) entwickelt und angemeldet, das dem kurz vorher in GB angemeldeten „Houghton-Teleskop“ (s. Teil II) ähnelt. Wahrscheinlich wussten beide Gruppen damals im Krieg nichts voneinander.

Auf diese Entwicklungen von 1941 geht offensichtlich dieses Carl Zeiss Jena-Spiegelobjektiv zurück.

Cavina äußert in seinem Artikel die Vermutung, dass die optische Leistung des Jena-Objektivs nicht an das folgend beschriebene, kurz danach heraus gekommene Objektiv von Zeiss Oberkochen heran kommt, da es vermutlich als IR-Fernobjektiv für Aufnahmen auf IR-Schwarzweißfilm entwickelt wurde.

In dem Blog „Zeissmania“ (Teil II) finden sich einige Aufnahmen,die der Autor selbst mit dem Zeiss Jena 1.000 f/5.6 gemacht hat (Website der Burgenländischen Amateurastronomen BAA).

1963Zeiss Oberkochen (West)

stellt das MIROTAR 500mm f/4,5 vor und fertigt 200 Exemplare für Contarex.  Zeiss-Konstrukteure sind Helmut Knutti und Alfred Opitz. Später wird noch einmal ein kleines Los speziell mit dem Kyocera-Contax-Anschluss (c/y) gefertigt. Etliche nagelneue Contarex-Objektive wurden (lt. Marco Cavina) auch im Werk auf  c/y umgerüstet. Ab 1975 liefert Zeiss ein MIROTAR 1.000mm f5,6 und fertigt 20 Exemplare. (Alle Mirotare sind für Kleinbild-Format gerechnet.)

Mirotar 500mm f4,5_strahl

Bild 7: Linsenschnitt des Zeiss Mirotar 500mm f4.5 – Maksutov-Design mit zwei Korrektur-Menisken aber noch kein Mangin-Spiegel – Quelle: Datenblatt Fa. Zeiss

Spezifikations-Datenblätter von Zeiss mit Linsenschnitten finden Sie hier und hier.

Dies ist ein Vertreter der „Maksutov-Fraktion“, noch mit durchbohrtem Primärspiegel.

Zeiss verwendet hier noch keinen Mangin-Spiegel! Für das benötigte große Bildfeld des Kleinbild-Formates und dem großen Öffnungsverhältnis von f/5.6 ist ein einfacher Maksutov-Meniskus allerdings nicht ausreichend als Korrektor bei höchsten Ansprüchen. Daher verwendet Zeiss davor noch einen zweiten (umgekehrten) und sehr dicken Meniskus – eine Lösung, die auch Maksutov selbst für die großen astronomischen MAK-Kameras in Chile und im Südkaukasus bereits verwendet hatte.

Das Mirotar 500mm f4.5 gilt als Referenz-CAT im Kleinbild-Bereich. Im Artikel von Marco Cavina ist die MTF-Kurve – im Vergleich mit anderen APO-Objektiven und dem 500mm f/8 von Zeiss – dargestellt: sie ist allen anderen Optiken weit überlegen.

vor 1964Canon

stellte für die Olympiade in Tokyo drei CATs der Superlative zur Verfügung, die wohl weniger in den Amateurfotografen-Sektor passten, aber umso bemerkenswerter sind:

  • Canon TV-800 f3.8
  • Canon TV-2.000mm f11
  • Canon TV- 5.200mm f14

Sie haben richtig gelesen – kein Druckfehler! Ich habe keine Ahnung, in welchen“Stückzahlen“ Canon diese Optiken gefertigt hat. Sie wurden also offensichtlich mit Vidicon für das Fernsehen eingesetzt. Hier findet man in einem weiteren Artikel von Marco Cavina (auf Italienisch) mehr Informationen darüber.

1965 – Der US-Photodistributor „Spiratone

beginnt ein Maksutov-Cassegrain-Objektiv 500mm f/8 – gefertigt bei LZOS in der Sowjetunion – im Westen zu liefern. Es bekommt in Fotozeitschriften sehr gute Testergebnisse. Später (jedenfalls VOR 1983) kommt ein katadioptrisches Spiegelobjektiv 300mm f5.6 hinzu.

1965 bis 1980 – dies ist die Periode,

in der JEDER Kamera- oder Objektiv-Hersteller ein oder mehrere Foto-CATs heraus brachte.

Binnen kürzester Zeit war es Standard, dass die Original-Hersteller (Nikon, Canon, Pentax, Minolta, Yashica) mindestens zwei CATs in seinem Programm anbot: alle hatten ein 500mm f/8 CAT zu bieten, sowie am langen Ende entweder 800mm f/8 (Minolta) oder 1.000mm f/10 oder f/11. Es kamen auch einige 1.200mm- und  2.000mm-Optiken auf den Markt. Wie schon gesagt, arbeite ich an einer möglichst vollständigen Übersicht. Pentax  brachte zusätzlich zu seiner Kleinbild-Linie ein Reflex Takumar 1.000mm f/8 für Mittelformat (die Pentax 67) heraus. Das gab es meines Wissens sonst nur bei Zeiss Jena und Kilfitt.

Eine Ausnahme bildete Olympus, wo man zögerte um erst 1982 ein einziges aber sehr kompaktes Zuiko Reflex 500mm f/8 heraus zu bringen (s.u.).

Die Leica CATs „MR-Telyt-R“ waren Minolta-Objektive in einem Leica-Design.

Die „echten“ Fremdobjektiv-Hersteller („3rd-party-lenses“) reagierten ebenfalls sehr schnell: anscheinend allen voran SIGMA, die sehr früh (Datum?) ein super-lichtstarkes 500mm f/4.0 heraus brachten. Ich fand einen Bericht eines amerikanischen Fotofreundes, der diese Optik in einem völlig  verwahhrlosten Zustand  fand und mit seinen eigenen Bordmitteln „aufarbeitete“ (Respekt!). Schließlich stellte er fest, dass es nicht so schlecht gewesen sein kann.

Sigma hat dann über die Jahrzehnte den größten „Zoo“ von katadioptrischen Brennweiten auf den Markt gebracht. Dabei auch die eher ungewöhnlichen Brennweiten 400mm und 600 mm. Ich hatte einmal ein 600er Sigma-CAT, das mich aber nicht voll überzeugen konnte.

Dabei waren natürlich auch Tokina und Tamron mit eigenen katadioptrischen Designs – wobei man feststellen muss, dass die 1979/81 erschienenen Tamron 500mm f/8 und 350mm f/5.6 an die Spitzengruppe der (späteren!) Objektive von Olympus und Zeiss heran kamen. Das Tamron 500 f/8 CAT war sogar noch etwas kürzer und leichter als das 1982 erschienene Olympus 500 f/8. Bild und Linsenschnitt hier auf der Adaptall-2-Website. Beim 350er Tamron ist die aufschraubbare Gegenlichtblende (unbedingt benutzen!) praktisch genau so lang, wie das Objektiv selbst.

Makinon war ein weiterer echter japanischer Fremdobjektiv-Hersteller mit meist recht guten Produkten.

In Europa/Deutschland gab es nun ab 1972 keinen ernst zu nehmenden SLR-Hersteller mehr. Es gab allerdings noch berühmte Fremdobjektiv-Hersteller, allen voran Kilfitt/Zoomar. Legendär ist das Kilfitt-Zoomar Sports-Reflectar 500mm f/5.6 (Ende der 1960er), detailliert beschrieben hier auf der Pentaconsix-Website – und hier das 1970 vorgestellte Kilfitt/Zoomar Sports-Reflectar 1.000mm f/8 beide gerechnet für Mittelformat und mit dem Kilfitt WE-Adaptersystem auch an vielen Kameras verwendbar.

Eine unübersehbare Menge von Handelsmarken boten eine große Zahl von CAT-Varianten sehr billig an. Meines Wissens war 1965 zeitlich der früheste Spiratone, USA (siehe oben) – bei dem man auch wusste, wer der Hersteller war (MTO bzw. LZSO in Russland). Bei den anderen habe ich keine Ahnung, wer der Hersteller gewesen sein kann. Mir ist – ausser dem besagten Spiratone – keines bekann, das durch eine besonders hohe optische Qualität aufgefallen wäre.

1975 VivitarSeries1 Solid CAT 800mm f11 und 600mm f8

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Bild 8: Vivitar Series 1 Solid Cat 800mm f/11 an der Sony A7RIV (ohne Gegenlichtblende)- Quelle: fotosaurier

Anfang der 1970er Jahre las ich über ein neu veröffentlichtes Patent von Perkin Elmer über eine sogenannte „Solid Catadioptric Lens“ – d.h. ein Spiegellinsen-Objektiv, das quasi „aus einem einzigen Glaszylinder“ bestehen sollte (gelesen möglicherweise bei Herbert Keplers „Kepler on the SLR“ in Modern Photography?):

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Bild 9: Skizze aus der Patent-Anmeldung Perkin Elmer „Solid-Cat“ von 1967, erteilt 1970. Quelle: US-Patentanmeldung US3547525A

Diese Optik sollte extrem kurz bauen – ich war begeistert. Einige Jahre später erfuhr ich schließlich in der „Modern Photography“, dass dieses Objektiv als Vivitar Series 1 Optik 800mm f/11 tatsächlich am Markt erschienen sei.

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Bild 10: Linsenschnitt VivitarSeries1 Solid-Cat 800mm f/11. Er liegt erstaunlich nahe am ursprünglichen Entwurf! – Quelle: Patent Perkin Elmer

Da war sofort klar, dass ich das irgendwann haben müßte – was dann noch einige Jahre gedauert hat… Über die Geschichte der Vivitar Series 1-Optiken wird irgendwann separat zu berichten sein. Für uns waren diese Objektive damals in den 1970er Jahren eine Offenbarung – und die meisten davon besitze ich noch bis heute!

Die beiden Solid-Cats (600mm und 800mm) bauen extrem kurz – sind aber deutlich schwerer als die sonst gängigen CATs am Markt.

Erst Jahrzehnte später stieß ich dann auf die spezielle Geschichte dieses Objektivs, das mich so fasziniert hat. in den Archiven der „SPIE“ findet sie sich in Form eines Interviews mit dem Konstrukteur dieses Objektivs, Juan L. Rayces (1918 – 2009). Darin enthalten auch ein Foto des Konstrukteurs mit seinem Objektiv auf dem Stativ – am belebten Strand! (Heute wohl nicht mehr denkbar…)

Auch Perkin Elmer lieferte Exemplare diese Objektivs unter der eigenen Marke (und auch Spezialausführungen an die NASA).

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Bild 11: Solid Cat-Ausführung 800mm f/11 unter Perkin-Elmer-Eigenmarke – Quelle: fotosaurier

Was unter der Marke „Vivitar Series 1“ wirklich geschah: die Fertigung lief 1975 an – wurde aber nach 3 Monaten wieder gestoppt, weil Vivitar feststellte, dass es für ein Amateur-Objektiv zu teuer war. Daher gibt es wohl tatsächlich nur eine relativ geringe Stückzahl von Objektiven weltweit (obwohl es damals heftig – auch in Deutschland – beworben wurde).

1978Minolta RF Rokkor 250mm f5.6

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Bild 12: Linsenschnitt Minolta RF Rokkor-X 250mm f/5.6 – Quelle: Datenblatt Minolta

In Beschreibungen werden die Mangin-Spiegel of als „Innovativer Schritt“ an sich hervorgehoben – was ja, wenn man von katadioptrischen Dialyt (von 1814!) ausgeht, nicht richtig ist. Auch ist die Bezeichnung eines „Rumak“, die ich schon gelesen habe, nicht wirklich zutreffend: Rumak würde einen Maksutov-Typen bezeichnen, der – nach Rutten als Rutten-Maksutov benannt – nicht den verspiegelten Fleck auf der Rückseite des Meniskus als Sekundärspiegel nutzt, sondern einen auf ein Podest auf dem Meniskus montierten Cassegrain-Sekundärspiegel. Aber diese Optik ist überhaupt kein Maksutov-Typ.

Diese Optik hat einfach ein hervorragendes Brachymedial-Design – insbesondere unter Berücksichtigung der kurzen Brennweite und extrem kurzen Baulänge von 58mm (ohne Gegenlichtblende).

Wie bei allen CATs ist die Benutzung der Gegenlichtblende dringend empfohlen!

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Bild 13: Minolta RFx Rokkor 250mm f/5.6 (ohne Gegenlichtblende) – Quelle: fotosaurier

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Bild 14: Größenvergleich RF Rokkor zu lichtstarkem Normalobjektiv (Olympus OM 50mm f/1.2 – das ist aber das kompakteste unter den f/1.2-Normalobjektiven. Mein heutiges Sony GM-50mm f/1.4 hat das ungefähr 3- bis 4-fache Volumen des RF Rockor …) – Quelle: fotosaurier

Das RF-Rokkor 250mm f/5.6 eröffnete damit Ende der 1970er Jahre noch einmal ein neues Brennweiten-Segment für katadioptrische Objektive mit einem wirklich großen Wurf in jeder Hinsicht – optisch wie geometrisch! Vielleicht lag es auch in der Luft? – umgehend tummelten sich in diesem Segment die Fremdobjektiv-Hersteller („Third-Party“) aber interessanterweise folgte keiner der großen Kamerahersteller Minolta in dieses Segment (meines Wissens …). Ich halte den Brennweitenbereich (250-350) für sehr sinnvoll, da  der „Durchschnitts-Fotoamateur“ mit dem Mmanuell-Fokussieren von 500er-Objektiven schon mal leicht überfordert ist – siehe meine Bemerkungen am Ende des Artikels.

Die Brennweite 250mm hat sich dabei nur einer der Fremdobjektivhersteller mal „zugetraut“. Vertrieben wurde das Produkt wohl nur über Handelsmarken – in Deutschland als „Berolina 250mm f/5.6“ bekannt, anderswo auch unter „Focal“ etc. Mir ist nicht bekannt, wer da der Konstrukteur bzw. Hersteller war. Die optische Qualität ist eher bescheiden und die Optik ist auch wesentlich größer als das RF Rokkor (fast so lang wie das Olympus Reflex 500mm f/8).

Die anderen Optiken lagen alle im Bereich von 300mm (f/4.5 bis f/6.3) oder 350mm f/5.6 (Tamron – sehr gute Optik!) – dabei war sogar ein russischer Maksutov-Typ (Rubinar) und auch Astro-Hersteller wie Celestron haben das probiert. Auch die Handelsmarke Spiratone war hier wieder dabei (viel gelobt!).

1978/79Celestron (Schmidt-Cass.) 750 f/6.3 und Questar (MAK) 700mm f/8

Dies sind Versuche, aus dem Astro-Geräte-Segment heraus reine Foto-Teleobjektive anzubieten (was ja mit dem russischen MTO früher schon mal sehr gut gelungen war – bis heute!).

Celestron  (1978) war das einzige reinrassige Schmidt-Cassegrain-Objektiv, das an den Foto-Markt gebracht wurde. Es verschwand ab 1986 wieder.

Das Questar-Gerät (1979) war als „lichtstarker Maksutov-Typ“ auch nicht lange am Markt.

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Bild 15: CAT-Teleobjektiv „Celestron 700“ 700mm f/8 – Quelle: fotosaurier

Qualitativ hochwertig und hervorragend gebaut – aber der Foto-Markt funktioniert eben anders als die „Astro-Nische“.

1982 – Olympus OM Zuiko Reflex 500mm f/8

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Bild 16: Das kompakte Olympus Zuiko Reflex 500mm f/8 an der „zierlichen“ OM4Ti (Gegenlichtblende eingeschoben) – Quelle: fotosaurier

Ich hebe dieses 500er CAT besonders hervor, weil es praktisch keine Fehler hat – außer dem Fehlen des Stativanschlusses, der allerdings dem Olympus-Konzept widersprochen hätte! Sein auffälligster Vorteil ist der hervorragende Bildkontrast, der das (sehr feinfühlige!) Fokussieren leicht macht – selbst ohne Fokusvergrößerung an der digitalen Systemkamera. Das Bild „springt“ geradezu in die Schärfezone. In mittleren Entfernungen ist die Bildstruktur („Rendering“) – auch des Hintergrundes! – sehr schön. Auch die ausziehbare Gegenlichtblende ist sehr praxisgerecht.

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Bild 17: Beispiel des schönen Renderings beim Olympus OM Reflex Zuiko 500 f/8 – Quelle: fotosaurier

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Bild 18: Linsenschnitt Olympus OM Reflex Zuiko 500mm f/8 (Lichteintritt von rechts! – Gegenlichtblende eingeschoben) – Quelle: Datenblatt Olympus

Zusammen mit dem Minolta AF Reflex 500 und dem fast 20 Jahre später erschienenen Mirotar 500mm f/8 ist es das beste 500er-CAT das ich persönlich und praktisch kenne. Beide Spiegel sind Mangin-Spiegel. Das Auffälligste ist, dass hier ALLE optischen Elemente in nur zwei Gruppen um die beiden Spiegel zusammengafasst sind! Es ist das CAT mit der geringsten Zahl von Glas-Luft-Flächen. Ich vermute, dass dies ein Teil des Geheimnisses des hervorragenden Bildkontrastes ist.

Bei meinen jüngsten Messungen mit einer Nyquist-Frequenz des Sensors von 3.168 LP/BH messe ich beim Zuiko-Reflex ca. 1.500 LP/BH (entsprechend 125 Linien/mm) in der Bildmitte – in der äußersten Ecke bei ca. 860 LP/BH. Ich gebe die Auflösungswerte für 30% Kontrast an (wie meistens üblich …) Für die damalige analoge Fotografie waren das Werte, die noch über der praktischen Filmauflösung lagen (zumal mit ISO 400-Filmen – oder nochhöheren ISO-Werten!).

Deutlich kompakter als diese Optik ist meines Wissens nur das Tokina 500mm f/8 – aber das spielt in der optischen Qualität eine Liga darunter. Auch das Tamron 500mm f/8 ist etwas kürzer – man muss aber eine Gegenlichtblende aufschrauben, die fast so lang ist wie das Objektiv selbst!

1982/83Vivitar Series 1 450mm f4.5

Hier ist die Datierung ganz sicher:  Oktober 1982 wurde das Objektiv auf der Photokina in Köln vorgestellt. Ab 1983 wurde es meines Wissens ein Jahr lang gefertigt. Es gibt dazu auch noch einen 2-fach-Telekonverter, der speziell für die Optik gerechnet ist und direkt am T2-Gewinde angeschlossen wird.

Diese Optik hat nichts mit den früher gelieferten Vivitar Series 1 „Solid Cat“ zu tun!(Das war vereinzelt angenommen worden …)

Dies ist die wohl (bisher) exotischste katadioptrische Foto-Optik, die es tatsächlich an den Markt geschafft hat! – Eindeutig ein Fall für  die Rubrik „My Crazy Lenses“ – demnächst hier in diesem Blog

Das Design stammt von der Optik-Designfirma OPCON Associates, die der ehemalige Perkin-Elmer Mitarbeiter Ellis Betensky 1969 mit zwei anderen Partnern (Melvin Kreitzer und Jacob Moskovich) 1969 gegründet hatte – und die bis heute existiert (seit 1996 ohne Betensky).

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Bild 19: Vivitar Series 1 450mm f4.5 (Länge 150mm – ohne die Gegenlichtblende) an der Olympus OM – Quelle: fotosaurier

Nach intensiver Suche habe ich schließlich das Patent für dieses katadioptrische Objektiv gefunden: US-Patent 4523816 angemeldet 1983 für Vivitar. Anders als oft zu lesen, ist als Erfinder Melvin Kreitzer eingetragen und nicht nicht Ellis Betensky. Die Bilder „Fig.3 und Fig.4“ sind durch klicken auf „Full Pages“  (am linken Rand) einzusehen.

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Bild 20: Grobe Linsenschnitt-Skizze aus dem US-Patent 4523816 für das Vivitar Series 1 450mm f/4.5 – entspricht sicher nicht in allen details dem endgültig hergestellten Objektiv – es fehlt z.B. die nach vorne abschließende dünne Planglasscheibe (s. FIG-4) – Quelle: US-Patent 4523816

Der EXOT besitzt vier höchst innovative Besonderheiten:

a – Der (sehr dicke!) Front-Korrektor L1 besteht laut Spezifikations-Claims aus PMMA-Kunststoff („Acryl-Glas“).

b – Der Korrektor L1 hat auf der Vorderseite eine asphärische Fläche! … also eine Art „verkappte-Schmidt-Platte“?

c – Das System besitzt eine Innenfokussierung durch Verschiebung der Korrektor-Linsengruppe G2. Dabei ändert sich die Brennweite des Objektivs in Naheinstellung.

d – das vordere Kunststoff-Korrektorelement L1 ist an der Objektiv-Vorderseite durch eine dünne planparallele Glas-Scheibe geschützt (fehlt in Fig.3 – angedeutet nur in Fig.4 des Patentes).

Weitere Informationen zu diesem Objektiv im Artikel in der Reihe „My Crazy Lensesdemnächst.

1989Minolta AF Reflex 500mm f/8

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Bild 21: Minolta AF Reflex 500 an der Sony A7RIV (mit Gegenlichtblende) – Quelle: fotosaurier

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Bild 22: Minolta Autofocus 500mm f/8 – Quelle Minolta Objektiv-Spezifikation

Minolta hat damit – 4 Jahre nach der Einführung der AF-SLR als erster weltweit und bis heute einziger Hersteller – etwas gemacht, was eigentlich als „unmöglich“ galt: Funktion eines zuverlässigen Autofokus bei Blende 8!  Ich hatte das Objektiv an der Dynax 7D und ich benutze es bis heute an der Sony A7RIV (mit Adapter LAEA4)  – das funktioniert hervorragend und sehr schnell auch noch bei schwachem Licht! Das Objektiv wurde auch lange Zeit noch mit dem Sony A-Mount ausgeliefert und ist in anscheinend fast beliebiger Menge und günstig am japanischen Gebrauchtmarkt zu erhalten – in Deutschland eher selten und viel teurer als in Japan!). Es ist auch eine meiner „crazy lenses„. (Bericht folgt in einigen Wochen!)

Der Aufbau benutzt zwei Mangin-Spiegel und ähnelt dem Design des Minolta RF 250mm f/5.6. In der Bildqualität spielt es absolut in der Oberliga – wegen der grundsätzlichen  Fokussier-Schwierigkeiten mit den manuell zu fokussierenden CAT-Objektiven ist der Autofokus für sich in der Praxis ein großer qualitativer Nutzen!

Ich halte es – zusammen mit dem RF Rokkor 250mm f/5.6 – für das unter heutigen Bedingungen an D-SLR und Spiegelloser Systemkamera nützlichste historische CAT – auch frei Hand einsetzbar für „normale Alltagsfotografie“. Die Klasse der manuell fokussierbaren 500er CATs ist sonst doch schon etwas für das Staiv!

1997Zeiss Mirotar (für Contax c/y) 500mm f8

Dies ist das letzte relevante 500er CAT (eines Originalherstellers), das auf den Markt kam – und es ist eines der Besten, das Zeiss nun als „Spätgebärende“ herausbrachte. Allerdings kann man den MFT-Kurven bei Marco Cavina entnehmen, dass es nicht an das überragende Referenzobjektiv 500mm f/4.5 heran reicht. (Ich finde: das ist keine Schande – ca. 800 Gramm treten gegen fast 4 kg an …)

Mirotar 500mm f8

Bild 23: Zeiss Mirotar 500mm f/8 von 1997 – Quelle: Zeiss Datenblatt

Dieses Objektiv hat nun alle Merkmale der „modernen“ CAT-Bauweise: Mangin-Spiegel und nicht durchbohrter Hauptspiegel. Es ist allerdings kein Maksutov-Typ mehr sondern eine Hamilton-Bauweise mit ausgeklügelten Sub-Apertur-Korrektoren. Der Mangin-Primärspiegel ist ungewöhnlich dick! Zusätzlich zu einer ausziehbaren Sonnenblende besaß das Objektiv einen sehr schlank gebauten drehbaren Stativanschluss – es war also in jeder Hinsicht  perfekt.

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Bild 24: Zeiss MIROTAR 500mm f/8 – Quelle: fotosaurier

Anfang der 2000er Jahre erschienen plötzlich viele nagelneue Mirotar-500mm f/8-Objektive zum Preis von 500 EUR im Angebot (unter halbem Listenpreis)! Es ging das Gerücht, dass ein ganzer Container mit diesen Objektiven geraubt worden sei – danach wäre das alles Hehlerware gewesen … Vielleicht hatte aber auch Zeiss nur wieder ein größeres Los vorweg gefertigt und versuchte die Ware rechtzeitig vor der Einstellung der Kyocera-Contax-SLR (2005) los zu werden – es fand also ein radikaler Abverkauf statt? Ich weiß nicht, was wirklich der Grund war – aber ich habe es gekauft. Im Vergleich zum Olympus-CAT habe ich damals festgestellt, dass beide Objektive gleichwertig an der Spitze des Wettbewerber-Feldes liegen (seinerzeit mit Vergleich auf Analog-Film festgestellt). Ich habe dann das Zuiko-CAT behalten, da es kompakter und leichter war. Bei einem Vergleich am aktuellen 63 MP-Digital-Sensor könnte sich heute allerdings herausstellen, dass eines der Objektive doch dem anderen überlegen ist, da unsere Vergleiche auf Analog-Film einen praktischen Grenzwert von ca. 100 Linien/mm besaßen – entsprechend 1.200 Linienpaare/Bildhöhe. Wie schon oben angemerkt liegt das Olympus-CAT am digitalen Sensor bei 1.500 LP/BH.

In der Zeit nach dem Jahr 2.000:

Nachdem Sony als letzter Anbieter das AF Reflex 500 (original Ex-Minolta!) eingestellt hat, gibt es meines Wissens kein CAT-Objektiv eines Original-Herstellers mehr am Markt.

Einige Fremdobjektiv-Hersteller (auch neuere wie Samyang) haben sehr preiswerte CAT-Objektive im Programm. Die weitaus meisten CATs, die heute herum geistern, werden unter Handelsmarken vertrieben. Man sollte von denen nicht zu viel erwarten. Darunter sind auch solche, die schon in den 1980/90er Jahren exakt so geliefert wurden – erkennbar z.B. an der identischen Ausführung der auffälligen Gummierung des Fokussier-Rings.

Gerade vor wenigen Wochen hat allerdings einer der renommierten Fremdobjektiv-Hersteller (Tokina) wieder ein neues CAT mit 400mm f/8 und T2-Anschluß neu auf den Markt gebracht.

Ist das der Beginn einer Renaissance?

Man wird sehen …

Warum sind die katadioptrischen Teleobjektive (CAT) nach der ersten großen „Welle“ (1965-1990) fast wieder verschwunden?

Auffallend ist, dass extrem viele der im Netz angebotenen CATs in ganz hervorragendem Zustand – oft neuwertig – sind. Das könnte bedeuten, dass sie kaum benutzt wurden. Das ist auch meine persönliche Meinung. Eine Ausnahme bilden überdurchschnittlich oft die „Russentonnen“.

a) Im professionellen Bereich wurden die frühen CATs wohl hauptsächlich wegen der farbreinen Abbildung eingesetzt. Dieser Vorteil fiel mit dem Erscheinen der Tele-Objektive mit ED-Glas ab ca. 1982 weg. Allerdings wurde dieses „Versprechen“ der Abwesenheit von Farbfehlern tatsächlich nur von den Spitzen-CATs am Markt eingelöst. Möglicherweise blieb noch der Grund eines federleichten, kompakten „Immer-dabei-Lang-Brennweiters“ erhalten, der für den Fall des Falles hinten in der Reportage-Tasche schlummern durfte.

b) Das manuelle Fokussieren mit den CATs geringer Öffnungsverhältnisse (f/5.6 bis f/11 !) war selbst für erfahrene Manuell-Fokussierer sehr schwierig. Die Hilfsmittel wie Schnittbildindikator oder Mikroprismenring fielen ab f/8 aus – es blieb meist nur das Fokussieren auf dem Mattglasbereich übrig! Bei professionellen Kameras gab es teilweise wechselbare Einstellscheiben für den SLR-Sucher. Aber ehrlich: wer legt sich zwischendrin ins Gras und fummelt eine Einstellscheibe raus und wieder rein …?

Es ist auch festzuhalten, dass mit sehr wenigen Ausnahmen gerade an preislich günstigen CATs das präzise Fokussieren – für das man eigentlich eine Mikrometer-Schraube gebraucht hätte! – sehr schlecht und grob gelöst war. Das dauert dann, wenn man immer wieder vorbei gedreht hatte … oder die Schärfeergebnisse waren eben unterirdisch!

c) Alle CATs waren mehr oder weniger Streulichtempfindlich, wenn man gegen die Sonne fotografierte. Wenn man den Effekt eines großflächigen „Flares“ nicht bildnerisch nutzen will, kann ich tatsächlich nur davon abraten.

d) Die Verschlusszeit: Hinzu kam der Punkt, dass man an Analog-Kameras mit typischerweise maximal ISO400-Film für ein 500mm-Objektiv doch eine tausendstel Sekunde für ein scharfes Bild gebraucht hätte – also gerade die kürzeste Verschlußzeit, die typischerweise in den 1960er Jahren zur Verfügung stand! Die Stative, die wir als Amateure damals hatten, waren auch für 500er Teles nicht wirklich geeignet.

Da die Dinger so kurz bauen, unterschätzt man unbewusst die Brennweiten-Wirkung auf das Verwackeln. Darüberhinaus hat das „Handzittern“ mit dem kurzen Griff ein großes Übersetzungverhältnis.

Im Grunde waren die weitaus meisten Amateure, die sich erstmals ein so langbrennweitiges Objektiv zulegten, unerfahren in der Nutzung und manuellen Fokussierung solcher wirklich langbrennweitiger Objektive. Mit Übung und Zähigkeit kann man da viel erreichen – aber das bedeutet nur eines: fotografieren – fotografieren – fotografieren!

e) Nun war da auch noch die Situation des großen Zeitverzuges zwischen Auslösen der Kamera und dem Vorliegen der Ergebnisse mit entwickeltem Film/Dias und Vergrößerungen – mit denen eventuell die Enttäuschung aufkam, dass die Ergebnisse einfach nicht scharf oder doch verwackelt sind. Da landete dann vermutlich ein großer Teil dieser zunächst attraktiv erschienenen Objektive in Schubladen und Vitrinen – bis heute: und warteten auf den Weckruf durch die hoch auflösenden, bis ISO3200 nutzbaren digitalen Systemkameras, die binnen Sekunden ein Feedback/Bildergebnis liefern?

Werden die Karten für die CATs mit den modernen Systemkameras heute neu gemischt?

Ich halte das durchaus für möglich, dass die wahre Zeit für solche Objektiv-Designs nun erst begonnen hat:

Mit der praktisch gut nutzbaren ISO-Empfindlichkeit bis zu 3.200 oder 6.400 und elektronischen Verschlüssen bis 1/40.000 Sekunde gibt es eine dramatisch verbesserte Ausgangslage.

Allerdings muss man sich immer bewusst machen, dass trotz der tollen Fokussierhilfen an digitalen Kameras das manuell Fokussieren dennoch eine echte Herausforderung bleibt – zumal der  jüngere Normalfotograf keine Routine im manuellen Fokussieren besitzen dürfte! Wenn man bei 500mm Brennweite und 11-facher Fokussiervergrößerung versucht zu fokussieren tanzt das Bild im Sucher wie beim Blick durch ein Objektiv mit 5,5 Meter Brennweite – mit etwas Pech verliert man sogar sein Ziel aus dem Auge … Da hilft nur ein Stativ!

Ein Autofokus wäre hier eine durchschlagende Verbesserung der Nutzbarkeit.

Anscheinend testet auch schon ein renommierter Fremdobjektivhersteller (Tokina) gerade den Markt mit einem nagelneuen CAT mit 400mm f/8. Aber auch manuell zu fokussieren …

Aufhorchen lässt dabei auch die jüngste Ankündigung der Firma Canon, nicht mit CATs aber mit neuen DO-Tele-Objektiven von 600mmund 800 mm mit Öffnungsverhältnissen von f/11 neu entwickelt für die Sensoren der spiegellosen Systemkameras mit AF und IS im Objektiv und ebenfalls sehr kurz bauend bzw. zum Transport zusammenschiebbar. („DO“ bedeutet „Diffraktions-Optik“ – das sind dünne, leichte Beugungs-Elemente, die Linsen ersetzen können. Canon testet diese Technik seit Jahrzehnten bei langen, lichtstarken Teleobjektiven.)

Bei der Benutzung von historischen CAT-Objektiven an den modernen Digital-Systemkameras muss man sich klar machen, dass die Optiken nicht für die Benutzung am digitalen Sensor berechnet wurden und nicht jedes CAT mit jedem Sensor harmoniert. Da kann es auch vorkommen, dass eine Optik an einer Sony Probleme zeigt, an einer Fujifilm- oder Olympus-Kamera aber nicht. Typische Probleme sind helle „Halos“ in der Bildmitte, niedrige Auflösung am Bildrand oder generell flauer Kontrast.

Viel Spaß beim Ausprobieren – ich werde in den kommenden Wochen über einige CAT-Sensor-Kombinationen in meine Rubrik „My Crazy Lenses“ berichten.

Herbert Börger, Berlin, 8. November 2020

 

 

Katadioptrische Foto-Objektive – Teil II

Teil II: Spiegel-Linsen-Systeme für die „normale“ Fotografie.

Für fotografische Tele-Objektive werden ausschließlich Kombinationen von Spiegeln und Linsen – sogenannte katadioptrische Systeme – eingesetzt.

ENTSTANDEN sind auch diese Optik-Systeme ursprünglich alle im Bereich der astronomischen Optik (s. Teil I).

Diese Spiegel-Linsen-Systeme sind für normale fotografische Aufgaben im terrestrischen oder sogar Nahbereich geeignet – aber natürlich auch für astronomische Anwendungen und auch für visuelle Beobachtung der erzeugten Bilder durch ein Okular – vorausgesetzt, dass die tatsächliche Umsetzung der Gerätekonzepte mit Auflösung und Kontrast auch die hohen Ansprüche für astronomische Geräte erfüllen!

Katadioptrische Systeme werden im normalen Foto-Bereich gegenüber reinen Linsen-Teleobjektiven wegen sehr geringer Baulänge und Gewicht geschätzt.

Der bedeutendste Unterschied der Foto-Optik (zum Einsatz als Wechselobjektiv an Systemkameras) gegenüber der astronomieschen Optik ist, dass die Optiken hermetisch dicht abgeschlossen sein müssen. Ein Handhaben offener Spiegelsysteme als Wechselobjektiv im alltäglichen Einsatz wäre aus vielen Gründen undenkbar: Staubablagerung, Spritzwasser, Tau- und Belagsbildung, Beschädigung.

Das Scheitern des kommerziellen Projektes eines Nur-Spiegel-Schiefspieglers in den 1970er Jahren (Katoptaron) des deutschen Optik-Designers H.Makowsky mit einem völlig ofenen Spiegelobjektiv scheint diese Hypothes zu bestätigen. Das optische Konzept des Schiefspieglers (das es in dutzenden individuellen Varianten gibt) ist keinesfalls Schuld daran: es ist sehr erfolgreich und hoch geschätzt bis heute vor allem im Astro-Amateurbereich – aber auch bei wissenschaftlichen Anwendungen!

(Für astronomische Geräte gilt im Allgemeinen genau das Gegenteil bezöglich Offenheit: sie sind am besten so offen wie möglich, damit der Temperaturausgleich in die kälteren Nacht-Beobachtungszeiten hinein möglichst schnell und ohne Temperaturdifferenzen innerhalb des Gerätes vonstatten geht! Bei hermetisch geschlossenen Foto-Objektiven muss man sich der Gefahren durch Temperaturdifferenzen im Gerät für die optische Leistung deshalb immer bewusst sein!)

Rubrik III – das „Katadioptrische Dialyt“

Bevor wir uns den konkreten Fotoobjektiven zuwenden, müssen wir noch einen dritten Ausflug in die astronomische Optik machen. Der wird notwendig, wenn man sich die Linsenschnitte der verschiedenen katadioptrischen Foto-Objektive nur einmal flüchtig ansieht:

dabei fällt einem schnell auf, dass diese Systeme sich im Wesentlichen in zwei Gruppen unterteilen lassen:

Gruppe 1: Maksutov-Cassegrain-Systeme, leicht erkennbar an der nach vorne konkaven Frontlinse;

Linsenschnitt_Rubinar300mm_f4.5

Bild 1: Linsenschnitt Foto-Objektiv auf Basis Maksutov-Cassegrain mit Meniskus-Frontlinse und ohne Mangin-Primärspiegel (Rubinar 300mm f/4,5 – Lichteintritt links). Bei diesem guten Objektiv verläßt man sich wegen des relativ großen Bildwinkels nicht mehr alleine auf den Maksutov-Meniskus! – Quelle: Spezifikationsblatt des Herstellers

Gruppe 2: Ähnlicher Cassegrain-Grundaufbau wie Gruppe 1, aber die große Frontlinse, die das System nach vorne abschließt, ist kein Meniskus.

Mirotar 500mm f8

Bild 2: Linsenschnitt Foto-Objektiv der „Gruppe 2“ (Zeiss Mirotar 500mm f/8 von 1997), Lichteintritt links) – Quelle: Zeiss-Spezifikations-Blatt Mirotar 500mm f8

Die eventuell erwartete Gruppe auf Basis des Schmidt-Cassegrain-Prinzips existiert nicht – ich habe jedenfalls dafür nur ein Foto-Objektiv-Beispiel gefunden: das Celestron 750mm f/6.3. Ein elementares SC-System ohne zusätzlichen Sub-Apertur-Korrektor von 1978. Auch Celestron ist danach wohl bald wieder bei seinen „Leisten“ geblieben – den astronomischen Teleskopen – bis heute.

Schon die beiden frühen ersten „Zeiss-Boliden“ 500mm f/4.0 (Ost) bzw. f/4.5 (West) und 1.000mm f/5.6 – Ost und West – sind Stellvertreter der beiden Gruppen 1 und 2:

Das mit Vorstellung 1961 frühere Carl-Zeiss-Jena-„Spiegelobjektiv“ (Ost) ist ein Vertreter der Gruppe 2 mit zwei Linsen in der vollen Apertur, die nicht Menisken sind; man könnte es wohl am ehesten als Houghton-Cassegrain-Variante bezeichnen.

Das 1963 herausgebrachte Zeiss-Oberkochen-Mirotar (West) ist ein Maksutov-Typ (es hat sogar zwei-Meniskuslinsen in der vollen Apertur! (Linsenschnitt des 1000mm f5.6 in diesem Link).

Des Rätsels Lösung: die sogenannten katadioptrischen Dialyte!

Schon sehr lange war in der astronomischen Optik ein wesentlich grundlegenderes optisches System der Kombination von Linse und Reflektor bekannt: schon Newton soll darüber nachgedacht haben (!) aber erstmals schriftlich dokumentiert wurde es 1814 als Patent von F.W. Hamiltonheute bekannt als das Hamilton-Teleskop.

Damit war das Grundprinzip des katadioptrischen Dialyts (auch Brachymedial genannt) in der Welt. Es wird nach gut 200 Jahren immer noch stetig und erfolgreich weiterentwickelt – und es ist die Grundlage aller katadioptrischen Foto-Objektive.

In der einfachsten Form besteht es aus zwei Linsen: einer vorderen Sammellinse aus Kronglas (Lichteintritt) und einer hinteren Meniskuslinse aus Flintglas, deren hintere (konvexe) Fläche verspiegelt ist. Dieses hintere Element wird man mehr als 60 Jahre später (nach Mangins Erfindung für Scheinwerfer-Spiegel 1876) auch als „Mangin-Spiegel“ bezeichnen … obwohl er 1814 bei Hamilton längst da war – als katoptischer Teil des Hamilton-Teleskops.

Vom Grundaufbau von Hamilton habe ich keine Creative Commons Abbildung verfügbar, aber hier in der „telescope-optics“-Website finden sie das Bild und eine ausführliche Beschreibung und zusätzlich Informationen über Folgeentwicklungen: die Schupman-Wiedemann-Busack-Riccardi-Houghten-Honders-Terebizh-Teleskope bzw. -Kameras.

Das Maksutov-Teleskop ist demnach nur EINE spezielle Variante der katadioptrischen Dialyte! 

Maksutov hat seine Entdeckung der Meniskus-Korrektoren-Lösung selbst so beschrieben, dass ihm angesichts des Mangin-Spiegels die Idee kam, die Meniskus-Linse von der  (sphärischen) Spiegel-Fläche zu lösen und nach vorne zur Apertur zu verschieben. M. suchte nämlich nach einer Lösung für ein robustes, abgedichtetes Teleskop für Schulen, das kostengünstig in Massen herstellbar sein würde! Da lag es natürlich auf der Hand, die Möglichkeit eines verspiegelten Zentralflecks auf der Rückseite des Meniskus als Cassegrain-Sekundärspiegel zu überprüfen … was dann erfolgreich war. Ob er auch Lösungen untersucht hat, für den Primärspiegel die Mangin-Lösung beizubehalten, ist mir nicht bekannt. Er soll insgesamt 46 Systemvarianten durchgerechnet haben … Ob ihm das Hamilton-Teleskop damals bekannt war, weiß ich nicht.

Sieht man sich die verschiedenen Lösungsvarianten der katadioptrischen Dialyte im Detail an, entdeckt man z.B., dass die Bauweise der Korrektorlinsen im Houghton-Teleskop dem Linsenschnitt in den Carl Zeiss Jena „Spiegelobjektiven“ (1961) entspricht.

Bild 3: katadioptrisches Dialyt nach Houghton, diese Korrektor-Bauform wird offensichtlich im Zeiss Jena Spiegelobjektiv verwendet  – Quelle: Wikipedia – Autor: Rick Scott – https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/

Gegenüber den „einfachen“ Frühformen reiner Spiegelteleskope verfolgte man beim katadioptrischen Dialyt von Anfang an zwei grundlegende Ziele:

  • Die Verwendung von ausschließlich sphärischen Flächen bei Linsen- und Spiegelflächen (Kosten! Massenfertigung! Genauigkeit!);
  • das Erreichen sehr großer Bildfelder mit hoher Bildgüte, z.B. für Astrographen-Kameras.

In der deutschen Wikipedia gibt es einen recht guten Übersichtsartikel über die katadioptrischen Dialyte – allerdings ohne Grafiken. Wer mehr Details braucht, dem empfehle ich nochmals die „telescope-optics“-Website.

Während in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg bei astronomischen Teleskopen und Kameras bevorzugt asphärische Korrekturen zur Optimierung der Bildqualität zum Einsatz kamen (Beispiel: Ritchey-Chretien-Cassegrain!) wird in der jüngeren Zeit bevorzugt mit sphärischen Optik-Flächen gearbeitet. Terebizh argumentiert in seiner Veröffentlichung von 2007 damit, dass sphärische Flächen sehr viel präziser und reproduzierbarer hergestellt werden können (also nicht nur billiger sind). Die damit erzielte Bildqualität sei nachweislich besser. Hinzu kommt, dass man – spätestens ab den 1980er Jahren –  neuerdings wesentlich mehr Freiheitsgrade im Bereich der Linsen-Korrektoren mit neuen Glassorten und effizienten Beschichtungen hat.

Hier gehts zu Teil III – zu den Fotoobjektiven von 1946 bis heute.

Herbert Börger, Berlin, 31. Oktober 2020

 

My Crazy Lenses / Meine sehr speziellen Objektive – No.1: Focal-Length 40 mm / Die Brennweite 40 mm

40 mm/45 mm (or 43 mm) is one of my very favorite focal lengths: in fact it corresponds very close to the diagonal of the 35 mm still photo format!

… and it is the perfect focal length for street photography – and for all situations in which you have just one focal legth to choose, which means: you have no choice really …

The first camera, whith which I was „socialized“ for Single Lens Reflex Cameras was the Contaflex II with Tessar 45mm f2.8 of 1953.

Contaflex-II_900

It was the time before the German photo industry „suddenly“ collapsed and when the local camera dealer still could repair a Contaflex II mechanically just within a day! (And there was nothing else really but mechanics – you will not seriously call a Selen photosensitive cell „electronics“?!)

This history may have strongly influenced me in my preference for this focal length – but you may also find one thousand good reasons for this focal length, which is the „real normal focal length = the diagonal of the 24 x 36-format“ indeed: longer than 35mm, shorter than 50mm.

In early times most of the point-and-shoot-cameras with fixed (built-in) normal lenses had 38mm to 45mm lenses … and there are still some today.

In fact this focal length was ALWAYS present in the photo industry for system cameras – and I own some of them:

Tessar 45mm f2.8 as fixed lens in the Contaflex II of 1953
„New“ Tessar 45mm f2.8 for Contax/Yashica-Mount – a 1983 design based on new glass
MD-Rokkor 45mm f2.0 – a pancace-type standard lens for Minolta SRT cameras of 1978
Minolta M-Rokkor 40mm f2.0 with Leica-M bayonet  (for the 1973 „CL“ Leica/Minolta)
Olympus 40mm f2.0 – an ultra compact pancake design of 1978 for OM cameras
Planar 45mm f2.0 for Contax G1/G2 of 1994

… and the modern available to-date lenses:
Fujinon 27mm f2.8 pancake design for APS-format X-trans sensors (correspond. to 43mm)
Panasonic 20mm f1.7 for Micro Fourthirds (corresponds to 40mm at FullFormat)
Batis (Distagon) 40mm f2.0 for Sony E-Mount (FullFormat) of 2018
Sigma 40mm f1.4 for Sony-E-Mount (FullFormat) of 2018
Fujinon 50mm f3.5 for Fujifilm GFX50/100 with sensor 44mm x 33mm

From this list of 11 lenses you can make the conclusion how important this focal length is to me!

… and there is an interval of 65 years in making betweeen all of these lenses!

There are other famous historical lenses, which are not available to me:

I once owned a Nikkor 45mm f2.8 pancake-lens of 1977 on the Nikon F3M – it was a just average Tessar design. The Pentax DA 45mm f2.8 Limited is famous (a Gaussian!). As far as I know, Canon never played around with something like that … nor did Leica! What a pitty!
There is as far as I know also a modern Voigtländer lens 40mm f2.0, which I never tried! As it is an „Ultron“-design (and also includes an aspherical lens) it should also be of top notch performance. About the Voigtländer Nokton 40mm f1.2 aspherical I know nothing but that it probably is a „Distagon“-type lens as my Batis is …

Now here is my odd couple of the week:

–> look at the Olympus 40mm f2.0 pancake vs the Sigma 40mm f1.4 !

OddCouple_OM+Sig_
Bild 1 / picture 1: Olympus OM 40mm f2.0 und Sigma 40mm f1.4 – David and Goliath?

The Olympus 40mm f2.0 is a modified (6 lens – 6 groups!) double Gauss design – but extremly sophisticated due to the extremely short physical length combined with a very respectable speed of 2.0 at a length of 26mm and weight of 146 grams – Filter diameter 49 mm … and the close-focusing ability to 0.3 meters in spite of its compactness! You must however consider, that the OM is made for an SLR: that means: to put it on the same mirrorless Sony-E-Mount-Camera, the adapter adds another 28 mm. But in spite of that – the optical construction is actually pressed into the 26 mm length – including space for a filter-thread… Sitting on my Olympus OM 3Ti camera body it is as perfect package!

The Sigma 40mm f1.4 DG HSM / Art for E-Mount is a monster weighing 1,200 grams and stretching over a length of 157mm. It is composed from 16 lenses, which are stacked nearly face-to-face in the volume of the assembly – including all types of modern glasses  … and even one aspherical lens! And it uses 82mm diameter filters … You could call this a „stretch-limousine“ of modern photo-technique … When you put it on a Sony A7R you feel crazy – and in the street everybody thinks, you are peeping into the crowd with a super-telephoto! That is somewhat embarrassing.

And no: it has NO tripod-thread somewhere near the lens+camera-center-of-gravity. So you have to balance the massive lens on one hand while you take care of that tiny miniaturized camera at the near end of it…

Could there be any rational sense in the making of the Sigma-Monster? Serving exactly the same purpose on the camera: taking a picture with an angle of view of circa 57 degrees?

O.k., lets try:

The lens has a very high speed – I do not know personally any other 40mm-lens with f1.4 so far  – at least for FullFormat. (There has been a 40mm f1.4 for Olympus Pen HalfFrame-Cameras in the nineteen-sixties and yes: there is even a Voigtländer Nokton 40mm f1.2 now for 35mm) … and this Sigma is the best photographic lens I know at present for 35mm-format (independent of focal length and brightness)  – a fact that might justify even the price … Beware: this is my personal ranking – nothing more nor less.

The optical qualitiy of the lens is overwhelming … I instantly saw the brilliant performance of this lens – just through the finder of my Sony camera! An extraordinary situation! At f1.4 !!!

So now let us look at the resolution facts measured with IMATEST. For this I use generally the Sony A7RM4. How much better is the super-ambitioned super-modern Sigma against the antique Olympus gem of 1978?

The spreadsheet shows some other historical and modern lenses for comparison purpose.

(Remark: As I cannot measure resolution with a fixed lens in an analog camera like the Contaflex II, I chose a typical 50mm-Tessar of the nineteen-fifty/sixties from Zeiss-Ikon for the first comparison-position. The „old“ Tessar from 1961 is what you expect from it (based on 1902 invention by Paul Rudolph): good anastigmatic design but a little bit soft.

OddCouple40-2

Bild2 / picture 2: Resolution, edge-profile width, distortion and  CA for a group of 40/45mm-lenses for 35mm-FullFormat (plus corresponding Fujinon 27mm-lens for APS-sensor format)

(Bemerkung zu der hier neu hinzugefügten Spalte 4 – „Kantenschärfe“: das ist die Breite des Übergangs an einer standardisierten Hell-Dunkel-Kante von 10% bis 90% (in Bildmitte) – siehe untenstehendes Bild 2

Remark in reference to the column 4 width of „edge-profile“: this is the width of the transition from white to black at a standardized edge between 10% and 90% of brightness (in the center) – see picture 2 below, upper graph:

Kante_Sigma40f1,4

Bild 3 / picture 3: Edge profile (10-90% rise) – upper picture) and MTF-curve (lower) for Sigma 40mm f1.4 fully open (f1.4). Absolute perfect performance! Remarkable MTF-result: MTF is stunning 0.403 at Nyquist-frequency and drops slowly stopping down! Excelent lenses like the Batis 40mm f2.0 start at 0.3 and reach 0.35 at optimum f-stop (f4.0).

The optical quality-results of the Sigma 40mm f1.4 / Art (on the 62 MP Sony A7R4 –  Nyquist frequency: 3.168 LP/PH):

  • At f1.4 the weightet mean resolution of MTF30 over full frame is 93% Nyquist-frequency (center 102%, corner 78%)
  • 10-90% rise of edge profile is 0.96 pixels at f1.4 – which is lowest at this f-stop
  • MTF at Nyquist-frequency is 0.403 at f1.4 – going down to 0.34 at f5.6.
  • Center resolution is max. at f2.0 with 110% Nyquist-frequency (3.472 LP/PH)
  • weighted mean is max. at f5.6 with 99% Nyquist-frequency
  • at this f5.6 f-stop the corner-resolution (average over 4 corners!) reaches 88%
  • The differences of resolution between f2.0 and f8.0 are irrelevant under practical photographical aspects: 3.017 – 3.141 LP/PH weighted average over the full frame!
  • Distortion is -0.01% to -0.1% – at most f-stops around 0.05% – let’s say: „ZERO“
  • Lateral Chromatic Aberration (CA) is max. 0.1 mostly ca. 0.03 pixels around f5,6
  • Autofocus is excellent!
  • Due to the high image-contrast, manual focusing is very easy, fast and precise with this lens!

(LP/PH means: Line pairs per picture hight – picture hight für Sony A7R4 is 6336 pixels.)

Conclusion: The Sigma 40mm f1.4 is a highly convincing lens opticaly and in build quality. A bit closer focusing range would have been nice for its price (like the Batis 40f2.0 – and even the pancake OM-40mmf2.0 focuses closer!) – the handling on the Sony mirrorless camera is a serious task … I cannot recommend to put the camera with this lens on a tripod for day-to-day-work – just using the tripod-thread of the camera-body! (For my IMATEST test-frames it worked just o.k.). I would recommend to use this lens on a massive and solid D-SLR to be really happy with it! Personally I would use it for Street Photography and for Architecture – if there were not the handling restrictions.

And what about the optical merits of the compact side of the „Odd Couple„? —- The Olympus OM 40mm f2.0?

The merits are fantastic – even in comparison to modern lenses – especially under the aspect of its compactness. I was very amazed, when I read, that the lens was considered by Olympus as a low-cost alternative to other standard lenses (entered at just below 80 Dollars!). In spite of that (and the quality!) there were not so many sold … (good for the price on the second hand market!).

This lens was designed just a few years before the exciting new glass-types (like ED-glass) entered the industry – delivered from 1978. In the center it is just about 3% behind the Batis – even open at f2.0. In the corners it starts low – typical for the time (see the MD 45mm f2.0). Stopped down to f8 it improves dramatically in the corners (at 90% of the FOV!) – resolving ca. 7% close to the corner performance of the Batis 40mm. This resolution-perfomance of the OM 40mm f2.0 is much better than it could be brougt practically to the normal analog film-emulsions of the 1970s times (or even today) – with good contrast at the same time.

The price, this Olympus OM-lens has to pay for its compactness is obviously the distortion (at -1.5% still really acceptable for the time) and the CA – twice as big than contemporary „standard-Lenses“ and 20 times larger than typical today (not to forget both properties could be corrected afterwards today as well!).

Stopped down this ultra-compact Olympus OM-gem  40mm f2.0 reaches results in practical picture-taking, which use the resolution of the 62 MP mirrorless sensor seriously! Look at the two comparison-shots of a Montbretia-colony below, which are taken free-hand, manual focussing. The depth of the scene allows to judge, where the sharpness-plane is. And with a large number of similar objects you have the chance, to hit one of these with the focus-point exactly. At least you can tell: no – it is not the lens, which is not sharp: it is you, who focused wrong …

I chose a „nature-scene“, because in this you have the chance, that below the larger structure of the object there is still a sub-structure … and below that another sub-structure … and so on! The picture of a bicycle-frame does not offer too much of that … I did focus at the stamens of the highest upright blossoms near the center. (Natural sunlight came from the right side.)

DSC06004_HD

Bild 4 /picture 4: The scene for the comparison shot – here with Olympus OM 40mm f2.0 at f8  – distance ca. 0.9 m (on Sony A7R4) – MANUAL focussing

Following are sections at 100%-view-level (no corrections made on the data-file):

Here with the Sigma-lens I exactly hit the target, which I focused (blossom in the middle of the three) – on a big screen you see the wonderfull plasticity of the stamens-details even on this level of enlargment. Red is a difficult colour and the contrast within the blossom-leaves is very low.

DSC06000_Sigma100%

Bild 5 /picture 5: Detail of this scene – here with Sigma 40mm f1.4 at f8 (H:1325 pixel)

Next is taken with the Olympus OM 40mm f2.0: the focus sits about one cm more in front compared to the Sigma-shot: here it is the right blossom with stamens – nearly as sharp as with the sigma. I had not noticed, that a wasp had settled on the Montbretia flower – exactly in the focal plane …!

DSC06001_OM100%

Bild 6 / picture 6: Detail of the scene with Olympus OM 40mm f2.0 at f8 (H: 1300 pixel)

Next picture:  Look how the insect pops out from the picture with the Olympus OM-lens at 0.9 meters focusing distance, with a surprising plasticity even at 100% viewing-enlargement (see picture 7) – even the fine hairs on the insects body starting to show.

DSC06004_OM40_Wespe_100%

Bild 7 /picture 7: Detail of a second shot with the wasp taken with Olympus OM 40mm f2.0 at f8 (height: 763 pixel) – at 100%-enlargement (picture taken at distance 0.9 meters!)

Conclusion: if you like to stay nearly „invisible“ in the street (where corner-resolution rarely matters!) and if you are well used to and experienced with manual focusing (MF), this more than 40 years old Olympus lens-design still is a valid option to use – even on the Sony A7R4! My copy still is clear and contrasty (obviously!). Near the center, the detail-resolution is really comparable to the Sigma monster-lens stopped down (f5.6 … 8.0). The merits of the Sigma-lens are its phantastic performance between f1.4 and f2.8 and into the corners – at practically zero distortion and CA!

The closest modern competitor to the Sigma 40mm is the Batis 40mm f2.0 (Distagon), which is just slightly behind the Sigma in every single optical property – fortunately it is also somewhat behind in price … and very-very-much lower in weight. As mentioned already it focuses very close! In practical picture-taking situations, you would probably not be able to tell which picture is made with the Sigma and which with the Zeiss-Batis – if close focusing is not part of the game…

The optical properties of all the other historical lenses in the comparison show very well the typical development in optical quality of standard-lenses over the time since just shortly after World War II (from 1953 – when I was 8 years old).

Two of these lenses ar made not for SLRs but for Rangefinder-Cameras, with the typical short distance between the rear of the lens and the film/sensor (rear focus). Especially at wider field of view this leads to light-rays, hitting at very flat angles onto the picture-plane. That is no problem with analog film – but a desaster with digital sensors!

These RF-lenses are the Minolta-M 40mm f2.0 (for Leica-M-Mount, coming with the Minolta CL in 1973) and the Planar 45mm f2.0 for the legendary (Autofocus!) Contax G1/G2 – early 1990s. Both are suffering severely under the oblique-ray-problem on the Sony-Sensor leading to very low corner-resolution in my measurements! This does not reflect the real performance on analog film!

The Planar 45mm f2.0 was famous as one of the best standard-lenses of its time – and I can confirm, that there is no such corner-resolution issues on analog film with my Contax G2. Interesting, that the issue vanishes stopped down to f8. Together with the Sonnar 90mm f2.8 on the Contax G2 you had one of the best lens-sets  of the 90s (plus autofucus!) on one of the most beautiful cameras EVER… That you could additionally have a crazy HOLOGON 16mm f8 on this camera makes it even more remarkable.

Sensational is the „New Zeiss Tessar“ 45mm f2.8 for Contax SLR – an extreme pancake-lens  (length 16mm !) based on the new glass-types of the early 1980s. In this Zeiss has extended the performance of the famous 4-lens-Triplet (invented 1902) to the level of the best double-gauss designs (Olympus 40mm and Contax-G-Planar 45mm). Only the edge-profile-sharpness did not arrive at the level of the Gaussians. It was also edited as aniversary-lenses for both Contax-aniversaries 1992 (60th) and 2002 (70th) – the latter one together with the Contax Aria: a much beloved combination, which I owned once.

Stopped down (to f8-f11) it nearly reaches the performance of the modern Batis 40mm! This lens was very expensive for a 4-lens design (starting at DM 698,00 – later € 449,00)! Due to this probably not too many should have been sold – however, still today it is legendary! The legend is justified by the measured data.

The Angénieux-Zoom 45-90mm f2,8: I could not resist to put this first Photo-Zoom of Angénieux (designed ca. 1964 – delivered exclusively for Leica SL/Leica R from 1968 to 1980!) into this comparison. The reason: in the 1960-70s in Germany, the so called „German doctrine“ was common sense, which says: „No zoom-lens can ever reach the performance of a fixed-focal-length lens!“ I can testimony this myself: that is what I thought at that time, too. And it was unfortunately confirmed, after we bought the first cheap zoom-lenses for amateurs.

For the professional cine-lens sector, this was not true any more since 1956/1960 – when Pierre Angénieux launched the first 4x-cine-zoom-lenses in production … and 10x-zooms since 1964. (More details about this in my article about Pierre Angénieux – a detailed analysis about his photo-zooms will follow soon in this blog.)

Look at the resolution-data of the 45-90mm-Zoom at 45mm: it reaches 96% of Nyquist-frequency on the 62 MP-Sony in the center. It is on par with fixed-focals of that time – and even wide open it surpasses them in the corners!

Finally I put in at the end of the comparison list, the (in my opinion) most under-rated Fujinon-X pancake-lens 27mm f2.8 (corresponding to 43mm at full-frame). It reaches 125% Nyquist at f4.0 on the Fujifilm H-1 (24 MP), has low distortion and perfect CA and corner-sharpness values. It is a bit soft in the corners wide open. Perfect for street-photography!

Berlin, 7. August 2020

fotosaurier – Herbert Börger

P.S.: I personally own all lenses and cameras, about which I am writing here in my blog. There are no lenses, which the maker or distributer has given to me for free or temporarily. And as you see, there is no advertisement in my blog… and I do not ask for other „support“ from you than that you tell me, if you have found an error. Of course, you are welcome to share your own experience with us in comments.

PPS: Parallel to the Sony A7R4 I shot the same scene with the 50mm f3.5 lens on the Fujifilm GFX100 (also stopped down to f8.0) – which corresponds exactly to the 40mm focal lenth on 24x36mm. See the following detail of the Montbretia blossoms – here again the rightmost blossom with stamens is exactly in the focal plane. The structueres are recorded here even with higher smootheness and plasticity, which is the advantage of the 100 MP sensor, an excelent algorithm and a very good lens as well, which resolves up to 5.051 LP/PH (at f5.6) in the center!

DSCF7459_50mm100%

Bild 8 / picture 8: Detail of same scene with Fujinon 50mm f3.5 on Fujifilm GFX100 at the same distance of 0.9 meters. (height: 1439 pixel)

 

 

Die Rand-/Ecken-Auflösung historischer SLR-Objektive – Teil 1 (Test-Targets)

Beim „Neustart“ der Foto-Objektiv-Produktion direkt nach dem 2. Weltkrieg lag die Rand-/Ecken-Auflösung typischer Objektive für das Kleinbildformat im Bereich von 300 … 400 … 500…600 Linienpaaren je Bildhöhe von 24 mm (entsprechend ca. 25 … 32 … 40 … 50 Linien/mm), während  diese Objektive in der Bildmitte (auch bei Offenblende) über 3.000 LP/PH liefern können. Bei den damals neuen Retrofokus-Weitwinkelobjektiven konnten bei offener Blende die Auflösungswerte in den Ecken auch bei 200 LP/PH oder darunter liegen (entspr. 17 Linien/mm).

Das sind nüchterne Zahlen – der Fotograf „denkt“ aber in Bildstrukturen! Ihn interessiert, was er SIEHT.

Was bedeutet dieser Auflösungsabfall von der Bildmitte zu Rand/Ecke für die praktische Fotografie?

Zunächst möchte ich dieser Frage an reproduzuierbar verfügbaren ebenen Bildstrukturen in einem Testbild für Auflösungsmessungen nachgehen, in dem man außer dem allgemeinen Schärfeeindruck auch Erscheinungen wie (Rest-)Astigmatismus und Farbfehler beurteilen kann.

40 L/mm am Rand galten bei Fotoobjektiven der 1950/60er Jahre bereits als „sehr gut“. In den 50er Jahren erreichten Objektive nach den Stand der Technik am Rand ganz selten Werte über 50 … 60 Linien/mm nach den damaligen Tests auf üblichen, feinkörnigem und normal bildgebenden Filmemulsionen, wie sie auch vom Normal-Fotografen verwendet wurden. In der Bildmitte gemessen erreichte die „analoge“ Kombination Objektiv/Film selten Werte oberhalb 90 L/mm.  Auf Spezial-Platten mit hoch-auflösenden Emulsionen – ausgewertet unter dem Mikroskop – konnte man aber auch damals durchaus bis zu 500 Linien/mm messen, was „digital“ 6.000 LP/BH entsprechen würde.

Der Bild-Sensor in der hier verwendeten  Sony A7Rm4 erreicht 3.168 LP/mm (60,3 MP).

Schon in den ersten 25 Jahren des 20.Jh. konnte mit den ausgereiften Anastigmaten in der Bildmitte („axial“) praktisch „beliebig hohe“ Auflösungen erreicht werden und es standen dafür auch geeignete Glassorten zur Verfügung. Man betrachte die mit IMATEST ermittelte Auflösungskurve (über dem Bildradius aufgetragen) des 1923er Ernostar 100mm f2.0 bei nahezu voller Öffnung (f2.8) an der 60MP-Sony-Kamera:

Ernostar100f2_2,8_Vgl
Bild 1: Kantenprofil, MTF-Kurve in der Bildmitte und Auflösung (LP/BH) über Bildfeld des Ernostar 100 f2.0 bei Blende 2.8

Es ist ein 4-Linser mit vier einzel stehenden Linsen – ohne Vergütung! Dafür erscheint Kantenprofil und MTF-Kurve sehr gut. Aber die Auflösungskurve über dem Abstand von der Bildmitte (100% auf der Abszisse entsprechen einem Bildkreis von 21,5mm Radius!) zeigt einen beängstigenden „Absturz“ von über 2.600 LP/BH auf ca. 300 LP/PH an Rand/Ecken!

Hier die Situation dreißig Jahre später – dazwischen liegt der 2. Weltkrieg:

Ang90f2.8_Vgl
Bild 2: Angénieux 90mm f2.5 von 1951  – Auflösung Rand/Ecken liegt bei 400/600 LP/PH – bei f2,5 – immerhin leicht verbessert

Die deutlich größere Verbesserung gegenüber dem Ernostar zeigt sich erst abgeblendet:

Ernostar100f2+Ang90f2,5_f11_Lens_MTF
Bild 3: Ernostar 100f2.0 (links) und Angénieux 90f2.5 (rechts), jeweils abgeblendet auf Blende 11 (optimale Blende)

zwar hat sich das Ernostar noch einmal auf olympische 3.000 LP/PH in der Mitte gesteigert (was 93% der Nyquist-Frequenz der verwendeten Kamera entspricht!) aber am Rand bleibt es bei 700-800 LP/PH (allerdings: immerhin verdoppelt).

Das Angénieux 90mm f2,5 erreicht nun aber über die gesamte Bildfläche gemittelt 2.789 LP/PH.

Machen wir noch einmal einen Sprung 30 Jahre weiter in das Jahr 1987. Die Entwicklung neuer, leistungsfähiger Glastypen hat nun weltweit neue Voraussetzungen geschaffen und war die Voraussetzung für das folgende typische Ergebnis am Beispiel einer anderen Optik-Legende:

Apo-Macro-Elmarit100f2,8_f2,8_Vgl
Bild 4: Leitz Apo-Macro-Elmarit 100mm f2.8 volle Öffnung Blende 2.8 – die extrem nach unten streuenden Messpunkte im rechten Bild stammen von der linken-unteren Ecke des Bildes, in der die Auflösung lokal dramatisch abfällt – die Ursache kenne ich nicht (ein Leitz Apo sollte eigentlich keinen so großen Zentrierfehler haben…).

Dank der neuen Gläser ist das Apo-Macro-Elmarit nun „offenblendentauglich“ – obwohl Kantenprofil und MTF-Kurve in der Bildmitte sehr ähnlich den Kurven des über 60 Jahre älteren Ernostar 100mm f2,0 sind! Abgeblendet, bei optimaler Blende (5,6) ist der Mittelwert der Auflösung über das gesamte Bildfeld des Apo-Macro-Elmarit (2.907) dann gerade mal 120 LP/PH höher als der Wert des „ollen“ Angénieux – und die Maximal-Auflösung des Apo-Macro-Elmarit in der Bildmitte ist abgeblendet nicht höher als beim Ernostar ….

Noch eine für seine Entstehungszeit sehr bemerkenswerte Eigenschaft des Angénieux 90mm f2.5 sticht hervor – der sehr niedrige Farb-Fehler (CA):

Angén90f2,5_f11+Apo-Macro-Elmarit100f2,8_Radial_Vgl Kopie
 Bild 5: Achtung: unterschiedliche Nullpunktlage und Maßstäbe in den Ordinaten!

Auf sehr geringen Niveau ähnlich Apo-Macro-Elmarit bei blau, dreifach so groß bei rot! Aber immer noch ein Drittel vom Contarex-Sonnar 85mm – zehn Jahre später. Einen Kompromiss musste Angénieux aber seinerzeit offensichtlich eingehen, um das zu erreichen: eine relativ hohe Verzeichnung von -1,2% gegenüber +0,4 beim Ernostar und +0,17 beim Apo-Macro-Elmarit.

Man kann also sagen:

der Fortschritt in der optischen Technologie lieferte für die Foto-Objektive überwiegend verbesserte Randauflösung bei Offenblende bei gleichzeitig verbesserter Farbkorrektur, Verzeichnung und erhöhtem Kontrast und verbesserter Streulichtresistenz bei niedrigen Frequenzen – letzteres nicht zuletzt durch die dramatisch verbesserte Beschichtungs-Technologie.

In diesem Link finden Sie Vergleiche des Angénieux 90mm mit weiteren Objektiven über den gesamten Zeitraum 1923 – 2015.

Ich schließe aus meinen vielen Messungen an historischen Objektiven aller Epochen, dass man ab Anfang der 1970er Jahre, den extremen Randabfall der Objektive bei Offenblende schrittweise reduzieren konnte – bereits 1977 gibt es ein Beispiel eines quasi „Ideal-Objektivs“ im Bereich Kurztele (Porträt): das VivitarSerie1 90mm f2,5 Macro! (Mit Einschränkung bei der Streulichtfestigkeit…)

Bei wesentlich größeren Bildwinkeln war das natürlich wesentlich schwieriger und gelang bei Weitwinkelobjektiven entsprechend später mit immer höher- und niedriger-brechenden Gläsern – und im Extremfall (großer Bildwinkel und hohe Lichtstärke) zuletzt erst mit dem Einsatz asphärischer Linsen.

Was bedeuten aber nun die niedrigen Rand-Ecken-Auflösungen bei den frühen historischen Optiken in den Bildstrukturen?

Fangen wir mit einer reproduzierbar beleuchteten, ebenen Objekt-Situation an, in der wir auch diese Auflösungswerte messen: dem detailreichen Test-Chart, das wir abfotografieren. Die Beschreibung der Testmethode finden Sie in diesem Link.

Das ist das Test-Bild, hier durch das Angénieux 90mm f2.5 bei voller Öffnung fotografiert.

#TestChart_Angén90f2,5_f2,5
Bild 6: Imatest-Test-Chart SFRplus, fotografiert im Kleinbild-Format 3:2

Der Abstand zwischen den oberen und unteren schwarzen Balken ist 783 mm im Original.

Die Analyse-Software von IMATEST verwendet übrigens nicht die kleinen Rosetten, die in die dunklen Quadrate eingebettet sind, sondern die Seitenkante der Quadrate, die um 5.71° VERDREHT sind. Mehr erfahren Sie in dem oben aufgeführten Link.

Das Übersichts-Bild soll Ihnen ein Gefühl davon vermitteln, wie fein die Rosetten-Details sind, wenn man ein Bild im normalen Betrachtungsabstand ansieht.

Hier das Detail eines Quadrates mit Rosette in einer Größe, die der Betrachtung des mit der 60MP-Kamera aufgenommenen Bildes bei „100%-Betrachtungsmaßstab“ entsprechen würde (d.h. 1 Bildschirmpixel entspricht 1 Kamerapixel) – wenn Sie das Quadrat auf Ihrem Bildschirm mit ca. 22cm Kantenlänge sehen.

Dies ist das Quadrat genau im Zentrum:

#TargetCenter_Angén90f2,5_f2,5
Bild 7: Zentrales Target-Quadrat, 100%-Ansicht (966 x 966 Pixel) Angenieux 90mm f2.5 bei Blende 2.5 – laut Analyse beträgt die Auflösung des Objektivs hier 2.500 – 2.700 LP/PH (sagittal/meridional) – 100%-Ansicht bei 60 MP!

Folgend nun der entsprechende Ausschnitt in der oberen-rechten Ecke (wegen der sichtbaren Verzeichnung von -1,2% sind die Qadrate in der Mitte und in der Ecke nicht genau gleich groß!):

#TargerCornerUR_Angén90f2,5_f2,5
Bild 8: Target Nr.3 (obere rechte Ecke),, 100%-Ansicht (966 x 966 Pixel) Angenieux 90mm f2.5 bei Blende 2.5 – laut Analyse beträgt die Auflösung des Objektivs hier im Mittel 560 LP/PH 

Die Vignettierung (im Mittel über alle Ecken 2 f-stops) hat hier natürlich noch einen bedeutenden Einfluss auf das visuelle Betrachtungsergebnis! Es fällt allerdings sofort auf, dass trotz der hohen Vergrößerung fast keine Farbsäume zu sehen sind – allenfalls ein sehr kleiner roter Schimmer, wie vom CA-Diagramm zu erwarten ist.

Das folgende Bild zeigt dasselbe Detail, auf das ich nun die Vignettierungs-Korrektur von ca. zwei Blendenwerten angewendet habe, wie man Sie mit Photoshop oder als kamerainterne Korrekturmaßnahme durführen könnte:

#TargerCornerUR_corr_Angén90f2,5_f2,5
Bild 9: Target Nr.3 (obere rechte Ecke), 100%-Ansicht (966 x 966 Pixel) Angenieux 90mm f2.5 bei Blende 2.5 – Vignettierung kompensiert. Meridional ca. 400, sagittal ca. 600 LP/PH

Hier erkennt man drei Dinge:

  1. Die 560 LP/PH-Auflösung liefern tatsächlich noch klare Bildstrukturen – wenn auch „weicher“
  2. Die Farbreinheit der Abbildung bestätigt sich – allerdings erkennt man einen leichten generellen Gelbstich hier in der Bildecke
  3. Man erkennt sogar den Unterschied zwischen ca. 400 LP (meridional) und ca. 600 LP (sagittal) in den Rosetten-Details: die Ringe sind in der Bild-Diagonale von links oben nach rechts unten erkennbar „kantenschärfer“!

Die Struktur ist „weicher“ wiedergegeben – aber dennoch deutlich und mit gutem Kontrast sichtbar.

Beachten Sie bei diesen Bildern bitte: es handelt sich um die 100%-Darstellung des 60 MP-Bildes!

Anmerkung: In Imatest-Diagrammen wird der angelsächsischen Nomenklatur folgend „meridional“ meist als „tangential“ bezeichnet (tangential = meridional) diese Kuven sind durchgehend gezeichnet, die sagittale Auflösungskurve gestrichelt.  In MTF-Diagrammen der Fa. Zeiss ist die Zuordnung umgekehrt: gestrichelt meridional und durchgezogen für sagittal

Kritischer ist diese Situation bei Weitwinkel-Objektiven, bei denen Farblängsfehler und Astigmatismus an Rändern und Ecken eine deutlich größere Rolle (wegen der viel größeren off-axis-Winkeln) spielen.

Wir betrachten das folgend an von 24/25mm-Retrofokus-Objektiven „der ersten Stunde“ (1957/71):

Angénieux wahrte seinen zeitlichen Vorsprung konsequent und brachte seine „Retrofocus“-Weitwinkel-Brennweiten in schneller Folge auf den Markt: 35mm f2.5 in 1950 (6-Linser) vorgestellt und in kleinen Mengen geliefert (ab 1953 Großserie!), 28mm f3.5 (6-Linser) ebenfalls ab 1953, 24mm f3.5 (8-Linser) ab 1957. (Besonderheit: danach wurde von Angénieux niemals wieder eine Neuberechnung dieser FotoB-Optiken herausgebracht sondern diese Optiken bis 1971 unverändert geliefert und das Segment der Festbrennweiten dann völlig eingestellt.

Bei diesen frühen Weitwinkel-Objektiven ist bei Offenblende die Auflösung noch deutlich niedriger als bei dem 90er Objektiv. Bei dem Angénieux Retrofocus 24mm f3.5  liegt die Auflösung in den Ecken bei 310-354 LP/PH (sagittal) und  ca. 600 LP/PH (meridional) bei den Einzelwerten – der Ecken-Mittelwert beträgt 328 LP/PH:

Angén24f3,5_Offen_sagittal
Bild 10: Angénieux 24mm f3.5 bei Offenblende – Auflösung über Bildfeld der sagittalen Strahlenbündel

Sehen wir uns das Target Nr.5 in der rechten unteren Ecke an (sagittal mit 345 LP/PH gemessen – meridional mit 560 LP/PH):

#Target RU_Angén24f3,5_f3,5
Bild 11: Angénieux 24mm f3.5 bei Offenblende f3.5 – Target Nr. 5 – rechte untere Ecke (Vignettierung kompensiert) – sagittal 345 LP/PH – meridional 560 LP/PH

 

Trotz der deutlichen Rest-Fehler ist die Struktur noch deutlich erkennbar, wenn auch richtungsabhängig. Der sagittale Wert entspricht 29 L/mm. Die visuelle Auswirkung des Farbfehlers ist – trotz des hohen CA von 8 Pixel! – auf die Farbsäume begrenzt.

Das Nachbar-Target (Nr. 21) links davon hat 500 LP/PH sagittal und 502 LP/BH meridional – also frei von Astigmatismus, aber mit CA von ca. 4,5 Pixeln:

#Target21_corr_Angén24f3,5_f3,5
Bild 12: Angénieux 24mm f3.5 bei Offenblende f3.5 – Target Nr. 21 – links von der rechten unteren Ecke (Vignettierung kompensiert) – sagittal 500 LP/PH – meridional 502 LP/PH

Folgend sehen wir das entsprechende Auflösungs-Diagramm des Zeiss Jena Flektogon 25mm f4.0 (1959):

Flektogon25f4,0_f4,0_Multi-ROI
Bild 13: Flektogon 25mm f4.0 bei Offenblende – Auflösung über Bildfeld der sagittalen Strahlenbündel

Angesichts des in den Ecken „noch“ bei 301 LP/PH liegenden Mittelwertes (gilt für sagittale und meridionale Strahlen) liegen hier die sagittalen Einzelwerte Rand/Ecken bei erschreckend niedrigen 104 – 222 LP/PH.

Sehen wir uns den Linken Rand (Mitte) mit sagittal 222 LP/PH / meridional 610 LP/PH an (Target-Nr.10):

#Target LRmitte10_corr_Flektogon25f4,0_f4,0
Bild 14: Flektogon 25mm f4.0 bei Offenblende f4.0 – Target Nr. 10 – linker Rand, Mitte (Vignettierung kompensiert) – sagittal 222 LP/PH – meridional 610 LP/PH

Hier ist die Struktur schon sehr weich aber deutlich zu erkennen – kräftiger Rest-Astigmatismus, aber sehr geringer Farbfehler. Es ist schwer zu sagen, wie diese Situation analog auf Film gemessen worden wäre: 222 LP/PH entsprächen 18,5 Linien/mm… das wäre wohl nicht mehr als gut bewertet worden.

Nur wenige mm weiter nach außen am Target 17 (rechter Rand ein Taget nach unten) liegt die Auflösung bei sagittal 160 LP/PH und meridional bei 591 LP/PH:

#TargetNr17_corr_Flektogon25f4,0_f4,0
Bild 15: Flektogon 25mm f4.0 bei Offenblende f4.0 – Target Nr. 17 – rechter Rand, eins unter Mitte (Vignettierung kompensiert) – sagittal 160 LP/PH – meridional 591 LP/PH

Hier bricht im sagittalen Sektor der Struktur der Kontrast endgültig ein – fast schon verschwommen und man erkennt, dass noch weiter rechts am äußersten Rand (es fehlen noch 4mm bis zum Rand) der Kontrast noch einmal dramatisch absinken wird.

In der Ecke oben rechts (Target Nr. 3) mit 104 LP/PH sagittal, 338 LP/PH meridional:

#Target3-UR_corr_Flektogon25f4,0_f4,0
Bild 16: Flektogon 25mm f4.0 bei Offenblende f4.0 – Target Nr. 3 – Ecke oben rechts (Vignettierung kompensiert) – sagittal 104 LP/PH – meridional 338 LP/PH

Man kann die Struktur nur noch erahnen – die extrem niedrige sagittale Auflösung und der hohe Rest-Astigmatismus lösen die Bildstruktur auf – obwohl die Chromatische Aberration mit ca. 1,6 Pixel nur ein Fünftel der CA bei dem Angénieux 24mm in der Ecke ist.

Betrachten wir im direkten Vergleich das entsprechende Objektiv von Zeiss-West, das 3 Jahre später heraus kam und eine Blende lichtstärker ist – Distagon 25mm f2.8 (für die Contarex 1961):

CtrxDistagon25f2,8_f2,8_Offen_sagittal
Bild 17:

Auch hier liegen die sagittalen Werte am Rand bei Offenblende f2.8 unter 200 LP/PH.

Ich zeige folgend die beiden Targets Nr.10 (linker Rand, mitte)  und Nr.5 (rechte untere Ecke):

#TargetNr10_corr_CtrxDistagon25f2,8_f2,8
Bild 18: Zeiss Distagon 25mm f2.8 bei Offenblende Target 10 (linker Rand mitte) – Vignettierung korrigiert

Hier beginnt bei sagittal 195 LP/PH die Bilddefinition sich durch eine Kombination eines starken Rest-Astigmatismus (meridionaler Wert: 917 LP/PH) und des Farbfehlers aufzulösen – der Kontrast ist schwach.

#TargetNr5_corr_CtrxDistagon25f2,8_f2,8
Bild 19: Zeiss Distagon 25mm f2.8 bei Offenblende Target 5 (rechte untere Ecke) – Vignettierung korrigiert

In der Ecke sagittal 185 LP/PH mit starkem Rest-Astigmatismus findet sich nur noch in einem sehr schmalen meridionalen Sektor eine klar definierte Struktur (mit 379 LP/PH) mit niedrigem Kontrast.

In dieser Gruppe der FRÜHEN Retrofocus-Objektive mit 24 oder 25 mm Brennweite (Angénieux, Carl Zeiss Jena Flektogon und Zeiss-Ikon Distagon) gibt es ein viertes (1959) aus Japan: Topcon Topcor 2,5cm f3.5, das unter diesen Optiken herausragt:

Topcor24f3,5_f3,5_Offen_sagittal
Bild 20: Topcor 2,5cm f3.5 – sagittale Auflösung bei Offenblende im gesamten Bildfeld (443 … 618 LP/BH)

Der Mittelwert der (sagittalen und meridionalen) Rand-/Ecken-Auflösungswerte beträgt hier 683 LP/PH. Das folgende Bild zeigt die Struktur von Target Nr.5 in der rechten unteren Ecke:

#TargetNr5_corr_Topcor24f3,5_f3,5
Bild 21: Topcor 2,5cm f3.5 bei Offenblende, Target Nr.5  – untere rechte Ecke bei sagittal 587 LP/PH (meridional 914 LP/PH) – also mit mäßigem Rest-Astimatismus – Vignettierung korrigiert

Bei diesem Auflösungs-Niveau  (mit mäßigem Astigmatismus und geringem Farbfehler (CA-Wert in der Ecke 1,5 Pixel!) liegt nun eine klare Bildstruktur vor – nur deutlich weicher als im Bildzentrum.

Dieses Objektiv ragt damit in der Bildqualität deutlich aus dem Feld der zeitgenössischen „Superweitwinkel“ zwischen 1957 und 1961 hervor.

Sehen wir uns noch den nächsten Qualitäts-Schritt am Beispiel des Minolta MD W-Rokkor 24mm f2.8 an:

#TargetNr5_corr_MD24f2,8_f2,8
Minolta MD W-Rokkor 24mm f2.8 Offenblende f2.8 – Target Nr.5 (untere rechte Ecke) – CA mit 3 Pixel deutlicher als beim Topcor – Vignettierung korrigiert

Der Kontrast liegt hier deutlich höher mit einem Durchschnittswert der Auflösung Rand/Ecken von 1002 LP/PH.

Schließlich die gegenwärtige moderne Referenz – das Zeiss Distagon 25mm f2.0:

#TargetNr3_Batis25f2,0_f2,0
Bild 23: Zeiss Distagon 24mm f2.0 Offenblende f2.0  –  Target Nr.3 (obere rechte Ecke) – sagittal 1.206 , meridional 1.897 LP/PH und CA von 0.5 Pixeln

Das Objektiv ist mit der Auflösung bei Blende 2.0 in der Ecke mit durchschnittlich 1.517 LP/PH visuell kaum noch von der Bildmitte zu unterscheiden (Vignettierung auch hier korrigiert!).

Man sieht an diesen Beispielen deutlich, dass außer dem meßtechnischen Wert der Auflösung die Rest-Bildfehler die visuelle Wirkung wesentlich mit beeinflusst. Wobei man den Eindruck hat, dass ein größerer Farbfehler sich ggf. weniger zerstörerisch auf den Bildkontrast auswirkt als ein starker Rest-Astigmatismus.

Man sieht, dass 200-300 LP/PH als Untergrenze einer bildgebend noch brauchbaren Auflösung gelten können (s. Bild 14), wenn Rest-Astigmatismus und Farbfehler im mäßigen Grenzen bleiben. Der absolute Auflösungswert entscheidet in diesem Bereich allerdings nicht alleine über das bildliche Ergebnis. Genauso entscheidend ist der Korrekturzustand – also die anwesenden Rest-Linsen-Fehler. Allgemein sind diese historischen Objektive in der Rand-/Ecken-Auflösung ab ca. 400 – 600 LP/PH als gut zu bezeichnen (s. Bilder 11, 12 und 21) – mit gewissen Abstrichen beim Kontrast.

Ab Anfang der 1970er Jahre werden Auflösungs-Werte in den Ecken um 1.000 LP/PH bei Offenblende auch bei Weitwinkelobjektiven erreicht, womit zumindest in der Analog-Fotografie hervorragende Ergebnsise möglich waren.

Moderne Objektive erreichen dank asphärischer Linsenflächen hervorragend ausgegleichene Ergebnsise auch bei Offenblende über das gesamte Bildfeld – auch bei sehr großen Bildwinkeln (s. Bild 23).

Copyright Fotosaurier, Herbert Börger, Berlin, 14. März 2020

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Qualität historischer Angénieux Foto-Objektive – 1. Festbrennweiten, 1b. Retrofocus-Weitwinkelobjektive, B. 28mm f3.5

B – Angénieux Retrofocus 28mm f3,5 (R11) von 1953: Mit Alpa-Anschluss wie die meisten anderen meiner Angénieux-Festbrennweiten. Diese Optik wurde auch im gleichen Jahr schon ausgeliefert, in dem das 35er richtig in Großserie anläuft. Es hatte 1951 bereits einen Prototypen mit f2.8 gegeben, dessen Aufbau aber wieder fallen gelassen wurde. Tatsächlich ist der Linsenschnitt gegenüber dem 35mm f2.5 wesentlich geändert – mit 6 Einzellinsen.

Angénieux28mmf3,5_900

Der früheste Wettbewerber dazu tauchte meines Wissens in der BRD 1956 mit dem Ultra-Lithagon 28mm f3.5 von Enna auf (ebenfalls 6 freistehende Einzellinsen). Das entsprechende ISCO-Westron 28mm f4.0 taucht erst 1961 auf – 3 Jahre nach dem Westron 24mm f4.0!

Zeiss Jena und Zeiss-Ikon West haben beide diese Brennweite 28mm damals nicht „bedient“ – dafür war in der DDR Meyer-Optik Görlitz zuständig (bis auch dieser ruhmreiche Name in dem Großkonzern „Pentacon“ unterging). Dort brauchte man noch etwas Zeit – das Lydith 30mm f3.5, für das schon 1958 Schutzschriften eingereicht war, wurde schließlich erst 1963 ausgeliefert. Mit Patent von 1964 folgte dann das Orestegon 29mm f2.8 (7-Linser) – später hieß es Pentacon 29mm f2.8.

Die japanischen SLR-Hersteller waren ja gerade dabei, ihre Systeme aufzubauen: ein Nikkor 28mm f3.5 gab es erst 1959, ein Auto-Takumar 28mm f3.5 erst ab 1962. Canon baute 28er erst ab der Einführung des FL-Bajonetts (1964).

Außer den beiden Meyer-Optiken besitze ich keine weiteren frühen Objektive in diesem Brennweitenbereich.

Ich war später kein großer Anhänger des Brennweitenbereiches 28mm, weshalb ich auch kein entsprechendes Leica-Exemplar besitze und auch keine wirklich moderne 28mm-Linse. Ausnahme ist die der Zeit um 1975/80, als erste lichtstarke Typen aufkamen (siehe Vivitar Serie1). Wie man der Tabelle entnehmen kann, können Zooms bis f2.8 heute die Funktion gut übernehmen – man muss dann deren Größe allerdings in Kauf nehmen wollen.

Dagegen gestellt:

  1. Meyer-Optik Goerlitz Lydith 30mm f3,5 (1958/60/63)
  2. Meyer-Optik (Orestegon) Pentacon 29mm f2,8 MC (1964)
  3. Olympus OM 28mm f2,8 (1973)
  4. Vivitar Serie1 28mm f1,9 (1975)
  5. Contax G Zeiss Biogon 28mm f2,8 (1994)
  6. Canon EF 28mm f1,8 (1995)
  7. Extra: Tamron Zoom 28-75mm f2,8 bei 28mm (2018)

Hier der Auflösungsvergleich als Tabelle:

Angénieux28 und Co Aufl2

Vier_28er
Die wichtigsten Vergleichs-Kandidaten v.l.n.r.: Angénieux 28mm f3.5  –  Lydith 30mm f3.5 Meyer/Pentacon 29mm f2.8 – Olympus OM 28mm f2.8 
Vier_28er_2
Die wichtigsten Vergleichs-Kandidaten v.l.n.r.: Angénieux 28mm f3.5  –  Lydith 30mm f3.5 –  Vivitar Serie1 28mm f1.9   –   Canon EF 28mm f1.8

Bei dem Angénieux Retrofocus 28mm f3.5 ist – nun bei 75° Bildwinkel – die Auflösung im Vergleich zum 35mm-Objektiv in Rand/Ecke geringfügig reduziert (auch abgeblendet – bei Offenblende liegt die Ecke jetzt bei 31 Linien/mm). Aber die Auflösungswerte sind exzellent für den zeitgenössischen Analog-Standard. Die Verzeichnung ist noch einmal verringert bei jetzt besseren CA-Werten. Tatsächlich ist die Verzeichnung mit Abstand die geringste mit allen 28mm-Vergleichsobjektiven in meinem 28mm-Vergleich.

Wieder kann man sagen, dass der allgemeine Stand der Technik erst Anfang der 1970er Jahre wirklich über das Angénieux hinaus geht: das Olympus OM 28mm f2.8 ist in diesem Vergleich die neue Landmarke (ab 1973) für die nächsten 20 Jahre.

Das Vivitar Serie1 28mm f1.9 erreicht bei Blende 2.8 übrigens ziemlich genau die Auflösungswerte des Olympus 28mm f2.8 und hat darüber hinaus noch die Besonderheit des „floating element“ Designs. Tatsächlich wude es damals von Modern Photography in höchsten Tönen gelobt:

ResolChartVS1_28f1,9_ModernPhot

Dabei wird die Schwäche mit „flare“ bei voller Öffnung (Streulichtanteile von überkorrigiertem farbneutralem Astigmatismus, die bei Blende 4 praktisch verschwinden) erwähnt, die man an der MTF-Kuve unten auch sehen kann.

Das ContaxG Biogon 28mm f2.8 (tatsächlich einmal ein 28er von Zeiss… 1994) ist im Aufbau ein Meßsucher-Objektiv, auch wenn die Kamera automatisch fokussiert! Die extrem schlechten Rand/Ecken-Auflösungswerte dieses Objektivs sind nicht real: durch den sehr nah an die Filmebene heran reichenden hinteren Linsenscheitel (kleine hintere Schnittweite) ist dieses Objektiv nicht geeignet für einen digitalen Sensor wegen der am Rand extrem flach auf den Sensor einfallenden Strahlen. Das ist aber heute bereits weitgehend bekannt – alle Biogone sind an Digitalsensoren sehr schwach im Außenbereich des Bildfeldes.

Das 1995er Canon EF 28mm f1.8 (1995) ist noch nicht eine Optik auf dem heutigen Stand der Technik. Es ist in fast allen Auflösungswerten schlechter als das über 20 Jahre ältere Vivitar Serie1 ! Nur Chroma und Verzeichnung sind etwas besser. Ich kenne den Grund nicht. Es gehört eben nicht der L-Klasse an …  Aber es gibt auch Positives zu berichten: Die optimale Blende ist bereits bei f8 erreicht. An der MTF-Kurve kann man erkennen, dass das Objektiv bei niedrigen Frequenzen einen deutlich höheren Bildkontrast liefert als die älteren Systeme. Trotz der schwächeren Auflösung im höheren Frequenzbereich wirken die Bilder daher insgesamt „knackiger“. Auch die Kantenschärfe ist verbessert.

Die ganz große Überraschung des Vergleiches ist das frühe Meyer-Optik Lydith 30mm f3.5 von 1958: die Auflösungsleistung in der Bildecke ist zeitgenössisch gesehen überragend. Es ist ein 5-Linser!!! und bei Offenblende eine Klasse besser als der 7-Linser „Orestegon 29mm f2.8“ – und auch besser als das Angénieux! Die Schwäche der 29er Optik läßt sich vielleicht nach „zeissikonveb.de“ daraus erklären, dass aus Preisgründen überwiegend (6 von den 7 Linsen!) 30er-Jahre-Glastechnologie zum Einsatz kam. Zur Ehrenrettung muss man sagen, dass das Orestegon bei Blende 4 die Werte des Lydith bei Blende 3.5 erreicht oder übertrifft und die CA-Werte und die Verzeichnung deutlich verbessert sind. Das Lydith überragt noch ein ganzes Jahrzehnt die üblichen (meist japanischen) „third-party-lenses“, wie das „normale“ Vivitar 28mm f2.5 in diesem Vergleich – und das war eines der besseren Fremdobjektive.

Fazit: Wieder kann man sagen, dass dieses Angénieux 28mm ein Spitzenobjektiv seiner Zeit ist – mit sehr langer „Halbwertzeit“ bezüglich des Standes der Technik. Es wurde dann ja auch in dieser Form bis 1971 geliefert – 18 Jahre lang. Einen Nachfolger gab es nicht.

Ich weise darauf hin, dass die Auswahl der Vergleichsoptiken nicht marktrepräsentativ ist sondern sich aus dem Bestand meines Objektivbesitzes ergab. Ein wirklich „modernes“ 28er Objektiv war diesmal nicht dabei – außer dem Tamron-Zoom mit den wirklich erfreulichen Werten.

Untenstehend sehen Sie die einzelnen Meßergebnisse der relevanten Optiken bei Offenblende und bei optimaler Blende:

Vgl_Angén28f3,5_f3,5

Vgl_Angén28f3.5_f11
Angénieux Retrofocus 28mm f3.5 bei Offenblende (oben) und optimaler Blende 11 (unten) – Kantenprofil, MTF-Kurve und Auflösung über Bildkreisradius

Vgl_Lydith30f3,5_f3,5

Vgl_Lydith30f3,5_f11
Meyer-Optik Lydith 30mm f3.5 bei Offenblende (oben) und optimaler Blende 11 (unten) – Kantenprofil, MTF-Kurve und Auflösung über Bildkreisradius

Vgl_OM28f2,8_2,8

Vgl_OM28f2,8_11
Olympus OM 28mm f2.8 bei Offenblende (oben) und optimaler Blende 11 (unten) – Kantenprofil, MTF-Kurve und Auflösung über Bildkreisradius

Vgl_VS128f1,9_f1,9

Vgl_VS128f1,9_f11
Vivitar Serie1 28mm f1.9 bei Offenblende (oben) und optimaler Blende 11 (unten) – Kantenprofil, MTF-Kurve und Auflösung über Bildkreisradius

Vgl_CAF28f1,8_f1,8-n

Vgl_CAF28f1,8_f8-n

Copyright Fotosaurier, Berlin, 4. März 2020

 

 

 

Die kürzeste Geschichte der Spiegelreflex-Kamera (SLR)

Diese Zusammenstellung von Daten und Fakten wird sich auf die wesenlichen Innovations-Schritte bei „einäugigen“ KLEINBILD-Spiegelreflex-Kameras (Single-Lens-Reflex SLR for 35mm Film) beschränken und zeitlich meist bis zum Beginn des Autofokus-Zeitalters (1990/92) reichen. Die Anfänge der Mittelformat-SLR werden erwähnt werden.

Die Chronologie ist so geordnet, dass jede besprochene Modellreihe (unabhängig vom Hersteller) zeitlich in der Reihenfolge erscheint, in der die erste Kamera der Baureihe erschien. Die Folgemodelle erscheinen dann danach in demselben Kapitel auch wenn sich die Weiterentwicklung über Jahrzehnte hinzieht.

Die Kapitel sind jetzt nicht nummeriert: Ich bereite ein Inhaltsverzeichnis vor, von dem aus man per Stichwort in das Kapitel springen soll – hoffe, dass das bald funktionieren wird. Die Kapitelüberschriften sind blau und unterstrichen formatiert.

Die (wenigen) Bilder zeigen ausschließlich meine eigenen Oldtimer – ich wollte mich nicht mit vielen fremden Bildrechten herumschlagen. Außerdem hätten zu viele Bilder der Übersichtlichkeit eher geschadet. Die meisten Daten und Fakten sind sorgfältig überprüft – wenn Sie meinen, einen Fehler zu entdecken, benutzen Sie bitte die Kommentar-Funktion.

Kameras mit „Handelsmarken“ wie Hanimex, Porst, Revue etc. werde ich hier nicht behandeln. Sie stammen ursprünglich von einigen der hier behandelten Herstellern, besonders aus Dresden, Russland oder Japan.

Historisch interessierte Menschen leben mit dem Internet heute in paradiesischen Zeiten: über fast jeden auch noch so kleinen Schritt in der technischen Entwicklung hat irgend ein Spezialist in einer Web-Site Kunde abgelegt. Für die an Fotogeräten interessierten kommt der glückliche Umstand hinzu, dass seit 2009 etwa nach und nach noch einige sehr kundige Experten der ehemaligen DDR-Optik-und-Foto-Industrie vieles dokumentiert haben. Ohne diese Kenntnisse wäre jede Geschichte der Spiegelreflex-Technik sehr unvollständig, da ja die Ur-Wiege der Spiegelreflex-Kamera in Dresden und Umgebung lag.

Wandert man heute durch das Internet, so kann man sich viele Details und Zusammenhänge auch noch in verschiedenen Quellen zusammen suchen und damit ein einigermaßen vollständiges Bild machen. Es ist dann auch ratsam, mehrere Quellen zu befragen, da Fehlinformationen, Fehlurteile und Legenden oft ein zähes Leben haben…

Ich persönlich bin ja auch ein Zeitzeuge dieser technischen Entwicklung als Nutzer der Foto-Geräte seit kurz nach dem 2. Weltkrieg – aber gerade zu dieser Zeit lagen viele Vorgänge im dieser Industrie im Osten Deutschlands für uns im Halbdunkel hinter dem eisernen Vorhang. Es waren mehr Gerüchte und Legenden im Umlauf als Tatsachenwissen. Auch waren die DDR-Offiziellen nicht daran interessiert, dass wir hinter die Kulissen blicken konnten. Wir wussten mehr über die japanische Kamera-Industrie als über die in der DDR, auch wenn wir deren Produkte kauften und nutzten.

Auch im Internet kostet diese Art Recherche immer noch eine Menge Zeit. Ich selbst musste mir ein verlässliches historisches Grundraster in Verbindung mit meiner Beschäftigung mit historischer Foto-Optik verschaffen und schreibe nun das Ergebnis hier in sehr geraffter Form – nach besten Wissensstand von 2019 auf. So kann ich es auch selbst immer wieder nachlesen, wenn eines Tages mal der Gedächtnis-Lochfraß einsetzen würde (bzw. unweigerlich wird…).

Der 2. Weltkrieg und die Foto-Optik-Industrie:

Wie sehr viele grundlegende optisch-fotografische Entwicklungen, die noch heute für uns Bedeutung haben, liegt auch das Erscheinen der Spiegelreflex-Kamera (angelsächsisch SLR = Single Lens Reflex) sehr kurz vor dem 2. Weltkrieg. Nur wenige Jahre später wurde der Krieg vom Zaun gebrochen – was zur Folge hatte, dass die zivile optische Forschung und Fertigung weltweit bald völlig zum Erliegen kam, und in den zerstörten, Not leidenden Ländern (ja, auch in Japan lag die Zivil-Wirtschft nach dem Krieg völlig am Boden!) in den ersten Nachkriegsjahren erst einmal wieder aufgebaut werden musste. Dadurch entstand eine Lücke von 1939 – 1949 in der zivilen Foto-Optik und Kamera-Technik. Es gab nur wenige Ausnahmen. Bolsky entwickelte ab 1939 die ALPA SLR-Kamera in der Schweiz und brachte sie noch 1944 auf den Markt. Heinz Kilfit, der Erfinder der Robot-Kamera, wich nach Vaduz aus wo er dann seine legendären Optiken entwickelte. Und Pierre Angénieux, zog sich nach nach Südfrankreich in die unbesetzte Zone azurück und bereitete während des Krieges seinen ganz großen optischen Coup vor.

Genauer gesagt: hier resumiere ich die Entwicklung der

EINÄUGIGEN Kleinbild-Spiegelreflex-Kamera.

Unter den Gesamtbegriff SLR würden selbstverständlich auch die Hasselblad, Praktisix/Pentacon Six, Pentax 67  und Co. auch fallen. Sie erscheinen nach dem 2. Weltkrieg auf der Bildfläche und ich werde den Anfang kurz einordnen.

Die Kleinbildkamera, basierend auf dem 35mm-Kinofilm-Format, musste voran gehen, um den Boden zu bereiten – Oskar Barnacks Leica erschien 1925 auf der Bühne, ein Schritt, der durch den 1. Weltkrieg und die nachfolgenden staatlichen und wirtschaftlichen Turbulenzen verzögert worden war. Der Reportage-Photo-Journalismus, für den sich die KB-Kamera sehr schnell als ideal erwies, war da schon vorher von Dr. Erich Salomon mit der Ermanox-Plattenkamera erfunden worden (4,5x6cm – 6x9cm !). Auch nach der Leica dauerte es noch über zehn Jahre, bis eine Spiegelreflex-Kamera in Serie gefertigt wurde, sie kam in Barnack’s Sterbejahr heraus:

1933/36 – Kine-Exakta, Hersteller IHAGEE-Kamerawerk, Dresden; Konstrukteur: Karl Nüchterlein (1904-1945 als Soldat vermisst)

Die Ur-Exakta hatte einen fest eingebauten Lichtschacht.

Nach dem Weltkrieg wurd die Fertigung in Dresden ab 1948/49 mit einer verbesserten Ekakta II wieder aufgenommen – mit unverändertem Exakta-Bajonett, ab 1950 erhielt die Kamera dann endgültig als Exakta Varex (VX) das Sucher-Wechselsystem, an dessen Konstruktion bereits Nüchterlein vor seiner Einberufung als Soldat gearbeitet haben soll. Ich selbst war ab 1967 ein sehr glücklicher Exakta Varex IIb-Besitzer/Nutzer. Die hatte ab 1967 auch einen Rückschwing-Spiegel. Aus Dresden gab es dann schon die Exakta Varex 1000, mit der die Exakta-Geschichte schließlich 1970 endete.

EXAKTA-IIb_900

Danach gab es tatsächlich bis 1973 noch eine EXAKTA RTL 1000, die eine Practica L mit Exakta-Bajonett und Wechselsucher ist, für die es einen TTL-Prismenaufsatz nach Nikon-Art gab.

Insgesamt wurden ab 1949 bis 1973 unter dem Namen Exakta/Elbaflex ca. 564.000 Kameras gebaut (Quelle: www.dresner-kameras.de).

Die Varex hatte eine Film-Schneidevorrichtung im Gehäuse, mit der man teilbelichtete Filme abtrennen konnte, die man dann aber in der Dunkelkammer (oder im sog. lichtdichten „Wechselsack“) herausnehmen musste.

1937 – „Sport“/“Cvopm“anfangs auch „Gelveta“, Hersteller  GOMZ, Leningrad, UdSSR; Konstrukteur: A.O. Gelgar.

Einige Zeit war es wohl umstritten, ob die Gelveta/Sport nicht doch die erste Spiegelreflex-Kamera war. Mitlerweile ist diese Datierung wohl sicher.

Einschub: Das SLR-Mittelformat

ca. 1936 – entsteht im Sächsischen „Kamera-Valley“ kurz nach der Kine-Exakta auch die Mittelformat-SLR,

zunächst generell im Format 6×6 (56mm x 56mm). 1939 gibt es bereits die Beier-Flex, die Exakta 6×6, die Primarflex und die Reflex-Korelle. Aus letzterer entstand nach dem Krieg für kurze Zeit ab 1947 die Meister-Korelle, die quasi der Vorläufer der Praktisix (1954) ist (Neukonstruktion unter Siegfried Böhm) und auch als Pentacon Six und Exakta 66 extrem erfolgreich war.

Victor Hasselblad stellt im Jahr 1948 seine Kamera mit Schlitzverschluss vor (Hasselblad 1600F/1000F). Bald geht er zum Zentralverschluss im Objektiv über: die legendäre Hasselblad 500 – Baureihe. Später folgen die Hasselblad 2000er und 200er Serien.Die Kameras haben rückseitig Film-Wechselkassetten.

Später folgen viele andere Hersteller mit SLR für die Formate 6×6, 6×4,5 und 6×7:

Pentax 67 und 645, Contax 645, Mamiya 67, Bronica etc.

Das Mittelformat ist nicht das Thema dieser Zusammenstellung.

1938/39 – Praktiflex – Hersteller: ab 1938 Kamera-Werkstätten Guthe & Thorsch, Niedersedlitz; Konstrukteure: Benno Thorsch und Charles A.Noble (?) – 1938 Arisierung: ab dann Kamerawerkstätten Charles A. Noble – ab 1948 VEB Kamerawerke Niedersedlitz (KW-Logo).

Erste Kleinbild-SLR mit Rückschwingspiegel. Objektivanschluss: M40-Gewinde. Wiederaufnahme 1947 (M42 Gewinde – ab 1948/49) – wurde 1951 zugunsten der Praktica eingestellt.

1944 – Alpa-Reflex (Modell C) Hersteller: Pignons S.A., Ballaigues, Schweiz; Konstrukteur : Jacques Bolsky/Bolsey/Jacov Bogopolsky (1895-1962) – später Erfinder der Bolex-Filmkameras in USA. 1964 mit der Alpa 9d eine der aller-ersten SLR mit TTL-Belichtungsmessung (CdS-Zelle hinter dem Spiegel mit Schlitzen). Ab der unten abgebildeten Alpa 10d mit fest eingebautem Prisma (4. Generation). Einige Modelle wurden auch für Halbformat ausgerüstet geliefert (z.B. die 10 s).

(Entwickelt ab 1939) – ab 1949 mit Pentaprisma (Alpa-Prisma-Reflex) – Prisma zunächst wechselbar. KB-SLR mit kürzestem Auflagemaß aller Kleinbild SLR! (37,8mm – gegenüber durchschnittlich 45 mm bei den meisten anderen Kleinbild-SLRs). Entwicklung und Produktion eingestellt 1990. Es sollen in diesen 45 Jahren gut 50.000 Alpa-SLR-Kameras gebaut worden sein (das ist Manufaktur! – Spitzenjahr soll 1965 mit 1.300 Kameras gewesen sein…).

Alpa10d+90f2,5_900
Alpa 10d mit Angénieux 90mm f2.5 (1968-1974)

Hinweis: Immer wieder sehe ich, dass Anbieter auf Ebay ihre Exakta-Objektive mit dem Zusatz anbieten, sie seien auch für Alpa verwendbar. Ich denke mir, dass das durch das Erscheinungsbild mit dem Ausleger für die Springblende verursacht wird (über den der frontseitige Auslöser betätigt wird) – ähnlich wie bei der Exakta. Die Objektiv-Anschlüsse könnten allerdings nicht verschiedener sein: 1. das Bajonett hat eine völlig unterschiedliche Geometrie, 2. Das Auflagemass ist bei Alpa 37,8mm, bei Exakta 44,5mm, 3. der Springblenden-„Ausleger“ befindet sich auf der entgegengesetzten Seite!

1948 – Rectaflex – Hersteller: Rectaflex, Rom, Italien  ; Konstrukteur: Marco Antonetto/Telemaco Corsi.

Erste SLR mit Pentaprisma (fest verbaut). Großes Objektiv-Bajonett. Einzige je in Italien gebaute SLR. Wurde 1958 eingestellt (nach einem Intermezzo in Liechtenstein nach 1956, woraus wohl nie eine Kamera verkauft werden konnte…). Es sollen ca. 7.000 Exemplare gebaut worden sein.

1948 Praktica – Hersteller: Kamerawerke Niedersedlitz (1948-1960; ab 1960: Pentacon, Dresden). Ab 1959 mit fest eingebautem Pentaprisma. Pentacon baute bis 1990 Praktica-SLR-Kameras. Ab 1948 mit M42x1 Objektiv-Gewinde.

PentaconSuper_900

1968 wurde noch einmal der Versuch gemacht, eine Profi-SLR auf den Markt zu bringen: das Ergebnis war die ungewöhnlich massive Pentacon Super (1968-1972, ca. 4.500 Kameras gebaut), Konstrukteur war Horst Strehle. In der Geschichte dieses Modells wird das Problem der DDR-Wirtschaft exemplarisch sichtbar (und das sollte weiter anhalten!): die Patente für Verschluß und TTL-System stammten von 1961/62 – die Kamera konnte aber erst 1968 ausgeliefert werden – da hatten die potentiellen Kunden sich weitgehend verlaufen (zur Konkurrenz in Japan) und die Kamera war praktisch schon wieder veraltet.

Sie hatte ein Wechselsuchersystem, aber nur mit dem TTL-Prisma ein gekuppeltes TTL-Belichtungsmeßsystem. Objektivanschluß M42 Gewinde. In Verbindung mit dieser Kamera kam auch das Pancolar 55mm f1.4 heraus, bei dem (einmalig) der Schritt zu den leicht radioaktiven Thorium Gläsern gemacht wurd, weshalb diese Optiken heute im allgemeinen gelblich verfärbt und damit eingedunkelt sind – es sei denn, man hätte sie zwischendurch mittelkurzer UV-Strahlung oder dem direkten Sonnenlich längere Zeit ausgesetzt.

Ab 1978/79 wurden die Kameras mit  PB-Bajonett ausgestattet. Es sollen insgesamt ca. 9 Millionen Praktica/Pentacon-Kameras in vier Generationen hergestellt worden sein! 1991 kam das Ende des Unternehmens Pentacon.

1949 – Duflex – Hersteller: Gamma Werke/MOM-Kamerawerke, Ungarn; Konstrukteur: Jenó Dulovits (Ungarn, 1903-1972). Allererste Kamera mit fest eingebautem, seitenrichtigem Suchereinblick mittels Porrospiegelsucher, Rückschwingspiegel und Metallschlitzverschluss und Automatik-Blende – Format 24×32 mm. Die Kamera hatte zusätzlich noch einen normalen Sucher mit eingespiegelten Brennweiten-Rahmen.

Die Kamera kam nach fast 10 Jahren Vorarbeiten, Patentierung, Marktforschung und Prototypenbau (ab 1944) auf den Markt (1949) – wurde aber in nur 600 Exemplaren bis 1950 gebaut. Der Grund für das plötzliche Ende ist nicht offiziell bekannt. Der Autor Ian Platt hatte wohl im Jahr 2005 die Gelegenheit, in Budapest selbst der Sache auf den Grund zu gehen – aber auch er konnte nur die (wahrscheinlich zutreffende) Vermutung erarbeiten, dass von den kommunistischen Parteien (UdSSR und Ungarn) bei der Organisation der Nachkriegswirtschaft der neu entstandenen Kameraindustrie in der DDR (Dresden) und in der UdSSR der Vorzug gegeben wurde (Export brachte Devisen!) und die ungarische Firma zur Einstellung der Fertigung geszwungen wurde – eine Kamera, die den anderen 10 Jahre voraus war, wurde „eingestampft“ – das Know-How aber auch nicht intelligent transferiert und genutzt (vmtl. „not-invented-here-Effekt“…), was die Ineffizienz der staatlich gelenkten Wirtschaft wieder einmal beleuchtet.

1949 – Contax S – Hersteller: VEB Zeiss Ikon, Dresden; Konstrukteure: Wilhelm Winzenburg und Walter Hennig. Ab 1958 unter Pentacon F.

Mit fest eingebautem Pentaprisma. Sie wurde lange Zeit für die erste SLR mit seitenrichtigem Suchereinblick (Pentaprisma) gehalten – bis die Informationen über die italienische „Rectaflex“ (s.o.) abgesichert wurden. M42-Objektivanschluss. Konstruktions-Vorarbeiten fanden schon von 1938 – 1941 statt (man fing an, die IHAGEE-Produkte Ernst zu nehmen….). Nach dem Krieg aber war völlige Neukonstruktion erforderlich.

1952 – Praktina Hersteller: „KW“ Kamerawerke Niedersedlitz, DDR ; Konstrukteur (verantwortl.) Siegfried Böhm (später auch Konstr. der Praktisix!).

Wechselsuchersystem und sehr großes Objektiv-Bajonett! Die Kamera war so ausgelegt, dass um sie herum ein vollständiges, professionelles System gebaut werden konnte – und auch wurde! Ab 1958 auch unter dem Dach der VEB Kamera- und Kinowerke Dresden (Pentacon) wurde die Praktina  zugunsten der einfacheren und billiger  herzustellenden Praktica-Baureihe 1961 eingestellt.

1952 – Zenit – Hersteller: Krasnogorsky Zavod (KMZ), UdSSR. Zenit-SLR haben meist fest eingebautes Prisma. Die erste Kamera wurde aus der Zorki (M39-Sucherkamera) abgeleitet. Es sollen von 1961 – 1981 über 8 Millionen SLR-Kameras der Zenit-Baureihe geliefert worden sein – z.T. als OEM-Produkte (REVUE etc.). Noch heute werden analoge Zenit-SLR-Kameras gebaut.

1951/53 – Mecaflex – Hersteller: Metz, Fürth (1953-58), Kilfitt, Monaco (1958-1965); Konstrukteur: Heinz Kilfitt.

Fest eingebauter Lichtschachtsucher und spezieller Objektiv-Bajonett-Anschluss (ähnl. Canon FD).

1953 – Contaflex – Hersteller Zeiss Ikon, Stuttgart; SLR mit fest eingebautem Prisma und Zentralverschluss im fest eingebauten Objektiv – ab Contaflex III vorderer Objektivteil wechselbar (Pro-Tessare)!

Contaflex-II_900

Anfangs (Contaflex I + II) mit Tessar 45mm f2.8. Ab 1956 waren die Objektiv-Vorderteile des neuen Tessar 50mm f2.8 wechselbar (Pro-Tessare). Ab 1958 mit Schnellspannhebel – aber bis zum Ende der Baureihe 1971 ohne Rückschwingspiegel, trotz einer sehr großen Zahl von Modellen! Je nach Modell, gab es ab 1959 oder 1962 einen gekuppelten Belichtungsmesser (Selen) und ab 1962 eine Blendenautomatik (und Zeiss spendierte ein verbessertes Tessar). Seitdem gab es auch Wechsel-Filmkassetten zur Contaflex.

1957 – Retina Reflex – Hersteller: Kodak-Kamerawerk in Stuttgart, BRD, das Kodak 1931 von Dr. Nagel erworben hatte und das seit 1934 Retina Kleinbildkameras baute, nachdem Kodak im selben Jahr den KB-Film in der 135er-Patrone eingeführt hatte. Kodak USA wurde 1882 zur Herstellung von Rollfilmen gegründet und baute ab 1888 Kameras.

Retina Reflex war eine SLR mit fest eingebautem Prisma, Objektiv-Wechselbajonett (Wechsel des gesamten Objektivs!) und Zentralverschluß (Synchro Compur). Vier Modelle – letztes Retina Reflex IV ab 1964 bis 1969. Sehr hochwertig, aber kompliziert und schwer.

Ab 1991 bot Kodak als erster Hersteller eine autonome D-SLR-Kamera an (DCS 100) basierend auf Canon- später Nikon-Serienmodellen. Ein besonderes Highlight war ab 2002 die DCS Pro 14n (14 MP) mit Nikon-Bajonett.

2012 ging die Firma Kodak in USA in Insolvenz – aus Teilbereichen wurden Nachfolgefirmen gegründet – auch der Markenname hat überlebt.

1958 – Zunow – Hersteller: Zunow Optical Industry Co. Ltd, Japan  ; Gründer der Firma 1930 – als Teikoku Kogaku Kenkyujo: Suzuki Sakuta.

Ambitionierte SLR mit Wechsel-Pentaprisma und Schlitzverschluss, Automatik-Blende, Rückschwingspiegel und Objektiv-Bajonett. Wahrscheinlich neben der Duflex die am kürzesten gebaute SLR der Kamerageschichte. Extrem wenige Kameras wurden gebaut (Fertigungs-Rate: 8 pro Tag!). Die meisten SLR-Kameras sollen unzuverlässig und sehr reparaturanfällig gewesen sein (lt. L. Paracampo)!

Schon 1960 wurde die Firma, die große Optik-Kunden im Cine-Bereich hatte (Neoca und Arco), durch Kunden-Konkurse in die Insolvenz gerissen und wurde am 1.1.1961 geschlossen.

Die Firma war und ist berühmt durch die frühen, extrem lichtstarken Optiken wie das Zunow 50mm f1.1 (Designer: Hamano Michisaburo) – das zuerst für RF-Kameras wie Leica, Contax, Nikon geliefert wurde. Prototypen ab 1950, ausgeliefert wurde das Objektiv ab 1953.

Die Zunow-SLR wurde auch mit einem 50mm f1.1 als Normalobjektiv ausgeliefert. Weitere Lichtstarke Optiken der Firma waren: 35mm f1.5, 35mm f1.7, 100mm f2.0. Ein 75mm f1.0 wurde wohl konstruiert – aber nicht gefertigt…

Die erste Normaloptik 50mm f1.8 für die erste Miranda-SLR-Kamera (Orion) kam von Zunow.

1958 – Start – Hersteller: KMZ, Krasnogorsk, UdSSR; Hergestellt bis 1964.

Merkmale ähnlich Exakta, wechselbarer Sucher, Tuchschlitzverschluss aber Objektiv-Bajonett ähnlich (nicht gleich) Praktina. Film-Schneide-Vorrichtung im Gehäuse.

1958 – Bessamatic – Hersteller: Voigtländer; eine SLR mit Zentralverschluss-Wechselobjektiven und gekuppeltem Belichtungsmesser (manuelle Nachführung) und bereits mit Schnellspannhebel – Objektiv-Anschluß mit Deckel-Bajonett (DKL) leicht modif. zum Retina-Bajonett. Bis zum Ende der Baureihe kein Rückschwingspiegel!

1961 als Spitzenmodell die Ultramatic cs mit Belichtungsautomatik mittels TTL-CdS-Zellen – mit siebenlinsigem „Septon 50mm f2.0“ – eingestellt 1965 (es wird berichtet, dass der Spiegel-Rückschwingmechanismus vorgesehen war – aber nicht zuverlässig funktionierte – und dann  einfach weggelassen wurde…)

1962 daneben Bessamatic deLuxe (eingespiegelte Zeiten und Blenden), Bessamatic m ab 1964 (rein mechanisch), ab 1966 Bessamatic cs: TTL-Belichtungsmessung mit CdS-Zelle. Ende der Baureihe 1969.

1959 – Contarex – Hersteller Zeiss Ikon, Stuttgart, BRD;

Professionelle SLR. Es gibt fünf Modelle:

1959 – 1966 – Contarex („Contarex I“/“Bull’s Eye“/“Cyclops“) mit fest eingebautem Prisma und gekuppeltem Selen-Belichtungsmesser. Es gab sofort 10 Wechselobjektive – später bis zu 18 Brennweiten und profess. Zubehör, Motorantrieb und Wechselkassetten.

1960 – 1963 Contarex Spezial mit Wechselsuchersystem.

1966 – 1967 – Contarex Professional: neues Gehäuse mit fest eingebautem Prisma und Flash-Matic, rein mechanisch – ohne Belichtungsmessung.

ab 1967 – Contarex S – mit TTL-Belichtungsmessung (CdS-Zelle).

1968 – 1972 – Contarex SE – elektronischer Verschluss – soll die erste Kamera gewesen sein, bei der die Verschlußzeit stufenlos elektronisch gebildet wurde.

1966 – Icarex 35 – Hersteller Zeiss Ikon oder Voigtländer, Deutschland. SLR mit (erstes Modell) Wechselsucher – später festem Prisma, Schlitzverschluss und wieder einem anderen Bajonett-Anschluss für das Objektiv. 3 Modelle (35, 35S, 35CS) – plus drei weitere, identische mit dem Zusatz „TM„: Zeiss Ikon baut tatsächlich in einige seiner letzten SLRs ein M42-Gewinde ein! Dabei ist beim Erscheinen der Kamera selbst das Modell mit TTL-Belichtungsmessung (Icarex 35s, ab 1969 ) der Asahi Pentax gegenüber 5 Jahre im Rückstand.

Zwei weitere SLR-Modelle von Zeiss Ikon gehören eigentlich zur Icarex-Baureihe – werden aber unter anderem Namen vermarktet:

Contaflex 126“ (1966, Instamatic-Film + TTL-Offenblendenmessung gekuppelt!) und als letztes Modell

SL706“ (M42 und TTL-Offenblendenmessung) – es kam im Jahr 1972 heraus, wenige Monate, vor dem Ende:

1972  stellte Zeiss Ikon die gesamte Kleinbild-SLR-Sparte wegen wirtschaftlicher Erfolgslosigkeit ein! Da man das Geschäft mit den SLR-Objektiven nicht verlieren wollte, schloss man 1972 einen Kooperationsvertrag mit Yashica ab (nachdem Pentax abgesagt hatte). Yashica wurde 1983 von Kyocera übernommen. Als Ergebnis der Kooperation entstand die Contax RTS – siehe weiter unten ab 1974.

1974 – Contax RTS – Hersteller Yashica, ab 1983 Kyocera; Design F.A.Porsche. Kamerabajonett C/Y. Original-Objektive hierzu kamen von Carl Zeiss (BRD). SLR mit fest eingebautem Pentaprisma, und elektronisch kontrolliertem Metall-Schlitzverschluß, z.T. mit eingebautem Motor.

–> Kameraseitig ist dies EIGENTLICH ein Kapitel der japanischen Foto-Industrie!

Eine professionelle Systemkamera-Produkreihe entstand: Contax RTS, RTS II (1982), RTS III (1991) – diese letztere war aus meiner Sicht der absolute Höhepunkt der mechanischen Kamera-Baukunst (Verschlusszeit 1/8000 s): vor jeder Aufnahme wurde der Film mit Vakuum an die keramische Filmandruckplatte gezogen, damit sie absolut eben ist! (… wer das Verschluss- und Spiegelschlag- und Motorantriebs-Geräusch diesser Kamera hört, wird mir vielleicht Recht geben!). Dazwischen lagen weitere, etwas preiswertere, Modelle wie Contax 137MA, 159 MM, 167 MT. Gegen Ende der Ära die Contax RX, RX II – und die AX, mit Autofocus-Funktion durch Verschieben der Filmbahn, wodurch die non-AF-Objektive mit Autofocus nutzbar wurden, wenn auch recht langsam… Auch fast am Ende die wunderschöne, kleine Contax Aria – im 60. Contax-Jubiläumsjahr zusammen mit dem neu gerechneten Tessar 45mm f2.8!

ContaxRTSIII_2_900

Die Zeiss-Objektive der Contax-RTS-Baureihe mit c/y-Bajonett sind Legende – zu Recht!

Kyocera stellte die Herstellung der SLR-Baureihen 2005 ein (Digital-Dämmerung?). Den Autofocus hatte man 2000 noch mit der Contx-N Baureihe eingeführt – 15 Jahre nach der ersten Minolta mit Autofokus… Die Preise für Contax-SLR lagen im oberen Profi-Segment – für manuell zu fokussierende Kameras. Da war der Zug in das Profi-Lager der Zukunft längst abgefahren als Zeiss/Kyocera mit Contax versuchten, da einzusteigen.

Es gab auch 2002 eine erste D-SLR „Contax N Digital“ – dies war die erste Vollformat D-SLR der Welt! Dieser Bolide (6 MP) hatte viele Probleme – wegen der vielen technischen Zicken nannten wir sie „die Diva“. Aber wenn alles gut ging hatte man großartige, rauscharme Ergebnisse, dank fabelhafter Zeiss-Objektive und Vollformat!

1960 – Focaflex – Hersteller OPL, gegründet 1919 in Lavallois, Frankreich (Kamerabau seit 1945 bis 1967) – fusionierte Später mit SOM. Die Kamera benutzt ein Spiegelsystem für den seitenrichtigen festeingebauten Sucher (ähnlich Olympus PenF ab 1963). Drei aufeinander folgende Modelle: Focaflex, Focaflex Automatique und Focaflex II. Einstellung der Herstellung 1967.

Meines Wissens ist dies die einzige SLR, die in Frankreich gebaut wurde – Details kenne ich nicht.

1964 – Leicaflex – Hersteller: Ernst Leitz Wetzlar, BRD; der Hersteller der klassischen Leica-Messucher-Kamera sah sich genötigt, dem Siegeszug der SLR weltweit technisch etwas entgegenzusetzen. Bei der Einführung fehlten der Leicaflex dann aber weitgehend alle innovativen Features der japanischen Konkurrenz – hauptsächlich die TTL-Belichtungsmessung. Die Zahl der passenden SLR-Objektiv-Brennweiten war sehr gering. Für ein Zoom griff man auf ein von Angénieux entwickeltes Modell zurück (45-90mm f2.8). Die (Offenblenden-Messung) wurde mit dem Modell Leicaflex SL 1968 eingeführt. 1974 gab es noch einmal eine geringfügige Auffrischung mit der Leicaflex SL2. 1976 wude die Modellreihe eingestellt und durch die inzwischen in Kooperation mit Minolta entwickelte Leica R-Baureihe ersetzt. Leitz hatte offensichtlich nicht die Kraft dies aus eigenen Resourcen zu tun.

Um die Fertigungskosten der Kameras zu senken, errichtete die Ernst Leitz Wetzlar bis 1973 ein neues Werk in Portugal.

1967/68 – Regula Reflex 2000 CTL – Hersteller: King&Bauser, Bad Liebenzell, Deutschland – Konstrukteur: Joseph Op de Beek. Mechanische SLR (1/2000 s) mit TTL-Belichtungsmessung. 1966 auf der Photokina vorgestellt – mit NikonF und M42-Anschluss. Letztlich wohl meistens mit M42 gebaut. Es gab 3 weitere Modelle. SLR-Fertigung bis ca. 1975geschätzt 4.500 Kameras.

Firma King wurde 1936 gegründet und zog 1938 nach Bad Liebenzell. Ab 1949 wurden Kameras produziert (bis 1984 sollen es lt. Wikipedia ca. 5 Millionen Kameras gewesen sein!). Ab 1960 wurden Blitzgeräte gebaut, die sehr bekannt und geschätzt waren. 1984 ging Regula-Werk King & Bauser in Konkurs. (Andeutungen auf Wikipedia lassen darauf schließen, dass hohe Investitionen in das – sorry: dämliche! – Photo-Disc-System von Kodak (Filmformat 8mm x 10,5 mm!!!) mit einer sehr unglücklichen Lizenz-Strategie seitens Kodak sich als Fehlinvestition erwiesen und mit Schuld an dem Konkurs hatten!)

1976 – Leica R3 – Hersteller: Ernst Leitz Wetzlar, BRD (ab 1986: Leica Camera AG) – jene in Zusammenarbeit mit Minolta entwickelte SLR mit fest eingebautem Prisma und elektronisch gesteuertem Metallamellen-Verschluß. Also endlich eine moderne SLR von Leitz Auch das nächste Modell Leica R4/R4s (ab 1980/83) wurde noch in Zusammenarbeit mit Minolta geschaffen. Außerdem übernahm Leitz mehrere Minolta Objektiv-Designs: 24mm f2.8, Fisheye 16mm f2.8, 35-70mm f3.5 und 70-210mm f4. Die Modelle Leica R5/R-E (ab 1986/90) bekamen zusätzlich TTL-Blitzsteuerung (die die Olympus OM-2 bereits seit 1975 besaß…). Fast 15 Jahre lang war die Leica R jetzt rein äußerlich fast unverändert – und in mancher Hinsicht technisch der japanischen Konkurrenz leider ca. 10 Jahre hinterher…

Leica R6/R7 wurden ab 1988/92 in einem völlig neuen Gehäuse gebaut, wobei die R6/R6.2 eine rein mechanische Kameras waren, die auch ohne Batterie funktionierten (Batterie diente nur zur Belichtungsmessung – wie bei Olympus OM-3Ti.). Die Kamera wurde gegenüber der R5 modernisiert und bekam Mikroprozessor-Steuerung.

LeicaR8_900

Leica R8 (ab 1992-1997) und R9 (ab 1996) wurden als letzte SLR der Leica R-Baureihe bis 2009 hergestellt. Sie erhielten ein sehr modernes Design – aber waren immer noch MANUELL zu FOKUSSIEREN ! Ab 1996 gab es ein Digital-Rückteil-Modul (10 MP CCD-Sensor mit Brennweiten-Verlängerungs-Faktor von 1,37), das auch an der R8 verwendet werden konnte. Damit endete die Ära der SLR bei Leica Camera AG.

Die ab 2015 gelieferte Leica SL (Vollformat 24×36) ist eine spiegellose Digital-Systemkamera mit Adapter für die R-Objektive – nun MIT Autofokus…

Die Leica-R-Objektive haben – zu Recht! – einen Ruf wie Donnerhall – viele sind legendär geworden! Ich selbst schätzte am meisten die Summicron-Baureihe und die Apo-Elmarit- (Makro!) und Apo-Telyt-Optiken.

1970 – Rolleiflex SL 35 – Hersteller: Rollei, Singapur. Konstruktion bei Rollei in Braunschweig. Aber produktionsseitig ist dies eigentlich bereits ein Kapitel der asiatischen Fotoindustrie… SLR mit fest eingebautem Pentaprisma, Rollei QMB-Bajonett und Zeiss-Originalobjektiven.

Ein kurzes Intermezzo mit vier Modellen (35, 35ME, 35E SL350) bis 1983. Zum Schluss legte Rollei mit der SL2000 (1981-84) noch einmal ein SLR-Highlight im Stil der würfelförmigen 6×6-Mittelformat-SLRs auf: mit fest verbautem Lichtschacht und Prisma, Motor und Wechsel-Filmkasetten!

Und wo bleibt die japanische Foto-Industrie?

Man muss wissen, dass die japanische Industrie nach dem verlorenen 2.Weltkrieg wahrscheinlich noch wesentlich stärker am Boden lag als die deutsche. Deshalb ist es kein Wunder, dass diese Industrie auf diesem Gebiet spät startete, aber dann mit enormen Fleiß, geballter Innovationskraft und einem nationalen Qualitätskonzept (MITI)!

Das Versagen der deutschen Fotoindustrie wurde zunächst gerne damit beschönigt, dass die japanische Industrie die europäische mit „billigen Kopien“ unfair geschädigt habe. Ja, die „billigen Kopien“ der Leica gab es wirklich in Russland und Japan. Aber heute liegen die Fakten detailliert auf dem Tisch und es ist weitgehend Konsens, dass die deutsche Fotoindustrie nicht wegen billiger Leica- oder Contax-Kopien untergegangen ist – es sei denn, man bezeichnet eine technisch und designerisch fortschrittlichere japanische Kamera nur deswegen als „Leica-Kopie“, weil sie einen gekuppelten Entfernungsmesser und ein M39-Anschlußgewinde hat. Frank Mechelhoff hat in seinem Blog „klassik-kameras.de“ einmal sehr überzeugend nachgerechnet, dass eine japanische (Canon) Meßsucherkamera Anfang der 60er Jahre teurer war, als eine deutsche – und technisch fortschrittlicher! Und selbst die Objektiv-Designs waren oft fortschrittlicher!

Ich bin nicht kompetent, den Niedergang der deutschen Fotoindustrie in den 1960/70er Jahren zu beurteilen, aber mein Verdacht ist, dass eine Menge Überheblichkeit und Ignoranz im Spiel war.

Die japanische Industrie erschien mit einigen Jahren Verzögerung nach dem 2. Weltkrieg in der SLR-Technologie auf dem Markt, machte dann aber gleich ab den 1960er Jahren mit Innovationen auf sich aufmerksam. Da war die deutsche-europäische Geschichte der Spiegelreflex-Kamera schon fast zuende erzählt… mit Ausnahme der DDR-Indstrie – … und der Leica R, die noch lange gemütlich hinterher zuckelte.

1952 – Asahiflex I – Hersteller Asahi Optical Co; die 1948 wiedergegründete Optik-Firma, eursprünglich ein Brillenglas- und  Foto-Objektiv-Hersteller. Erste japanische Spiegelreflex-Kamera. 1954 (Asahi IIB) mit Rückschwingspiegel, ab 1957 mit fest eingebautem Pentaprisma. 1957 kauft Asahi von der Dresdener VEB Zeiss Ikon den MarkennamenPentax“ (gebildet aus Pentacon und Contax) – danach heißen die SLR-Kameras Asahi Pentax – später nur noch Pentax. Anfangs mit Objektiv-Gewinde M37 – ab 1957 wird auch das M42x1 Anschlussgewinde aus Dresden übernommen – für EIGENE Takumar-Foto-Objektive. Man erkennt hier welche Vorbild-Rolle zu diesem Zeitpunkt die Dresdener Kameratechnik NOCH hatte. Eine Zeiss-West-Spiegelreflexkamera gab es da noch gar nicht (und bald schon nicht mehr…). Heute heißt die Firma „RICOH“ – aber der Name Pentax ist für die SLR-Kameras geblieben.

1964 landete Asahi Pentax seinen legendären Innovations-Coup mit der TTL-Belichtungsmessung (durch das Objektiv): die Pentax Spotmaticobwohl die früheste Serieneinführung der Belichtungsmessung durch das Objektiv ein Jahr früher durch Topcon erfolgt war (Topcon RE Super) – Asahi war wohl besser in der Vermarktung.

1971 folgte ein erneuter Innovations-Schub durch die TTL-Belichtungsautomatik und die Super-Multi-Coating (SMC) Objektiv-Beschichtungs-Technik. Dieser Schwung reicht zu einer sehr starken Marktstellung bis in die 80er Jahre. Zeiss Ikon (BRD) stellte ein Jahr später die Fertigung aller Kleinbildkameras ein).

1975 führte Pentax schließlich – zu spät – das K-Bajonett für die Objektive ein: der Stern sank nun langsam im Vergleich zu früheren Glanzzeiten. Nur Praktica (Pentacon, DDR) stellte noch später – 1979 – auf ein Bajonett um.

Ab 1987 erfolgte bei Pentax Umstellung auf Autofocus – Mitte der 00er-Jahre auf Digital. 2005 hat Pentax die Herstellung von analogen SLR eingestellt.

1955 – Miranda T – Hersteller: Orion Camera Co., ab 1957 Miranda Camara Co.; gegr. 1946/47 von zwei Luftfahrt-Ingenieuren: Ogihara Akira und Ōtsuka Shintarō (sie sind auch die Konstrukteure).

Erste japanische SLR mit wechselbarem Pentaprisma (öffentl. Prototyp 1953!). Sehr eigenwilliger Objektiv-Anschluss: Gewinde M44 + ein zusätzliches Außenbayonett. Ab 1969 auch Varianten mit M42. Die Objektive wurden zugekauft. 1967 Modell Sensorex mit TTL-Belichtungsmessung. 1971 Sensorex EE mit automatischer Belichtungssteuerung und neuen Wechselsuchern. 1975 folgte als letztes Modell die kompakte dx-3 mit fest eingeb. Prisma und elektronisch gesteuertem Verschluß. Im Laufe der 60er Jahre übernahm nach und nach AIC (Soligor) die Kontrolle über die Firma.

1976 Ende der Firma durch Insolvenz.

1957 – Topcon R – Hersteller: Tokyo Optical Company Nippon (Topcon), Japan; gegründet 1932 als Optische Werkstätten, Kameraherstellung ab 1937. Die erste SLR ist bereits eine Systemkamera mit Wechselsucher und Exakta-Objektiv-Bajonett und Schlitzverschluss. Bereits mit dem Modell Topcon R II wurde 1960 das Bajonett modernisiert und auf interne Blendenübertragung umgestellt, so dass der „Springblenden-Auslöse-Ausleger“ verschwand.

Erstaunlich war die hohe Innovationsrate bei Topcon – oft wurden im Jahresrhythmus neue Features auf den Markt gebracht – oft als weltweite Erst-Innovation – auch bei den Zentralverschluss-Kameras.

Mit dieser ersten Schlitzverschluss-SLR brachte Topcon auch sofort zwei Tele-Boliden herus: 13,5cm f2.0; 30cm f2.8 – das letztere kam damit rund 17 Jahre eher heraus bevor Canon sich traute dies zu machen (das FL-Fluorite von 1974). Das Topcor 30cm f2.8 konnte werbewirksam bei der Olympiade 1964 in Tokio eingesetzt werden! Die optische Qualität dieser Objektive ist ganz erstaunlich! Das 300mmf2.8 wurde bald reihenweise für Nikon-Anschluß umgerüstet. Um die Innovationskraft des Unternehmens einzuschätzen muss man wissen, dass dort bereits 1958 ein Prototyp eines Spiegelteles 1000mm f7 existierte, das aber nicht in Serie ging.

1959 – Topcon PR – mit dieser Baureihe, ähnlich der Zeiss IKON Contaflex III (Spiegelreflex mit Zentralverschluss, festes Prisma und fest eingebautes Objektiv und Wechsel der vorderen Objektiv-Hälften) schob Topcon schon nach 2 Jahren eine SLR-Type nach, der sie parallel bis zum Ende der Kamerafertigung 1981 auch treu bleiben würde: die SLR mit Zentralverschluss im Objektiv (Grundprinzip der Hasselblad 6×6 …) war auch bei Kleinbild-SLR in den 60er und 70er Jahren sehr populär. Auch ich bin mit der Contaflex II meines Vaters „zur SLR sozialisiert worden“!

Im Gegensatz zu Zeiss Ikon, die die Contaflex bis zum Ende (1971) OHNE Rückschwingspiegel baute, führte Topcon schon 1960 in beiden Kamera-Linien den Rückschwingspiegel ein!

Topcon machte aber schon 1963 einen weiteren Schritt: echte Wechselobjektive mit je einem eigenen Zentralverschluss. Die Zentralverschluss-SLR-Reihe wurde auch in kurzen Abständen aktualisiert und weltweit vertrieben: PR, PR II, SR, Wink-Mirror (1960), Wink-Mirror-S, Topcon Uni & Auto 100 bzw RE Auto, Unirex (1965), Unirex EE (1972), IC-1 Auto.

1963 – Topcon RE Super: weltweit erste SLR-Kamera mit TTL-Belichtungsmessung, ein Jahr VOR Pentax auf dem Markt. Ebenfalls Wechselsucher und Exakta-Bajonett – aber erweitert um Blendenfunktionen! Es war ein Paukenschlag – 1963/65 kam hier ein extrem umfangreiches Kamerasystem auf den Markt, mit einem vorher nie gesehenen Ojektiv-Brennweiten-Programm (Brennweiten noch in cm graviert!): 5,8cm f1.4; und weiterhin die beiden Highlights 13,5cm f2.0; 30cm f2.8; sowie die beiden exzelenten Retrofokusobjektive 2,5cm f3.5 und 2,0cm f4.

Die bereits 1957/59 und 1963/65 aufgelegten Objektive sind ALLE von ganz exquisiter optischer Qualität! Auch das Retrofokus-Weitwinkel 2,4cm f3.5 von 1963 ist selbst dem Zeiss-Distagon 25mm f2.8 zur Contarex von 1961 so haushoch überlegen, dass man es kaum fassen kann. Ich werde in Kürze über diese Ausnahme-Optiken detailliert berichten.

Schon Ende der 60er Jahre ließ die Innovationskraft des Unternehmens leider erkennbar nach.

1972/73 – Topcon Super D/DM wurden gebaut bis zum Ende der Kameraproduktion 1981.

Topcon_SuperD_900

Super D ist eigentlich noch die alte RE Super – Die Super DM ist stark überarbeitet im Sucher- und Motor-Winder-Bereich. Das letzte Spitzenmodell.

Ich bin weit davon entfernt, alle Topcon-Kamera-Modelle „entschlüsselt“ und eingeordnet zu haben. Insbesondere habe ich den Verdacht, dass die IC-1 Auto tatsächlich keine Zentralverschluss-Kamera ist, sondern die Unirex mit Schlitzverschluss („focal-plane“) und mit Beibehaltung des UV-Topcor-Bajonett-Anschlusses den UV-Objektiv-Besitzern eine Alternative bieten sollte. Ich habe das Thema Topcon ein bisschen ausführlicher behandelt, da es hierzulande sehr wenig bekannt ist. (Wer Japanisch kann, sollte mal in den Link http://www.topgabacho.jp/Topconclub/ schauen. Er enthält auf jeden Fall sehr viele gute Bilder!)

Topcon war in Europa präsent als ich studierte und dann jung im Beruf war. Ich träumte von ihr – für mich ist sie bis heute die schönste SLR je – und kaufte mir dann eine Minolta SR-T 101 … Warum diese herausragenden Kameras und Objektive dann so schnell wieder verschwanden, ist mir nicht bekannt. Im Jahr 2003 (40. Jubiläum?) legte Cosina noch einmal einen Nachbau des legendären „Auto-Topcor 5,8cm f1.4“ auf.

Firma Topcon ist heute Weltmarktführer bei Geodäsie-Geräten.

1959 – Canonflex – Hersteller: Canon, Tokio, Japan; gegr. 1937 als Kamerabauwerkstatt. Heute ist Canon der größte Kamerabauer der Welt.

Die Canonflex (3 Modelle bis 1964) hatte Wechselprisma, R-Bajonett-Objektivanschluss („breech-lock“), Schnellspannhebel und automatische Springblende und Rückschwingspiegel. Sie war sehr solide (Gehäuse über 900 gr) und hatte ein klares Design.

Man kann diese frühen Modelle, die einzelne Features der Nikon F voraus hatten, durchaus als Fehlstart gegenüber Nikon bezeichnen: einige Konstruktionsdetails standen dem Erfolg klar im wege (wie der Schnellspannhebel am Kameraboden – sehr ungünstig bei arbeit auf dem Stativ – und es gab zu Beginn keine Weitwinkelobjektive!. Von den 3 Modellen mit R-Bajonett wurden bis 1964 gut 100.000 Kameras gebaut – während Nikon gleich mit der Nikon F bis 1974 über 850.000 (lt.Cameraquest) verkaufte.

Canon hatte nach Gründung zunächst die Objektive (für die Messsucherkameras) von Nikon zugekauft und hatte erst 1947 mit einer Objektiv-Fertigung begonnen (Serenar). Canon stellte die Messsucher-Kameras erst 1968 ein („das Beste“ kam quasi noch nach 1959, z.B. mit dem 50mm f0.95 an der Canon7 im Jahr 1961!) – während Nikon sich praktisch sofort voll auf die SLR konzentrierte.

1964 wurde mit der Canon F-Serie das FL/FD-Bajonett und das Schnelladesystem für den Kleinbildfilm eingeführt. Damit hatte Canon Tritt gefasst und wurde erfolgreich. Das wichtigste ist sicher das Profi-Modell F-1 (1971) mit den Folgevarianten F-1n (1976) und F-1 New (ab 1981 … bis mindestens 1988 gebaut). Alle Varianten waren mit Wechselsuchern (5 Modelle, 10 Einstellscheiben!) ausgestattet, die je nach Typ Nachführbelichtung, Zeitautomatik oder Blendenautonmatik ermöglichten. Es gab natürlich Motorantrieb, sensationell war das 1972 vorgestellte F-1 Highspeed mit Teildurchlässigem Spiegel und Motor, das 9 Bilder/sec schaffte. Canon tat alles, um den Vorsprung, den Nikon im Profi-Segment hatte, aufzuholen. Aber das dauerte noch – entscheidend wurde hier der Einstieg in das AF-Zeitalter! (ab 1987)

Die F-1 New wird als Canon-Profi-Modell erst von der EOS-1 im Jahr 1989 abgelöst!

Die Canon A-Serie für Amateur-Kameras wurde von 1976 – 1983 gebaut. Zwei Modelle ragen heraus: AE-1 (1976) war die erste SLR-Kamera mit Mikroprozessor-Steuerung, die   A-1 die zweite SLR (nach Minolta XD-7) mit Zeit- und Blenden-Automatik.

Beobachtung: während Firma Canon im Profi-Segment Nikon hinterherjagte, trieb Minolta Canon im Amateur-Segment vor sich her! Die Tatsache, dass Canon BEIDE Herausforderungen parallel gemeistert hat, hat der Firma schließlich die heute bestehende Spitzenposition im Markt eingebracht.

Die bedeutende Rolle von Minolta im damligen Amateur-Segmentwird besonders daran deutlich als Minolta 1985 überraschend als erster Anbieter die auf den Amateurmarkt zielende Autofokus-Modellreihe 7000 AF/9000 AF heraus bringt: Canon bringt in aller Eile für zwei Jahre – vor der für 1987 geplanten AF-Baureihe EOS mit neuem EF-Bajonett – eine AF-Kamera in der T-Reihe (T-80) heraus für deren AF-Betrieb sie 3 spezielle mit AF-Motoren ausgestattete Objektive (mit FD-Bajonett!) Anbot. Auch Nikon hatte ja eilig eine solche „Zwischenlösung“ mit der Nikon F3 AF eingeschoben, ehe eine „echte“ AF-Kamera folgte (F-501 in 1986).

Beide konnten nicht verhindern, dass Minolta wegen des großen Erfolges seiner AF-Kamera-Reihe vorübergehend zum mengenmäßig größten SLR-Kamerahersteller wurde.

1983/84 – Canon T-50 und T-70 – mit fest eingebautem Prisma, eingebautem Filmtransport-Motor und weiterhin FD-Bajonett (bis 1989) – schließlich 1986 das Spitzenmodell T-90 im wegweisenden Design von Luigi Colani, das bis heute  die Canon SLR-Spitzen-Modelle eindrucksvoll kennzeichnet.

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1987 – Canon EOS-650: Die EOS-Baureihe läutet das „echte“ AF-Zeitalter ein, mit einem neuen, erheblich vergrößerten  EF-Bajonett. Das Profi-Spitzenmodell EOS-1 kam 1989 auf den Markt. Nomenklatur der EOS-Reihe: EOS-N: Profi-Kameras (EOS-1/-3/-5); EOS-NN: gehobenes Amateursegment (EOS-10/-30/-33/-50); EOS-NNN: Amateur-Segment.

Ab jetzt spornen sich Canon und Nikon abwechselnd zu den jeweiligen technischen Innovationen im 5-Jahres Rhythmus an – was gut für den Kunden war und dazu führte, dass die Entscheidung, wer auf diesem Markt führend ist, sich ab jetzt nur zwischen Nikon und Canon entschied. Da konne nun niemand mehr mithalten. Ich entschied mich ca. 1990 ebenfalls für Canon (EOS-10).

Kameraseitig wurden erst im digitalen Zeitalter die Karten neu gemischt – was heute, 2020, wieder zu neuen, spannenden Konstellationen führt – aber mit Rückgang der Bedeutung der SLR verbunden ist.

Canon D-SLR:

Nach ersten Vorläufern 1995 bis 1998 in Zusammenarbeit mit Kodak (EOS-DCS3/DCS2000/DCS3000 – mit 2 oder 6 MP-Digitalrückteil an der EOS-1N) – startet Canon bereits 2000 mit ersten semiprofessionellen D-SLR (EOS D30) und setzt den Maßstab mit dem ersten professionellen Modell EOS D-1s Mark II mit Vollformat 24x36mm in 2004 (16,7 MP). Canon entwickelt und fertigt die Bild-Sensoren nun selbst. Auch hatte Canon bereits 2004 mit den 8,5 Bildern/sec (EOS D1 Mark II – 8,2 MP) eine Marke gesetzt, um ab jetzt Platzhirsch im digitalen SLR-Zeitalter zu bleiben. Im Jahr 2015 überspringt Canon die Schwelle von 50 MP – in einer semiprofessionellen D-SLR.

Die Bedeutung, die bei der Einführung des Autofokus die Fokussier-Geschwindigkeit hatte, übernimmt nun die Verarbeitungsgeschwindigkeit der riesigen Datenmengen als technologische Barriere in der D-SLR.

Die Kamera wird zu einem Hochleistungs-Computer – aber nicht nur bezüglich der Transfer- und Verarbeitungs-Geschwindigkeit der Daten (mit 8, 12 oder 16 bit), sondern immer mehr auch bezüglich der Sensorstruktur und der Algorithmen, die aus den elektrischen Impulsen ein „Bild“ machen – was ja schließlich das Ziel der ganzen Übung ist und bleibt!

Außer Canon und Nikon hat meines Wissens HEUTE (2020) nur noch Sony D-SLR im Programm mit der A900 (2008 – 25 MP) und der A99 II (2016 – 42 MP) – in Minolta-Nachfolge mit dem A-Mount.

Canon spiegellose digitale Systemkameras: ab 2015 hat Canon mit dem APS-C-Sensorformat spiegellose digitale Systemkameras (M-Baureihe) eingeführt – inzwischen (2019) mit bis zu 30 MP.

Erst 2018 bringt Canon mit der R-Baureihe (und neuem R-Bajonett wegen des kürzeren Auflagemaßes) eine spiegellose Systemkamera (im Format 24x36mm) auf den Markt – führt aber die D-SLR-Baureihen weiter.

Die SLR-Objektive im D-SLR-Zeitalter:

Es ist nicht selbstverständlich, dass die über ein Jahrhundert optimierten „Analog“-Objektive auch am Digital-Sensor ihre gewohnte Leitung entfalten können. Der Bildsensor ist kein Film – es liegen nun neue optische Elemente im Strahlengang: Anti-Aliasing-Filter, UV-Filter, die winzigen Linsen auf den Halbleiter-Elementen (Pixel). Das muss idealerweise bei der Berechnung der Optiken nun berücksichtigt werden – und hat nun auch 1-2 Jahrzehnte gebraucht, um Stand der Technik zu werden. In vielen Fällen ist das Anti-Aliasing-Filter schon weggefallen.

Manche analoge Objektive haben weiterhin uneingeschränkt ihren Dienst getan – andere überhaupt nicht, oder mit gewissen Einschränkungen. Sehr flache Einfallswinkel der Lichtstrahlen auf den Sensor gehen gar nicht und manchmal gibt es offensichtlich Reflexionen zwischen Baugruppen, die den Kontrast stark beeinträchtigen können. Bei meinen Untersuchungen von historischen Objetiven an Digital-Systemkameras habe ich festgestellt, dass dies nicht vorherzusagen ist. „Try-and-error“ ist hier angesagt! Aber dass ein 15mm-Hologon-Objektiv an einem Vollformatsensor nicht funktioniert, kann man vorhersehen…

1959 – Nikon F – Hersteller: Nippon Kogaku K. K. , seit 1988: K.K. Nikon (Nikon Corporation). Konstruktionsleiter: Fuketa. Mechanische SLR-Kamera mit festem Prisma und F-Bajonett-Objektiv-Anschluss. Das Basis-Bajonett ist geometrisch bis heute unverändert (vorwärts/rückwärts-kompatibel) – funktional erweitert 1977: AI-Typ, 1982: AI-S. Auch bei Einführung des Autofokus entschied sich Nikon doch, das (im Durchmesser relativ kleine) Grundbajonett beizubehalten im Sinne ununterbrochener Kompatibilität. Ich persönlich sehe in dieser Entscheidung (die mich damals schon sehr gewundert hatte) einen der Gründe dafür, dass Nikon die Spitzenstellung schließlich doch im Markt an Canon verlor.

Nippon Kogaku wurde 1917 aus drei miteinander fusionierten Gesellschaften des Mitsubishi-Konzerns in Tokio gegrümdet: aus Teilen eines Messinstrumente-Herstellers, einem Glas-Hersteller und einer optischen Werkstatt (Mikroskope etc.) – Nikon ist noch heute Bestandteil des Mitsubishi-Konzerns. Von Anfang an, hat Nikon eine eigene Glasherstellung gehab, was ein großer technologischer Vorteil ist. Seit 1925 stellt Nikon Foto-Objektive her (50 Mio. Objektive bis 2009!), die seit 1932 bis heute Nikkor heißen. Der Name Nikon für die Kameras wird seit 1946 verwendet.

Die Nikon F enthielt gleichzeitig ALLE neuen technischen Features, die bis dahin bei SLR bekannt waren – was sonst bei keiner anderen SLR zu dieser Zeit der Fall war. Sie hatte bereits wie alle F-Nikons, bis auf F6 , Wechselsucher. Darüberhinaus bot sie ERSTMALS ein Sucherbild mit 100%! Nenneswerte Mängel hatte sie nicht. Mit dieser Ausstattung nach dem Stand der Technik sprach sie Professionals an und konnte 12 Jahre (+2 Jahre Weiterbau…) erfolgreich am Markt gehalten werden: 850.000 Exempl. bis 1974 (lt. Cameraquest).

1971 -Nachfolger Nikon F2 war die letzte rein mechanische Nikon – modernisiert und als modularen professionellen System vervollständigt – auch sie bleieb 9 Jahre am Markt.

1980 kam die Nikon F3 auf den Markt – sie wurde bis 2002 gebaut (22 Jahre!) und überlebte sogar ihre Nachfolgerin! – auch in Varianten (wie vorübergehend als Nikon F3 AF – 1983). Es ist schlechthin DIE legendäre Profi-SLR der Analog- und Vor-AF-Zeit. Spätestens  diese Kamera begründete den Status der Nikon-SLR als Profi-Werkzeug. Wesentlichste Änderung: die Belichtungsmeßzelle sitzt nicht mehr im Sucher, sondern nun in der Kamera hinter dem Spiegel.

1988 – Nikon F4 ist dann die erste vollwertige Nikon-Profi-SLR mit Autofokus – nach der Amateur-AF-Kamera F-501 von 1986. Gleichzeitig erschien 1988 die semi-Professionelle Nikon F-801. Auch bei der F4 gab es Varianten. Die Nikon F3 wurde 15 Jahre lang von den Profi-Fotografen weiter gekauft, die sich mit dem Autofokus nicht anfreunden wollten/konnten. Im Bereich der Belichtungsmessung bietet die F4 ein großes Bündel neuer Möglichkeiten.

Die zu geringe Autofokus-Geschwindigkeit bei der F4 kostete Nikon die Marktführerschaft im Profi-Segment, da Canon gleichzeitig mit der EOS-1 einen wesentlich schnelleren AF brachte (besonders wegen des Ultraschallantriebs der Objektive).

1996 wurde die F4 durch die legendäre Nikon F5 abgelöst, die zusammen mit Ultraschall-Fokusmotoren in den Objektiven wieder Marktanteile zurück holte.  Sie gilt als Höhepunkt der Kamerabau-Technik des analogen SLR-Zeitalters. Auf der F5 basierten die Umbauten von Kodak zu den ersten professionellen D-SLRs 1999-2001 (z.B. DCS 760).

Nikon F6 wurde 2004 eher unerwartet zu Beginnd es digitalen Zeitalters noch vorgestellt und ist die einzige analoge Profi-Kamera, die noch heute (2020) gebaut wird (im Amateur-Sektor nimmt wohl Zenit aus Russland diese Rolle ein).

Nikon D-SLR:

Wie bei Canon, gab es zunächst mit Digitalrückteil von Kodak modifizierte Varianten der professionellen F5 (1999 – 2001, DCS 620/660/760).

Nikon startete mit den professionellen Kameras Nikon D 1 und D 2 im APS-Format („DX“ d.h. 16 x 24 mm bei Nikon). Viele Sensoren wurden von Nikon selbst hergestellt. Das galt auch für das Amateur- und Semiprofessionelle Segment (D 100, D 50 etc.). Es wurde weiterhin das Nikon-F-Bajonett verwendet. Erst ab 2008 – mit der Nikon D 3X, D 700 – führte Nikon das digitale Vollformat 24x36mm ein. Die semiprofessionellen D-SLR mit hochauflösenden Sensoren (>36,3 MP – nun mit Sony-Sensoren) wurden mit der D 800-Baureihe ab 2012 gebaut – und damit für 2-3 Jahre wieder gegenüber Canon führend… bis 2015 zur Canon 5Ds/r.

Nikon spiegellose Systemkameras: Erst 2018 bringt Nikon mit der Z-Baureihe (und neuem Z-Bajonett wegen des kürzeren Auflagemaßes) eine spiegellose digitale Systemkamera (im Format 24x36mm) auf den Markt – führt aber die D-SLR-Baureihen (ebenso wie die analoge F6) weiter.

1959 – Yashica Pentamatic – Hersteller: Yashica; Mechanische SLR mit fest eingebautem Pentaprisma und proprietärem Objektiv-Bajonett (nicht das spätere C/Y-Baj.!) Firma wurde 1949 als Kamerahersteller gegründet und war zunächst bekannt für Leica-Kopien und TLR-Kameras.

1968 TL Electro – erste SLR mit vollelektronischer Belichtungssteuerung.

1972 Kooperations-Vertrag mit Zeiss Ikon und F.A.Porsche, woraus ab 1974 die SLR-Baureihe Contax-RTS hervor ging, die Yashica baute. Weiter siehe oben bei Contax RTS! Danach führte Yashica das neue c/y-Bajonett auch bei den eigenen SLR-Modellen ein (ab FX-1).

Yashica wurde 1983 von Kyocera übernommen – die SLR-Fertigung wurde dort 2005 eingestellt.

1958/59 – Minolta SR-2/-1 – Hersteller: Chiyoda Kōgaku Seikō/ab 1962: Minolta Camera Company (gegründet 1928 – aber erst 1962 führt die Firma den Namen Minolta als Firmennamen!) SR-2 ist eine SLR mit fest eingbautem Prisma, Rückschwingspiegel und SR-Bajonett, das für alle non-AF-Kameras bis 1985 kompatibel bleiben wird.

1960 folgt SR-3 mit gekuppeltem Belichtungsmesser, 1965 die SR-7 . Zwischendurch brachte die Firma eine „Minolta ER“ heraus, mit Zentralverschluß, ähnlich der Contaflex II – ohne Nachfolger.

Der Aufstieg zum weltweit mengenmäßig größten SLR-Hersteller in den 70er Jahren begann 1966 mit der SR-T 101 – der ersten SRT mit Offenblenden-Meßtechnik und einem intelligenten Belichtungsmess-System.

Minolta fertigte Objektive (Bezeichnung: Rokkor) in hervorragender Qualität und immer wieder in innovativer Bauweise (z.B. das Zoom Rokkor 40-80mm f2.8 !) – schon seit den frühen 1940er Jahren verfügte Minolta über eine eigene Glasschmelze und führte bereits 1946 als erster Optik-Hersteller in Japan die Beschichtung ein!

1972 wurde eine Kooperation zwischen Minolta und Leitz vereinbart. Aus dieser Zusammenarbeit ging 1976 die Leica R3 hervor (im Wesentlichen auf Basis der Minolta XE).

Außerdem übernahm Leitz mehrere Minolta Objektiv-Designs: 24mm f2.8, Fisheye 16mm f2.8, 35-70mm f3.5 und 70-210mm f4.

1977 folgte die XM-/XD-/XE-/XG-Baureihe mit der sich Minolta (nach der XM!) konsequent wieder dem Amateur-Segment zuwendete.

Minolta X-700 bedeutete 1981 den Schritt zu elektronisch kontrolliertem Verschluss mit TTL-Belichtungskontrolle durch das vom Film reflektierte Licht  (auch TTL-Blitz ermöglichend) – was Olympus schon mit der OM-2N früher eingeführt hatte. Wie üblich folgten viele Modellvarianten (X-300, 300S, 300N, 370, 500, 570 and 600. The X-500) – besonders preiswertere. In dieser Zeit ließ Minolta erstmals billige Modelle in China herstellen.

1985 brachte Minolta die erste Autofocus-SLR mit Gehäuse-gestütztem AF-Antrieb in Großserie auf den Markt, die Minolta 7000/9000 AF – und soll in der Folge wieder einige Jahre der mengenmäßig größte SLR-Hersteller der Welt gewesen sein.

Mit den folgendenAF-SLR Baureihen Dynax 7/9 xi (1992) und 7/9/9Ti und 800si zog immer mehr Automatisierung und elektronische Steuerung in die Kameras ein.

2003 fusionierte Minolta mit Konica zu Konica Minolta.

Die großen Erfolge der frühen AF-SLR-Zeit hatten bei Minolta allerdings auch eine Kehrseite: Honeywell klagte gegen Minolta wegen Patentverletzung durch das Minolta-AF-System. Nach Jahren gewann Honeywell den Prozess und  Minolta mußte 1991 über 127 Mio. Dollar Lizenzen nachzahlen. Das war vor allem deshalb tragisch, weil Minolta glaubte, durch ein von Leica erworbenes AF-Patent aus den 70er Jahren abgesichert zu sein. (Leica meinte, dass ein Leica-Fotograf sowas nicht brauche…. und hat konsequent nie eine AF-SLR gebaut!) Der Lizenz-Fall hat Minolta massiv finanziell geschwächt. Dies wurde durch eine weiteren Fehlentscheidung verschärft: Minolta investierte Massiv in das APS-System (im Vertrauen auf Kodaks Macht, das durchzusetzen) anstatt in Digitale Fotografie (die dann ihrerseits dazu beitrug, das APS sich nicht mehr durchsetzen konnte!).

2004 und 2005 kamen die beiden ersten D-SLR-Kameras von Minolta auf den Markt: Konica Minolta Dynax 7D und 5D. (6 MP) Die Bildqualität der 7D war ausgezeichnet. Nur die Fujifilm Finepix S3 Pro war (CCD – auch mit 6 MP) damals nach meiner Erfahrung noch etwas besser, sie hatte allerdings zwei Photodioden je Pixel.

2006 stellte Konica Minolta die Kameraproduktion ein – die digitale Fotosparte wurde an SONY verkauft. Einige der ausgezeichneten Minolta AF-Optiken (A-Mount, der von Sony für D-SLR übernommen wurde) wurden von Sony optisch unverändert  bis weit in die 2010er Jahre Geliefert.

1962/63 – Fujicarex II – Hersteller: Fuji Foto Optical; Festes Prisma, Rückschwingspiegel öund Zentralverschluss (Copal) – mit wechselbarem Objektiv-Vorderteil. Ähnlich Contaflex III.

Firma wurde 1934 gegründet für Filmmaterial. 2006 umbenannt in „Fujifilm„.

1971 folgte die Fujica ST701 mit Wechselobjektiv-Anschluss M42, festem Pentaprisma und weltweit erstmals mit der schnellen Si-Photo-Diode.

1979 Umstellung auf X-Mount-Bajonett-Anschluß – STX-1. „Fujinon“ baute ein renommiertes Zuliefergeschäft hochwertiger Foto-Objektive an andere Kamerahersteller auf (z.B. Hasselblad).

In 2000 bis 2006 trat Fuji mit der Marke „FinePix“ mit einigen sehr hochwertigen D-SLR-Kameras auf, deren Kameragehäuse auf Nikon-Modellen (N80/F80) basierten: S1 Pro, S2 Pro, S3 Pro und S5 Pro, die auf speziellen Sensoren mit bis zu 12,34 MP basierten. Ich besaß die S3 Pro und sie hatte meiner Meinung nach die beste Farbwiedergabe aller D-SLR jener Periode.

Nachhaltig große Bedeutung erlangt Fujifilm erst wieder seit den 2010er Jahren mit spiegellosen Systemkameras (APS-C und Mittelformat-Sensoren).

1963 – Olympus Pen F/FT – Hersteller: Olympus Optical; Konstrukteur Yoshihisa MAITANI (1933 – 2009). Pen F war eine  Halbformat-SLR mit fest eingebautem Porro-Prisma und Rotationsverschluß und entwickelte sich weltweit zum „coolen“ Statussymbol für die jüngere Generation – klein und sehr chic aber eine Zehnerpotenz billiger als die Leica – ich habe auch mal davon geträumt…

Olympus – 1919 zur Herstellung von Mikroskopen und Thermometern gegründet trägt erst seit 1949 den Namen „Olympus“ (Achtung: Globalisierung! – vorher trug die Firma den Namen des japanischen Götterberges „Takachiho“…) – ab 1963 ist es in Europa aktiv (Hamburg).

1972 wurde die ebenfalls von Maitani entwickelte professionelle Systemkamera OM1 vorgestellt. Maitani hatte jahrelang systematische Konstruktionsanalysen durchgeführt zur Realisierung einer möglichst kompakten SLR – was ihm mit großem Erfolg gelang. In dem Interview in dem folgenden Link (am Ende des Textes) beschreibt Maitani sehr eindrucksvoll seine Entwicklungs-Philosophie:

http://olympus.dementix.org/eSIF/om-sif/concepts.htm.

Die OM-2N war 1977 die erste SLR-Kamera, in der die Belichtung direkt über das von der Filmoberfläche reflektierte Licht geregelt wurde – was bei Minolta erst 1981 mit der X-700 genutzt wurde.

Es folgten OM-2 ab 1975, OM-100 ab 1978, OM-3 und OM-4 ab 1983, OM-4Ti ab 1987, OM-3TI ab 1995. Das OM-System wurde 2002 eingestellt. Zwischendurch hatte Olympus versucht eine Autofukus-SLR zu etablieren (OM-707) – aber zu halbherzig: das Projekt floppte, sodaß die analoge SLR von Olympus 2003 verschwand.

Die Objektive der OM-Baureihe waren sehr kompakt, lichtstark und hatten sehr gute Qualität – viele Objektive gewannen Kult-Status, z.B. das legendäre 180mm f2.0 („The holy Grail“).

Schließlich startete Olympus 2003 (mit Kodak, Leica und Panasonic zusammen) eine digitale SLR-Baureihe für das FourThirds-Sensoren-Format (Bildkreis-Durchmesser 21,63mm): die digitale E-System: E-1 (5 MP), E-3 (8 MP), E-5 (12 MP). Natürlich dann mit Autofokus!

Diese letzten echten SLR-Kameras von Olympus hatten höchstes professionelles Niveau.

Ab 2009 stellte Olympus auf das Micro-FourThirds-System um, das waren keine SLR mehr, sondern spiegellose Systemkameras mit dem gleichen Bildkreis und Sensorformat und kürzerem Auflagemaß.

1964 – Seagul Reflex DF – Hersteller: Shanghai Camera Factory, China. Mechanische, manuell fokussierte SLR als Nachbau von Minolta SLR mit Minolta SR-Bajonett. Keine eigenen Innovationen. In einem Wikipedia-Artikel werden 25 verschiedene Modelle aufgeführt – eines führ sogar den offiziellen Minolta Typ (-102b) im Namen. Stückzahlen und Stand heute sind mir nicht bekannt – 1999 sollen aber 600.000 Kameras (aller Arten – nicht nur SLR) produziert worden sein – insgesamt seit Firmengründung 1958 über 20 Millionen.

1965 – Konica Auto S -Hersteller: Konishiroku Photo Industry Co. (ab 1987 Konica Corporation – 2003 Fusion mit Minolta zur „Konica Minolta“ ). Konica ist quasi die „japanische Kodak“ – 1873 zur Herstellung von Kinofilm gegründet. Seit 1903 Fotopapier, seit 1929 fotografische Filme. Kameraherstellung seit 1882, seit 1948 35mm-Kameras.

1968 – erste SLR mit TTL-Belichtungsautomatik (Konica Autoreflex 35mm FTA) und 1975 erste SLR mit eingebautem Motor.

(Weiterhin bemerkenswert: 1992 brachte Konica entgegen dem allgemeinen Trend wieder eine Meßsucherkamera heraus: die Hexar war damals die leiseste Kleinbildkamera – gefolgt 2003 von der Hexar RF, meiner Meinung nach, die beste Leica-M, die je gebaut wurde!)

1970 – RICOH TLS-401 – Hersteller: RICOH. Eine SLR mit fest eingebautem Prisma und M42-Objektiv-Anschluß nach dem Stand der damaligen Technik.

Ab 1979 wurde die KR-, danach die XR-Familie mit Pentax K-Bajonett eingeführt – 1995 kam das letzte Modell auf den Markt. Ricoh hatte 1938 mit Kleinbild-Kameras angefangen (M39), übernahm 2011 aber schließlich Pentax! – nach dem Muster: die kaufmännisch erfolgreiche Firma übernimmt den jahrzehntelangen Innovator…

Eine kurze Schlußbemerkung:

Wenn man sich die Gesamt-Entwicklung der SLR-Technik bis heute (2020) ansieht, so muss man feststellen, dass letzlich nur die Unternehmen nachhaltig zu dauerhafter Größe kommen konnten, die SOWOHL Kameras ALS AUCH Objektive herstellten. (Siehe: Nikon, Canon, Sony in Nachfolge Minolta, Fujifilm, Olympus, Pentax.)

Fotosauriers optisches Testverfahren für Objektive mit IMATEST

Ich messe die optische Qualität von Objektiven mit Hilfe des IMATEST-Verfahrens. (Imatest ist eine 2004 in Boulder, Colorado, USA gegründete Firma.)

Das durch das Objektiv mit der Digitalkamera aufgenommene Testbild (Target) stellt eine Datei dar (Bild-Daten + Exif-Datei). Diese Datei wird mittels einer (kostenpflichtigen) IMATEST-Software analysiert (IMATEST-Studio oder IMATEST-Master). Die Analyse liefert – abhängig von der Art des Targets – eine ganze Reihe von optischen Prüfergebnissen, die letztlich alle auf der MTF-Kurve basieren.

Das Basis-Verfahren wird Imatest SFR genannt (Imatest spatial frequency response), was man allgemein als „Modulation Transfer Function“ (MTF) bezeichnet. Analysiert wird eine Hell-Dunkel-Kante, die Imatest als „clean, sharp, straight black-to-white or dark-to-light edge“. Die hellen und dunklen Flächen, die an die Hell-Dunkel-Kante angrenzen müssen sehr gleichmäßigen (konstanten) Helligkeitsverlauf besitzen. Der Analyse-Algorithmus basiert auf dem Matlab-Programm „sfrmat“. Im Prinzip ließe sich dafür jede beliebige scharfe Kante verwenden. Imatest empfiehlt und verwendet eine Kante unter 5.71° Neigung und einem Kontrast von 4:1, das dies die am besten reproduzierbaren Ergebnisse liefert:

SlantedEdge
Analysefelder an einer als „slanted-edge“ bezeichneten Hell-Dunkel-Kante, Neigung 5.71°, Kontrast 4:1     horizontal (links)- vertikal (rechts)

Es versteht sich, dass die grafische Qualität dieses Testbildes/Test-Charts eine wichtige Rolle bezüglich der Reproduzierbarkeit von damit erzielten Prüfergebnissen spielt. Deshalb habe ich mir die große Test-Chart „SFRplus 5×9“ von Imatest aus USA liefern lassen (sie kostet derzeit $430,00). Der Abstand zwischen dem oberen und unteren schwarzen Balken beträgt 783 mm – die Gesamtbreite ca. 1.600 mm:

SFRplus-Test-Chart5x9

Die SFR-Messung erfolgt hier, wie vorstehend schon beschrieben, nicht etwa an den kleinen radialen Rosetten, die in die Quadrate eingebettet sind, sondern an den horizontalen und vertikalen Kanten der um 5.71° gedrehten grauen Quadrate.

Das Testbild kommt als eingerollter Druck und muss noch auf eine perfekt ebene, stabile, dauerhafte Unterlage aufgeklebt werden. Das habe ich von einem professionellen Laminier-Betrieb auf dem stabilsten Sandwich-Trägermaterial erledigen lassen ((Blasen/Falten würden das Testbild unbrauchbar machen!). Dazu habe ich auf der Rückseite zwei Al-Profile zur Versteifung und Wandmontage aufkleben lassen. Die genau vertikale und verdrehungsfreie Wandmontag habe ich mit einem Kreuzlaser unterstützt vorgenommen.

Eine typische Aufnahme dieses Testbildes durch das zu untersuchende Objektiv mit der Digitalkamera sollte so aussehen:

Aufnahe-IMATEST-korrekt

IMATEST stellt folgende Check-Liste für die Arbeit mit der Test-Chart auf:

IMATEST - hohe Abforderungen
„Checklist“ für das reproduzierbare Arbeiten mit dem Imatest-Verfahren

Vieles ist da zu beachten – und darüberhinaus entdeckt man in der praktischen Ausführung noch eine Menge Details, die einem eine sehr hohe Konzentration abfordern… zum Beispiel die Ausleuchtung:

IMATEST-Beleuchtung

LED-Lampen! … aber bitte nicht von Akkus gespeist – da ändert sich gegen Ende der Akku-Laufzeit die Beleuchtungsstärke. Unbeding Beleuchtungsintensität messen!

Bezüglich des Arbeitsabstandes als Funktion der Pixel-Anzahl der Kamera gilt, dass die große SFRplus TestChart für die 60 MP der Sony A7Rm4, die ich einsetze, gerade ausreichend ist.

Es kann im Prinzip jeder machen, der eine hohe Motivation dazu hat – aber es ist von äußerst großem Nutzen, wenn man viel von Optik und Physik versteht … damit man am Ende nicht Hausnummern misst! 😉

Ich werde jetzt nicht mehr in jedes Detail gehen. Natürlich ist die nächste wirklich wichtige Hürde, die man nehmen muss, die Ausrichtung der Kamera/Objektiv-Achse zur Mitte und zur Ebene des Testbildes. (Ich arbeite da mit zwei Kreuz-Lasern.)

Wenn man schließlich alles im Griff hat und man hat korrekte Aufnahme-Dateien des Testbildes erstellt, dann ist der Rest mit der Imatest-Software tatsächlich eine Knopfdruck-Aktion: mit dem oben dargestellten Chart SFRplus definiert das Programm automatisch 46 „ROI“ (region of interest) – also kleine Ausschnitte der „slanted-edges“ wie oben beschrieben – mal horizontal mal vertikal orientiert – und analysiert dann binnen weniger Sekunden die Auflösung an diesen 46 Stellen, die MTF-Kurve, ein (vorher festgelegtes) Kantenprofil und die Auflösungskurve über dem Bildkreisradius (getrennt nach sagittaler und meridionaler Orientierung.

Kantenprofil+MTF-Kurve
Beispiel einer Kantenprofil/MTF-Auswertung an einer einzelnen ROI-Position (14% rechts vom Bildzentrum)

Das wird in Graphen oder auch in Tabellenform ausgelesen – bzw. als Datei, mit der man weitere programmierte Auswertungen und Darstellungen durchführen könnte.

Angén90f2,5_f11_Multi-ROI_N
MTF30-Auflösungswerte in Linienpaaren je Bildhöhe (60 MP-Sensor!) in den ROI-Positionen mit überwiegend sagittaler Orientierung. Man erkennt, dass die Methode bis sehr weit in die äußerenen Bildecken hinein funktioniert!

Auflösungs-Daten kann man für mehrere MTF-Kontrast-Werte (MTF10, MTF20, MTF30, MTF50) ausgeben lassen. Dann wird neben den Einzelwerten in der obigen grafischen Darstllung auch der gewichtete Mittelwert der (z.B.) MTF30-Auflösung über das GESAMTE Bildfeld, der Mittelwert für die MITTE, der Mittelwert für den Übergangsbereich und der Mitttelwert für die Ecken ausgegeben:

MTF30-Mittelwerte
Gesamt- (gewichtet!) und Zonen-Mittelwerte aus den Einzelwerten der darüber dargestellten Messung – die Mittelwerte enthalten ALLE sagittalen und meridionalen Meßergebnisse.

Außer den Auflösungs- und MTF-Daten werden Chromatische Aberration und Verzeichnung ermittelt.

Ich messe stets bei ALLEN Blenden jedes Objektives und definiere als „optimale Blende“ der jeweiligen Optik die mit dem höchsten (gewichteten) Gesamt-Mittelwert der Auflösung über das gesamte Bildfeld. Es kann dabei sein, dass an diesem Blendenwert die maximale Auflösung in der Bildmitte schon überschritten ist, aber die Rand/Ecken-Auflösung noch deutlich steigt.

Zur Charakterisierung einer Optik habe ich mich entschieden, folgende Auflösungswerte anzugeben – und zwar einmal bei Offenblende, einmal bei optimaler Blende:

  • Mittelwert gesamte Bildfläche (gewichtet mit 1/0.75/0.25)
  • Mittelwert der Meßpunkte in Bildmitte (bis 30% Bildradius)
  • Mittelwert der Meßpunkte Rand/Ecken (außerhalb 70& Bildradius)
  • MTF-Kurve (über der Frequenz aufgetragen)
  • Kurve der Auflösung über dem Bildradius (Mitte=0 …. Ecke=100)

Außerdem Verzeichnung und CA. In meinen Vergleichstabellen kann das dann so aussehen:

Tabellen-Beispiel Auflösung

Gelegentlich kann die 3D-Darstellung der Auflösung über der Bildfläche noch zu weiteren Erkenntnissen beitragen. Hier ein Beispiel (dasselbe Objektiv, wie iden anderen Beispielen weiter oben und unten!):

Angén90f11_Merid+Sagit_3D
3D-Darstellung der meridionalen (links) und sagittalen (rechts) MTF50-Auflösungswerte 

Alle Messungen erfolgen an derselben Digitalkamera Sony A7Rm4 mit 60 MP-Sensor und E-Mount-Objektivanschluß unter stets gleicher Einstellung von Auflösung und kamerainterem RAW-Converter (z.B. Schärfung auf Wert „0“).

Soviel zur konkreten Messung der Qualität der optischen Systeme. Und damit wäre für fabrikneue Objektive an einer Kamera, für die die Optik hergestellt wurd, eigentlich alles gesagt.

Bei meinen Untersuchungen treten allerdings folgende Einflüsse auf:

a) Ich nehme hier die Messungen an historischen Objektiven vor, die bis zu 100 Jahre alt sein können. Die meisten davon sind in einem normalen Abnutzungs- und Alterungs-Zustand, wobei ich festhalten möchte, dass nur Objektive in ein Vergleichsprogramm aufgenommen werden, die keine starken Ablagerungen, Beläge und Separationen an Linsenflächen zeigen, die schon als „Schleier“ in Erscheinung treten. Staubpartikel im Inneren und mäßige Putzspuren sind nicht auszuschließen – aber alle geprüften Optiken erscheinen – auch mit einer LED-Punktlampe durchleuchtet – weitgehend klar! Welchen Einfluss die Alterung und „normale“ Verschmutzung auf die Messergebnisse haben kann ich nicht klären – ich schlage vor, dass man die Ergebnisse pragmatisch eben als das ansieht, was sie sind: nämlich die Eigenschaften (unterschiedlich) gealterter historischer optischer Geräte! Die Ergebnisse liefern allenfalls einen orientierenden Eindruck vom Auslegungs- und Neu-Zustand dieser Objektive. Da die Ergebnisse in vielen Fällen überraschend gut ausfallen, darf man die Dinge auch gerne so bestaunen, wie sie jetzt erscheinen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die Optiken durch die Alterung BESSER geworden sind…

b) Um die Objektive der unterschiedlichsten historischen Kamerasysteme (wie Exakta, Alpa, M42,…) an die Kamera mit E-Mount anzuschließen, wird ein ADAPTER benötigt. Damit tritt ein rein mechanisch-geometrisches Problem im Versuchsaufbau auf: nach meinen bisherigen Erfahrungen ist genau das die zweitgrößte Fehlerquelle bei den Versuchen, über die ich berichte. Weil der Adapter nun ein Bestandteil der Fassung des Objektives ist, verschlechtern sich oft Zentrierung und Ausrichtung der optischen Achse relativ zum digitalen Bildsensor.

Die IMATEST-Software liefert bezüglich dieses Problemes allerdings eine wichtige Hilfestellung:

Angén90f2,5_f11_Geometry
Analyse der Geometrie der Imatest-Bilddatei: in der untersten Zeile stehen die „Convergence angles“ in horizontaler und Vertikaler Richtung: wenn die Zahlenwerte hier „Null“ sind, ist die Ebene des Testbildes relativ zur Sensor-Ebene ideal parallel ausgerichtet (d.h. die Linien des Rasters schneiden sich im „Unendlichen“. Die Bildmitten müssen sich dann nicht exakt decken (s. dritte Zeile von unten: central square pixel shift).

Man kann dieses Analyse-Ergebnis benutzen, um den Meßaufbau mit dem jeweiligen Adapter  optimal auszurichten. Ich habe mir derzeit eine Toleranz von <0.1 Grad bei den Konvergenz-Winkeln gesetzt.

c) Die größte  – und leider nicht sicher abzuklärende – Fehlerquelle bei diesen Messungen an historischen Objektiven, die für die Benutzung mit „Analog-Film“ konstruiert wurden, ist die unbekannte Wechselwirkung zwischen Optik und Digital-Sensor („Digital-Tauglichkeit“).

Hier sehe ich aufgrund meiner Erfahrungen drei Haupt-Probleme:

c1) Mögliche Reflexionen zwischen einer oder mehreren Linsenflächen und der Sensoroberfläche. Das kann sich zonenweise als Kontrastminderung auswirken oder auch das Bild ganz gravierend stören. In meinem Blog-Beitrag über das Ernostar 100mm f2.0 habe ich eine solche Erscheinung beschrieben (mit dem 42 MP Sony-Sensor).

Ernostar (die 2.) – Streulicht-Problem auf Anolog-Film?

Dort bildete sich beim Abblenden über f5.6 ein großer, milchig aufgehellter Bereich in der Bildmitte. Am 24 MP-APSC-Sensor in der Fujifilm-X-T2 (bzw. X-Pro2) trat dieselbe Erscheinung nicht auf. Dabei habe ich auch untersucht, dass diese Erscheinung auf Analog-Film bei diesem Ernostar-Objektiv nicht auftrat.

c2) Anti-Aliasing-Filter als zusätzliche optische Elemente können einen nennenswerten Einfluß auf die Bildqualität nehmen. Das ist sehr anschaulich im Artikel von H.H.Nasse unter lenspire.zeiss.com beschrieben.

https://lenspire.zeiss.com/photo/app/uploads/2018/11/Nasse_Objektivnamen_Distagon.pdf

Allerdings besitzt die verwendete Sony A7Rm4 kein Anti-Aliasing Filter, sodass ich nicht davon ausgehe, dass es in meinen Untersuchungen diesen Einfluss gibt.

c3) Hintere Schnittweite (Abstand zwischen hinterstem Linsenscheitel und der Film/Sensor-Ebene) und daraus möglicherweise resultierende sehr flache Einfalls-Winkel der Strahlen auf den Sensor. Was der Film verkraftet (und zwangsweise mit starkem Helligkeitsabfall im Außenbereich des Bildes quittiert = starke Vignettierung) bekommt dem Sensor nicht: es kommt zu schlimmsten Einbrüchen der Auflösung und Farbübertragung! Auch das ist im Nasse-Artikel sehr anschaulich beschrieben!

Diese Erscheinung gilt grundsätzlich für alle (symmetrischen) Weitwinkelobjektive der Brennweite <35mm an Digitalsensoren, also meistens für die Weitwinkelobjektive mit Bildwinkel >70°, die für analoge Meßsucherkameras gebaut wurden. Für Retrofokus-Objektive gilt das nicht.

Ich rechne aber damit, dass es auch noch andere, unbekannte Wechselwirkungen zwischen Analog-Objektiv-Strahlengang und Digitalsensor gibt. Deshalb ist für mich die wichtigste Voraussetzung für die VERGLEICHBARKEIT von Messergebnissen mittels Digitalkamera, dass immer dieselbe Kamera dafür verwendet wird – mit immer gleichen Einstellungen des RAW-Converters.

Copyright Fotosaurier, Herbert Börger, Berlin, 07. März 2020