Ernostar (die 2.) – Streulicht-Problem auf Anolog-Film?

Die Ernostar-Exkursion geht weiter….

Ich hatte zuletzt die Situation herausgearbeitet, dass am 42 MP-Sensor der Sony A7RII bei zunehmander Abblendung (deutlich über Bl.4,5) ein zentraler Streulichtfleck im Mittelbereich des Bildes entsteht, der zuhnehmend dort den Kontrast degradiert.

Am 24 MP-Sensor der Fujifilm X-Pro2 tritt diese Erscheinung nicht auf. Allerdings sind die Bilder nie direkt vergleichbar, da die Fuji nur APS-C-Format abdeckt.

Die Vermutung liegt nahe, dass der Streulicht-Fehler auf einer speziellen Wechselwirkung zwischen der Oberfläche des Sony-Sensors und dem Ernostar beruht und nicht eine reale Eigenschaft des Ernostar selbst ist.

Aber ich hätte es gerne genau gewußt!

Also muss der Fotosaurier nach über einem Jahrzehnt mal wieder zur Analog-Fotografie zurückkehren…. Schnell gesagt – nicht so leicht getan!

Denn: wie fotografiert man nun mit einer Optik mit M39-Gewinde und ohne Leica-spezifische Fokussiervorrichtungen des Objektivs auf Analog-Film? Und es geht ja nicht darum mal eben ein Bild zu machen: es sollten sehr präzise Vergleichsbilder gemacht werden…

Schritt 1: Eine Analog-Kamera dafür aussuchen!

1A) Da hatte ich eigentlich zunächst keine große Auswahl: die einzige Entfernungsmesser-Kamera mit M39-Gewinde, die ich zur Zeit besitze ist die Canon 7. Und welcher Film? Da wählte ich spontan meinen lange heißgeliebten Velvia 100.

Im folgenden Bild sieht man die Canon 7 – allerdings mit dem grandiosen Canon 85mm f/1.8, mit dem die Verglaichsaufnahmen auf dem selben Film gemacht werden sollten.

Canon-RF_7_85f1,8 Bild 1: Canon 7 (RF) mit dem legendären Canon 85mm f1.8

Schritt 2: Fokussieren!

Im ersten Ernostar Blog-Beitrag hatte ich bereits im Zusammenhang mit der Fokussierproblematik an der Fujifilm X-Pro2 über diese Idee berichtet: Objektiv an der Sony A7RII fokussieren, dann die Fokussierposition fixieren – umsetzen auf die andere Kamera: Foto. Zugegebenermaßen kein Verfahren für eine spontane Street-Fotografie-Situation – aber für Testaufnahmen machbar. Und an der Fuji funktionierte das ja auch schon ganz gut. In der Folge – und mit ein bisschen Übung – sollte sich das dann auch als probates Verfahren erweisen… schließlich gelang das tatsächlich absolut punkt-genau!

Schritt 3: Analog-Film prozessieren!

3A) Hier bin ich im ersten Anlauf gescheitert: den belichteten Velvia 100 gab ich in einem Drogeriemarkt zur Entwicklung ab…. was zurück kam, war eine Dia-Emulsion, die erstens total verdreckt war und zweitens so verquollen und verschwurbelt war, dass die Aufnahmen nur ungefähr wieder zu erkennen waren! No way! Aber wahrscheinlich selbst schuld… ich hätte wohl vorher jemanden fragen sollen, wo man heute ein Fotolabor seines Vertrauens finden kann….

Nun hatte ich schon ziemlich viel Zeit investiert und wollte nicht noch weiter eine Odyssee durch ein Neben-Thema der ganzen Geschichte durchlaufen.Ich erinnerte mich daran, weshalb ich 3/4 meines Lebens mit der Selbst-Entwicklung von Schwarz-Weiß-Filmen verbracht habe: das Fotolabor seines Vertrauens ist man SEBST! Also kurzfristig alles wieder beschafft (Mit On-Line-Einkauf war binnen 2 Tagen alles da!!!). Am dritten Tag hing der nach 11 Jahren der erste wieder selbst entwickelte SW-Film zum Trocknen da!

3B) Um mit der Belichtungszeit über einen breite Blendenbereich Reserve zu haben, wählte ich dieses Mal den geliebten alten 400er S/W-Film TRI-X-Pan für das Vorhaben aus. Keine Experimente: Entwicklung mit D76 1:2. Das war wie mit dem Radfahren: man verlernt es nicht! Für den angestrebten Zweck (Untersuchung der Streulicht-Situation in der Bildmitte) ist der Wechsel zum Schwarzweiß-Film kein Problem: Licht ist Licht!

1B) Vorher ging es aber zurück auf Los: plötzlich fiel mir ein, dass ich ja den so minimalistisch anmutenden Adapter-Ring „LTM (M39) auf LeicaM“ besaß. Damit kann ich M39-Objektive an eine ziemlich moderne Kamera – die Konica Hexar mit LeicaM-Bajonett anschließen… und noch das Leica Apo-Summicron 90f2,0 ASPH dazu als Referenz verwenden. Die Konica Hexar ist der Grund, weshalb ich keine Leica-M-Kamera besitze. Es ist eine Leica-M aber mit 1/4000 sec, Motor-Filmtransport und TTL-Belichtungsmessung. Die hat mir nicht nur bei Bl. 2,0 und 2,8 das Graufilter erspart, sondern auch noch den ganzen Film perfekt belichtet…

Hexar-RF+APO-Sum90
Bild 2: Konica Hexar – hier mit Leica M Apo-Summicron 90mm f/2 ASPH

Die Fokussierung ging genau wie vorher beschrieben über die Sony A7RII – nur inzwischen mit viel mehr Übung.

Aber vor die Digital-Datei von einem Analog-Film haben die Götter nun mal den Scanner gesetzt!

Schritt 4. Digital-Scan des Anolog-Filmes mit Reflecta RPS 10M und SilverFast 8

Nach einigen Stunden Einarbeitung funktioniert die Zusammenarbeit mit dem hochauflösenden Reflecta-Scanner RPS 10M gut. Nur die mitgelieferte Scansoftware läuft irgendwie sehr „hakelig“ – könnte auch an mir gelegen haben. Ich bin der Sache nicht völlig auf den Grund gegangen.

Also habe ich noch eine weitere Runde gedreht und auch noch in die SilverFast-Software investiert. Da ging die Sache nach kurzer Einarbeitung dann wie geschmiert – zumal das Programm Voreinstellungen für Filme wie Tri-X besitzt! Wichtig ist für präzise pixelgenaue Vergleichs-Scans, dass man Optimierungsmodule wie Schärfen und Staubbeseitigung völlig ausschaltet!

Schritt 5. Und damit liegt nun der Anolog-Film-Gegencheck auf SW-Film vor:

5A) Belichtungsreihe mit dem Ernostar 100mm f/2,0:

Tri-X_Ernostar100f2_f2,0 (2) Bild 3: Ernostar 100 f/2,0 mit Bl. 2,0 auf Tri-X Tri-X_Ernostar100f2_f4,5 (2)

Bild 4: Ernostar 100 f/2,0 mit Bl. 4,5 auf Tri-X

Tri-X_Ernostar100f2_f13 Bild 5: Ernostar 100 f/2,0 mit Bl. 13,0 auf Tri-X Ich erkenne auf diesen Bildern keine Anzeichen von Streulicht-Halo oder Kontrastminderung in der Bildmitte! Was zu beweisen war: Streulichtreflexe zwischen Sensoroberfläche und Linsenflächen des Ernostar (ohne Vergütung!) sind die Ursache für den effekt am Sony-Senor der A7RII. Da wir einmal dabei sind, füge ich die unter identischen Bedingen auf demselben Tri-X-Film belichteten und entwickelten Aufnahmen mit dem Leica Apo-Summicron-M 90mmf2.0 ASPH

Tri-X_ApoSumAsph90f2_f5,6

Bild 6: Leica Apo-Summicron-M 90mmf2.0 ASPH bei Bl. 5.6 an der Konca Hexar RF auf Tri-X Pan (vergessen vorher auf dem Film Staub abzublasen)

und mit dem Kult-M39-Objektiv Canon 85mm f1.8 hinzu.

Tri-X_Crf85f1,8_f8korrGrau

Bild 7: Canon RF (M39) 85mm f1,8 bei Bl. 8 an der Konca Hexar RF auf Tri-X Pan

Qualitätsvergleich der drei Objektive auf Analog-Film:

Ich habe die Bildausschnitte der drei Brennweiten 100mm, 90mm und 85 mm angeglichen, damit die Übersichtsbilder hier gleich erscheinen. Geht man allerdings auf die volle Vergrößerung, ist der Effekt der unterschiedlichen Brennweiten wieder sichtbar.

Ich hatte nicht erwartet, bei Verwendung des Tri-X ISO400 (belichtet wie ISO320) einen nenneswerten Unterschied in der Bildqualität in der Bildmitte zu finden, da das Korn dies vermutlich verhindern dürfte, so fein aufzulösen. Erwartet hatte ich einen deutlich höheren Bildkontrast mit dem Leica Apo…

Die Tri-X-Scans haben eine Auflösung, die 25 MP bei einer Kamera entsprechen würden. Ich war jetzt aber wieder verblüfft über die Kantenschärfe der Bilder auf den relativ grobkörnigen Film… phänomenal!

Zu der gewählten Aufnahmeszene „Siedlung am Hang“: diese hat für mich den Vorteil, dass durch die enge Tiefenstaffelung der Szene ein Fokussierfehler leicht dadurch zu entdecken ist, dass nicht der Bereich, auf den ich scharf stellen will (die Spitze des Dachfirstes mit dem flachen Neigungswinkel etwa in der unteren Bildmitte) sondern ein Bereich davor oder dahinter… und es gibt auch in der geplanten Schärfe-Ebene Elemente nahe dem Bildrand oder sogar nahe der Bildecke.

Klar, wie zu erwarten, dass das Ernostar von 1922 am Rand und in der Ecke mit den beiden „jüngeren“ Objektiven nicht mit kommt! Hervorragend, wie sich das Canon-Objektiv von 1961 am Rand schlägt!

Verblüffenderweise ist hier allerdings in der Bildmitte das Ernostar bei der Auflösung leicht im Vorteil – auch gegenüber dem doch schon sehr modernen Apo-Summicron 90mm f2.0 ASPH von ca. 1990. Frank Mechelhoff hat ja in einem seiner Artikel darauf hingewiesen dass dieses Objektiv einen sehr ähnlichen Linsenschnitt (5-Linser!) hat wie das Canon RF 85mm f1.8.

Vielleicht entsteht der Eindruck in diesem Vergleich aber nur durch die unterschiedlichen Brennweiten (10% stärkere Vergrößerung mit dem Ernostar…).

Ich werde das baldmöglichst in einem weiteren Bericht mit einem sehr feinkörnigen Film und mit dem hoch-auflösenden Fuji-Sensor für die Bildmitte versuchen zu verifizieren.

Fazit: der Streulicht-Halo in der Bildmitte mit dem Ernostar an der Sony A7RII ist ein Artefakt, das durch die Kombination Objektiv/Sensor entsteht. Zwischen Bl. 2 und 4 hat man aber an der Sony auch eine hervorragende Bildqualität. Randscharfe Bilde erfordern mit dem Ernostar Bl. 8-16. Diese sind mit der Sony im Vollformat nicht brauchbar.

Daher werde ich hier einen anderen Weg beschreiten: das Ernostar „liegt derzeit im OP“ und wird auf einen anderen Kamera-Anschluß umoperiert… mehr dazu in Kürze!

fotosaurier, 07.Februar 2017

(P.S.: … leider nicht „bald“ möglich gewesen: Dem Autor kam ein Umzug von Mittelfranken nach Berlin mit entsprechender „Aklimatisierung“ und eine zweite Hüft-Endoprothese dazwischen … aber nun bald! Der Text ist schon fertig! Berlin, den 3. Okt. 2018 )

4 Gedanken zu „Ernostar (die 2.) – Streulicht-Problem auf Anolog-Film?“

  1. Könnte es sich um eine Lichtreflexion an den Blendenlamellen (des Ernostar) handeln? Das durch die Blendenöffnung eintretende Licht wird vom elektronischen Sensor wohl nicht vollständig absorbiert, sondern vermutlich sogar zu einem erheblichen Teil reflektiert. Wenn dieses Licht dann von innen auf die Lamellen der (bei hohen Blendenwerten ja relativ weit geschlossenen) Blende fällt, wird es von dort wiederum zum Sensor geworfen und vermindert als Streulicht den Kontrast der eigentlichen Abbildung.

    1. Hallo! Ja das kann durchaus auch sein – ich kann nur feststellen: es handelt sich um eine Wechselwirkung zwischen dem optischen System (also Linsenflächen oder Blene) des Ernostar und dem Sensor, also vermutlich streulicht durch Reflexe. An einem Fujifilm-Sensor (der ja auch von sony stammt…) tritt der gleiche Effekt nicht auf!

  2. Ja, es ist schon merkwürdig. – Und als würde uns Erich Salomon aus dem Halbdunkeln und der Ferne der Zeit zuraunen: Liebe Freunde, verschwendet doch keinen Gedanken daran, bei der Ermanox die Blende schließen zu wollen.

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