100 Jahre ERNOSTAR-Objektiv von Ludwig BERTELE

Vor knapp 9 Jahren, 2016, erschien mein Artikel „Die ERNOSTAR-Objektive – Geniestreich eines 23-jährigen?“ als erster Beitrag in diesem Blog. So gesehen geht die Existenz dieses Blogs „fotosaurier.de“ quasi unmittelbar auf das Wirken L. Berteles zurück! Ich bezog mich auf dem Zeitstrahl damals auf das Alter Berteles zum Zeitpunkt der Markteinführung des ERNOSTAR-Objetives (Herbst 1924).

Bild 1: Mein Ernostar 10cm 1:2 aus einer Ermanox-Kamera (die diffusen Punkte in der Frontlinse sind kein Staub, sondern LUFTBLASEN in der grossen, dicken Linse!) – Quelle: fotosaurier

Ich hätte auch schreiben können: „… Geniestreich eines 20-jährigen.“ Denn der am 25.12.1900 geborene, junge Optikrechner hatte seine Ideen für ein lichtstarkes Foto-Objektiv bereits im Oktober 2021 hinterlegt (Prioritätsdatum im GB-Patent !) – während die Ernemann-Patentanmeldung (ohne Erfinder-Nennung) von 1922 datiert. 1923 kamen dann Ermanox-Kamera und das erste ERNOSTAR 10cm f/2.0 auf den Markt. Am 5.10.1925 erschien schließlich eine Publikation von Bertele zu seiner Optik-Innovation „Ernostar 1:1,8 und 1:2,0“ in der „Central-Zeitung für Optik und Mechanik“. Das ist der 100-jährige Zeitpunkt, auf den ich mich hier und heute willkürlich (aber immerhin belegbar) festgelegt habe. Zu diesem Zeitpunkt war bereits eine Vielzahl von Varianten und Modifikationen der Optik entstanden, geprüft und zum Teil auch heraus gebracht worden – z.B. das 85mm 1:1,8 in 1925.

FYI: I sell this lens now – look at this link, if you are interested: https://www.ebay.de/itm/146918733234 .

100+ Jahre Ernostar

Somit wären über diesem Artikel hier auch die Überschriften „104 Jahre Ernostar“ oder „101 Jahre Ernostar“ gerechtfertigt … wenn ich den Zeitpunkt der ersten patentrechtlichen Beurkundung oder der Markteinführung gewählt hätte.

Firma Ernemann war Ende 1925 immerhin noch eine bedeutende selbständige Weltfirma für Still-Kameras und Film-Projektoren in Dresden (die Silhouette des turmförmigen Ernemann-Firmengebäudes wurde später als Logo der DDR-PENTACON-Marke gewählt …). Ein höchst innovatives Familienunternehmen.

Bild 2: Der Turm des Ernemann-Gebäudes in Dresden als PENTACON-Logo – nostalgische Erinnerung an das Unternehmen Ernemann – Quelle: fotosaurier

Ein Jahr nach meinem Bertele-Ernostar-Blogbeitrag erschien (2017) ein Buch über Ludwig Bertele als Mensch und sein Wirken als Ingenieur, verfasst von dessen Sohn Erhard Bertele /1/. Dies empfehlenswerte Buch enthebt uns der Aufgabe, die biografischen und beruflichen Aspekte des Ludwig Bertele hier zu vertiefen. Allerdings bleiben trotz der familiären Nähe des Autors zum Protagonisten einige Fragen offen – wie der Autor auch frei bekennt … eben das uralte „Vater und Sohn“-Thema: als der Sohn schließlich erkennt, welcher Gigant sein Vater in seinem Arbeitsbereich war, kann er ihn nicht mehr fragen!

Inzwischen ist darüber hinaus ein extrem detaillierter Artikel über die Ernostar- und Sonnar-Objektive von Marco Kröger im großartigen Blog https://zeissikonveb.de/start/objektive/normalobjektive/sonnar.html /2/ erschienen.

Der umfangreiche Blog-Artikel Maco Krögers erlaubt es, das Wirken dieses Mannes in der geometrischen Optik für die Firmen Ernemann und Zeiss-Ikon detailliert nachzuvollziehen: von den ersten Ernostar-Entwürfen des noch nicht einmal volljährigen Autodidakten über das Sonnar bis zum Biogon. Es ist eine Hymne auf das frühe Schaffen Berteles (14 Jahre bei Zeiss Ikon) – aus meiner Sicht neben Pierre Angénieux eines der beiden dominierenden Genies der Foto- und Film-Optik des 20. Jahrhunderts.

Auf die sehr speziellen Aspekte der Verbindung Ludwig Berteles mit Zeiss Ikon werde ich in einem zweiten Artikel eingehen. Schon 1926 ging Ernemann unternehmerisch in der vom Zeiss-Konzern beherrschten „Zeiss Ikon A.G.“ unter. Die Zeiss Ikon war eine Kartellbildung zur Unzeit: sie zerstörte den Wettbewerb unter deutschen Kameraherstellern zur Zeit des technischen Aufstiegs und der Blüte einer neuen Produktgattung. Was als Spätfolge meines Erachtens zum Untergang dieser Industrie in Deutschland in den 1970er Jahren wesentlich beitrug.

Dem Ernostar-Objektiv in dieser ursprünglichen Form und mit diesem Namen (der von Zeiss später nicht weiter gepflegt wurde …) ist nur eine kurze Lebenszeit am Markt vergönnt gewesen, da es zunächst für Plattenkameras (z.T. noch mit Filmpack) konzipiert war – und dieser Kameratyp mit dem Aufstieg der Kleinbildkamera (Leica zuerst!) nach 1926 zügig vom Markt verschwanden.

Daher sind Objektive mit dem Namen „Ernostar“ selten. Das ursprünglich so benannte und von Bertele erfundene Ernostar-Linsenschema hat aber seine Bedeutung bis heute erhalten und ist immer noch präsent. Den Namen ließ Zeiss wohl bewusst untergehen, weil er an die „alte“ Familienfirma Ernemann erinnerte.

Ludwig Bertele hat seiner Innovations-Freude keine Pause gegönnt und hat schon 1929 – dann als Zeiss-Mitarbeiter – den nächsten „Coup“ gelandet: die Weiterentwicklung des Ernostar zum „Sonnar“. Dieser Markenname wird von Carl Zeiss bis heute sorgfältig gepflegt – egal welches Linsenschema sich dahinter wirklich verbirgt … Dem Nutzer kann das egal sein, wenn das Ergebnis exzellent ist – wie es in diesem Falle zutrifft!

Zum Linsenaufbau, dessen technischen Hintergründen und die Weiterentwicklung zum Sonnar verweise ich noch einmal ausdrücklich auf den Artikel von Marco Kröger (Link s.o.)

Die optischen Eigenschaften des Ernostar 10cm f/2.0 im Analog-Kleinbildformat

Es ist ja bekannt, dass die ERMANOX-Kamera, aus der diese Optik stammt mit dem Negativ-Format 4,5 x 6 cm (Platten/Planfilme) arbeitete, an dem sie eine Normalbrennweite war – noch vor dem Erscheinen der Leica mit 24 x 36 mm.

Da die optische Konstruktion aber quasi die Mutter einer Generation von bedeutenden Ernostar- und Sonnar-Kleinbildobjektiven wurde, halte ich es durchaus für gerechtfertigt, hier die optischen Eigenschaften des Objektivs auf dem Kleinbildformat 24×36 (35 mm-Film) zu betrachten. Hätte Herr Bertele damals die Aufgabe gehabt, das Objektiv für das Kleinbildformat zu berechnen, wäre die Konstruktion im Detail sicher etwas anders ausgefallen – und die Leistung der Optik wohl noch besser!

Vor genau 2 Jahren habe ich in meinem Artikel https://fotosaurier.de/wp-admin/post.php?post=2657&action=edit detailliert beschrieben, wie ich die Verwendung der Imatest-Software auf Analog-Film erschlossen habe.

Hier das Ergebnis der Auflösungsmessung auf Analog-Film Agfa APX100:

Dies ist die Kamera-Objektiv-Konstellation:

Bild 3: Ernostar 10cm 1:2 an der Alpa 10d
center, part way (30-76%), corner (>76%) bei allen Blenden – Quelle: fotosaurier

Das folgende Diagramm zeigt die Auflösung (d.h. den MTF30-Wert!) im Bild-Zentrum (innerhalb 30%, grün), den äußersten Ecken (außerhalb des 75% Bildkreis-Radius, gelb) und der größten Zone des Bildes zwischen Zentrum und Ecke, die bei IMATEST „part way“ genannt wird (graue Linie):

Bild 4: Ernostar- 10cm 1:2, Auflösung auf Analog Film APX100 (entspr. 33 MP)
center, part way (30-76%), corner (>76%) bei allen Blenden – Quelle: fotosaurier

Die blaue Linie zeigt den (konstanten) Wert der „Nyquist Frequenz“ für diese Meßsituation, d.h. die nominelle Auflösung des Scan-Sensors in dem reflecta Film Scanner „RPS 10M“. Der Messwert LP/PH des MTF30-Auflösungswertes bedeutet „Linienpaare je Bildhöhe“ (engl. „picture height=PH“). Die Nyquist Frequenz entspricht der halben Zahl der Pixel in der Bildhöhe (die hier konkret 4518 Pixel betrug).

Der mit 5.000 dpi gescannte Schwarz-Weiß-Film entspricht in der digitalen Auflösung einem Sensor mit 32-34 Megapixeln – hat also linear (je Achse) zwei Drittel der Auflösung des 60 MP-Sony-Sensors in der Sony A7R4.

Man sieht in allen Bildbereichen selbst nach heutigen Maßstäben gute (Offenblende f/2.0 und f/2.8) bis exzellente Auflösungswerte. Nach dem Anstieg auf die höchste Mittenauflösung bei f/4.0 ist die Schärfe im ganzen Bild über alle Blenden weitgehend konstant – mit sehr geringem beugungsbedingtem Schärfe-Abfall oberhalb der Blende 11. Der Wert von ca. 800 LP/PH in den Ecken bei f/2.0 gilt auch in den 1950er und 1960er Jahren noch als normal.

Das folgende Diagramm zeigt den Hell-Dunkel-Übergang (Kantenschärfe) in der Bildmitte des Ernostar bei Blende 2,8:

Bild 5: Kantenschärfe und MTF-Kurve des Ernostar 10cm 1:2 in der Bildmitte – Quelle: fotosaurier

In der Legende des „Edge profile“ ist zu lesen, dass die Pixelgröße, des Scanners 5,08µ beträgt. Die Breite des Übergangs von 10% zu 90% Schwärzung („rise“) lt. Diagramm ist hier 1,47 Pixel, entsprechend 7,5µ. Das entspricht gerade etwa der Dicke der Filmemulsion des APX100-Filmes!

Die untere Kurve ist die MTF-Funktion. Beide Kurven zeigen, dass das Bild sowohl analog als auch digital sehr zurückhaltend geschärft wurde.

Wir müssen uns hier klar machen, dass es sich um ein sechslinsiges Objektiv (4 Glieder – ein Cooke Triplet mit aufgespaltener Frontlinse!) OHNE VERGÜTUNG handelt. In den großen Frontlinsen waren damals damals noch unvermeidlich LUFTBLASEN eingeschlossen! Wir stehen damit direkt vor der Schwelle der großen Erfolgsgeschichte der Kleinbildkamera ab 1926, die von Konstruktionen wie dem Ernostar und seiner Folgeentwicklung Sonnar entscheidend beeinflußt wurde.

Bild 6: Linsenschnitt des Ernostar 1:2 bei Markteinführung – also vermutlich auch mein frühes Exemplar – Quelle: Deutsches Patent 401.274

Folgend stelle ich dem Ergebnis auf Analog-Film die Auflösungsmessungen an vier verschiedenen Digital-Sensoren gegenüber:

Im Vergleich der Kurven sollten Sie sich auf die blaue Referenzlinie (entsprechend der Nyquist Frequenz) konzentrieren, die bei dem Analog-Vergleich der Auflösungsfähigkeit des Sensors im Scanner entspricht. Um den visuellen Eindruck vergleichbar zu erhalten, habe ich immer die gleiche Auflösungs-Spanne auf der y-Achse mit 4.000 LP/PH beibehalten.

a) Sony A7R2 – 42 MP, Nyquist Frequenz 26528 LP/PH (blaue Linie):

Bild 7: Ernostar- 10cm 1:2, an der Sony A7R2 (42 MP)
center, part way (30-76%), corner (>76%) bei allen Blenden – Quelle: fotosaurier

Als ich das Ernostar erwarb (2017) war es mit einem M39-Gewinde versehen und die Sony A7R2 mit 42 MP war meine höchstauflösende Digitalkamera – die sehr spezielle Gegenlichtblende bastelte ich aus einem Yoghurtbecher!

Ab 2019 war ich dann in der Lage Auflösungen mit IMATEST zu messen, hier zunächst mit der 42 MP-Sony A7R2:

Bild 8: Ernostar- 10cm 1:2, Auflösung an der Sony A7R2 (42 MP)
center, part way (30-76%), corner (>76%) bei allen Blenden – Quelle: fotosaurier

Im Zentrum liegt die Auflösung gleichmäßig und konstant ca. 10% über der Auflösung auf Analog-Film. In der Ecke bei Offenblende allerdings nur bei 1/3 des Analog-Wertes! Wir werden sehen, dass dies das größte Problem beim Einsatz des Ernostar (und vieler anderer historischer Objektive!) an Digitalsensoren ist.

b) Sony A7R4 – 60 MP, Nyquist Frequenz 3.168 LP/PH (blaue Linie):

Bild 9: Ernostar- 10cm 1:2, an der Sony A7R4 (60 MP)
center, part way (30-76%), corner (>76%) bei allen Blenden – Quelle: fotosaurier

Das Ernostar wurde 2017 auf ALPA umgerüstet – wie das ablief, beschreibe ich im vorletzten Abschnitt zum Ende dieses Artikel.

Nun die entsprechende Auflösungsmessung an der 60 MP-Sony-Kamera A7R4:

Bild 10: Ernostar- 10cm 1:2, Auflösung an der Sony A7R4 (60 MP)
center, part way (30-76%), corner (>76%) bei allen Blenden – Quelle: fotosaurier

In der Bildmitte erreicht das Ernostar hier tatsächlich die volle Nyquist-Auflösung, obwohl ich alle Schärfungsparameter in der Kamera stets bei „Null“ einstellte. Umso drastischer wirkt der Schärfenabfall zur Ecke! Das ist fast genauso schwach wie bei der A7R2 (ca. 60% des Analog-Wertes) und kommt auch nur sehr langsam bei Abblenden hoch. Ebenfalls sehr drastisch der Abfall oberhalb f/11 – hier sogar auch bei den part way- und corner-Werten.

Dieses Bild – flaue Ecken bei Offenblenden und starker Beugungsabfall oberhalb f/11 ist für viele Objektive an der A7R4 leider typisch. Diese Ergebnisse waren für mich ein starker Antrieb dafür, die IMATEST-Messung auf die Analog-Film-Aufnahmen zu übertragen.

Nach der Messung von über 150 historischen und modernen Objektiven – teilweise auch mit Digitalkameras wie Leica M11, Nikon Z7 II und Fujifilm X-H2 kann ich sagen, dass jede Objektiv-Digitalsensor-Kombination eigene Ergebnisse und Artefakte erzeugt. Eine universelle „Archivierung“ der optischen Performance historischer Optiken mittels eines kommerziell verfügbaren Digitalsensors ist nach diesen Erkenntnissen nicht möglich.

Es gibt allerdings auch einige historische, für analoge Filme gerechnete Optiken, die sich am Digitalsensor gleich gut – oder noch perfekter – verhalten.

Die Übertragung der IMATEST-Methode auf Analog Film ist möglich aber extrem arbeitsintensiv, so dass das nicht in der Breite der vielen historischen Objektive leistbar ist – ich habe das mit meinen Möglichkeiten an einigen Highlights versucht und werde das laufend weiter veröffentlichen.

c) Nikon Z7 II – 45 MP, Nyquist Frequenz 2.752 LP/PH (blaue Linie):

Die Messungen an der Nikon Z7 II habe ich mit einer gemieteten Kamera durchgeführt. Das Ernostar mit ALPA-Bajonett wurde mit einem URTH-Adapter angeschlossen. Hier das Auflösungsergebnis

Bild 11: Ernostar- 10cm 1:2, Auflösung an der Nikon Z7 II (45 MP)
center, part way (30-76%), corner (>76%) bei allen Blenden – Quelle: fotosaurier

Die Nikon Z7 II liegt in den Daten sehr nahe bei der Sony A7R2. Sie hat einen deutlich dünneren Filter-Stack vor dem Sensor und benutzt einen Schärfungsalgorithmus, der den Kontrast bei niedrigen Frequenzen sehr stark (um nicht zu sagen brutal!) erhöht, dafür aber die MTF30 drastisch unterhalb der Nyquist Frequenz hält.

Hier ein Vergleichsbild der Hell-Dunkel-Übergänge mit Ernostar bei f/2.8 an der Sony (links) und der Nikon Z (rechts):

Bild 12: Kantenschärfung und MTF-Funktion des Ernostar bei f/2.8, Sony A7R4 links, Nikon Z rechts – Quelle: fotosaurier

Hier sieht man bei zwei Digitalsensoren , die – lt. Angabe! – beide kein Tiefpassfilter (bzw. Antialiasing-Filter) benutzen, dramatische Unterschiede in den Schärfungs-Algorithmen. So wie die Sony A7R4 gehen alle anderen Digitalkamera-Hersteller, die ich untersucht habe, mit der Schärfung am Hell-Dunkel-Übergang um (auch Leica M11 und alle Fujifilm-Kameras – sowohl X- als auch G-Reihe). Nikon überhöht den Kontrast unter 1.500 LP/PH dramatisch und zwingt den Kontrast gleichzeitig exakt (unabhängig von der Optik!) bei der Nyquist Frequenz in ein enges Minimum (sehr oft bis fast Null!), sodaß die MTF30-Auswertung stets einen MTF30-Wert kleiner als die Nyquist Frequenz ergibt. In manchen Fällen steigt bei höheren Frequenzen der Kontrast wieder über 30% (was Imatest in der Auswertung nicht berücksichtigt). Mir scheint dies eine Art „Software-Anti-Aliasing-Filter“ zu sein. Ich konnte bisher nicht herausfinden, was es für die Bild-Wirkung bedeutet, wenn der Kontrast (MTF) in den Frequenzen zwischen ca. 2.500 und 3.500 so stark gedämpft wird.

In den Ecken wird abgeblendet eine ähnlich hohe Auflösung erreicht wie auf Analog-Film (bei gleich niedrigem Offenblenden-Wert wie an der A7R4).

Die Chromatisch Aberration ist an diesem Sensor der Z7 II gemessen praktisch Null (der dünnste Filtersack aller geprüften Digitalkameras).

Übrigens liegt die Sony A7R2 in der MTF-Kurve näher bei dem Verlauf der Nikon Z7 – aber bei weitem nicht so extrem.

Die Auflösung der Z7 II zeigt außerdem den gleichen dramatischen Absturz der Auflösung bei Abblendung oberhalb Bl.11 wie die A7R4.

Über das eigenartige Schärfungsverhalten der Nikon Z7 II habe ich schon einmal in meinem Artikel https://fotosaurier.de/wp-admin/post.php?post=2632&action=edit in Zusammenhang mit dem Voigtländer Ultron 35mm f/1.7 ausführlich geschrieben

d) Fujifilm X-H2 – 40 MP, APS-C Format (23,4×15,6 mm) mit „Speed Booster ULTRA“ (metabones) Nyquist Frequenz 2.576 LP/PH (blaue Linie):

Bild 13: Ernostar- 10cm 1:2, an der Fujifilm X-H2 (39,8 MP) mit Speed Booster ULTRA (metabones)
center, part way (30-76%), corner (>76%) bei allen Blenden – Quelle: fotosaurier

Wissen Sie, was ein sogenannter „Speed Booster“ ist? Das System kommt – wie eigentlich alles! – aus dem Instrumentenkasten der Astronomie: dort heißt es „Reducer“. Das Linsensystem reduziert die Brennweite der Basisoptik, hinter die es gesetzt wird – in diesem Falle mit dem Faktor ca. 0,7. Bei gleicher geometrischer Öffnung der Basis-Optik bedeutet das gleichzeitig, dass das kombinierte System eine um eine Blende höhere Lichtstärke besitzt – Ernostar 1:2 + Speed Booster haben jetzt bei voller Öffnung die geometrische Blende 1:1,4 !

Was mich aber zum Speed Booster gebracht hat ist der gleichzeitige geometrische Effekt, dass das Bildfeld der Basis-Optik verkleinert wird während der Bildwinkel erhalten bleibt – so dass der volle ursprüngliche Bildwinkel des Objektivs wie im Kleinbildformat nun auf einen APS-Sensor passt! Ohne den „Booster/Reducer“ würde man mit der APS-Kamera nur einen zentralen Bildausschnitt des Ernostar auf dem Sensor erfassen.

Der kritische Zeitgenosse fragt sich natürlich sofort: na toll – aber die optische Qualität? Das ist ja eine erhebliche „Vergewaltigung“ des Strahlenganges!? Spiegelt das Ergebnis noch die Qualität des ursprünglichen Objektivs wider?

Da ich seit vielen Jahren Erfahrungen mit den „Speed Boosters ULTRA“ von metabones habe, kann ich generell sagen, dass das Prinzip tatsächlich überraschend gut funktioniert – allerdings nur mit dieser zweiten Generation der Speed Booster („ULTRA“ genannt und sechs-linsig) – mit anderen Produkten habe ich weniger gute Erfahrungen gemacht.

Der Kontrast der Optiken ist in der Kombination Objektiv + Speed Booster erhöht – was sich auch an den Auflösungskurven bestätigt zeigt:

Bild 14: Ernostar- 10cm 1:2, Auflösung auf Fujifilm X-H2 (40 MP) + „Speed Booster Ultra“ center, part way (30-76%), corner (>76%) bei allen Blenden – Quelle: fotosaurier

Die Kontrasterhöhung zeigt sich nicht nur in der Bildmitte (grüne Linie) sondern auch deutlich in den Ecken (gelb), wo diese Kombination beim Abblenden wesentlich höhere Auflösungswerte erzielt als an der Sony A7R4 (trotz der geringeren Pixelzahl von 40 MP).

Die Chromatisch Aberration ist mit dem Speed Booster an der X-H2 sehr gering und nur etwa halb so groß (0,2 Pixel) wie an den Sony-Digitalkameras (0,5 Pixel). Das ist ein weiterer Hinweis auf die ausgezeichnete Qualität des „Reducers“.

Auch an der MTF-Kurve am Hell-Dunkel-Übergang kann man die kontraststeigernde Wirkung des Speed-Boosters deutlich erkennen:

Bild 15: Kantenschärfung und MTF-Kurve in der Bildmitte für Ernostar 10cm 1:2 plus Speed Booster ULTRA bei f/2.8 – Quelle: fotosaurier

In der Legende des „Edge profile“ kann man lesen, dass die Pixelgröße des Fujifilm X-H2-Sensors 3,04 µ beträgt. Der Anstieg im Hell-Dunkel-Übergang beträgt laut Grafik 1,04 Pixel ! D.h. dass die Anstiegsbreite hier im Bildzentrum gerade 3,2 µ breit war. Man sieht also, dass wir hier in ultra-präzisen mechanischen und optischen Regionen unterwegs sind!

Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Das Resultat meiner Untersuchungen fasse ich folgendermaßen kurz zusammen:

Für mich ist es begeisternd zu sehen, dass der junge Bertele bereits mit seinem ersten Entwurf eines derartigen lichtstarken Objektivs auch qualitativ derartig gute Ergebnisse erzielt hat!

Das Auflösungsvermögen des Ernostar 10cm 1:2 liegt im Kleinbildformat auf Analog-Film auf dem Niveau sehr guter moderner Optiken (gut bei Offenblende, exzellent ab f/4.0). Trotz der fehlenden Vergütung und der hohen Lichtstärke ist der Kontrast sehr gut und die Verzeichnung mit 0,4-0,6% gemessen noch gering. (Wahrscheinlich ist sie über das ganze Format 4,5×6 cm gemessen , für das es bestimmt war, höher.) Die Chromatische Aberration konnte ich auf dem Schwarzweiß-Film analog ja nicht messen. Allerdings geht sie natürlich in das Schärfe-Ergebnis mit ein.

An den Digitalsensoren gemessen ist die CA gering (0,5 Pixel) – und an dem Nikon-Sensor mit dem dünneren Filterstack ist sie praktisch Null! An der Fujifilm-Kamera mit Speed-Booster liegt die CA genau dazwischen (0,2 Pixel).

In der extrem geringen Auflösung in den äußeren Ecken des KB-Bildfeldes liegt die wesentliche Einschränkung zur Nutzung dieser historischen Optik – was bei vielen Anwendungen möglicherweise aber nicht stört.

Das beste Ergebnis habe ich eindeutig mit dem Speed Booster an der Fujifilm X-H2 erzielt, wo auch die Eckenauflösung bei Offenblende bereits in einem brauchbaren Bereich liegt (wenn auch deutlich geringer als auf Analog-Film).

Der Umbau meines Ernostar-Objektivs auf die Nutzung an Spiegelreflex- und Mirrorless-Kameras:

Mein Exemplar des Ernostar-Objektivs 100mm 1:2,0 …

… erwarb ich 2016 in hervorragendem Zustand ohne die Ermanox-Kamera. Mit seiner Serien-Nr. 150 197 ist es das dritt-früheste in Bezug auf die bei Auktionen aufgetauchten und dokumentierten Objektive (s. https://camera-wiki.org/wiki/Ermanox ) Es war kameraseitig mit einem M39-Gewinde an dem massiven Metalllzylinder versehen worden, in den die Original-Optik eingelassen ist.

Hier sieht man es über den M39/LM-Adapter angeschlossen an der Konica HR:

Bild 16: Ernostar mit M39-Gewinde an der Konica HEXAR RF (der besten Leica, die ich je hatte) … ohne RF-Kupplung ! – Quelle: fotosaurier

In dieser „Konstellation“ – hochlichtstarke 100mm-Brennweite ohne Fokussierkoppelung an den Mischbildentfernungsmesser – gab das fotografier-praktisch natürlich keinen Sinn. Ich habe einzelne analoge Vergleichs-Bilder dadurch machen können, indem ich die Ernostar-Optik über einen präzisen „NEXLEI“-Adapter von Novoflex an der Sony A7R4 in der höchsten Fokussiervergrößerung (12x) scharf stellte und dann das fokussierte Objektiv auf die Sucherkamera umsetzte.

Dabei konnte ich immerhin feststellen, dass das Objektiv schon bei voller Öffnung in der Bildmitte mit dem 90mm f2.0 Apo-Summicron mithalten kann. Das machte mich neugierig.

Ich konnte dieses Objektiv auch schon mit dem NEXLEI-Adapter direkt an der Sony A7RII untersuchen. Da ich inzwischen IMATEST für die Auflösungs-Messung verwenden konnte, erkannte ich, dass am Digitalsensor die Bildmitte tatsächlich überragend ist und 80% der „nativen“ Nyquist-Frequenz (NyFr) des Sensors (2.652 LP/PH) erreicht – aber in den Bildecken stürzt die Auflösung an der 42 MP-Sony-Kamera auf ca. 360 LP/PH ab.

Da ich zufällig den Autofocus-Adapter von TECHART für M-Objektive an E-Mount besaß, konnte ich auch damit Versuche machen:

Bild 17: TECHART Autofokus-Adapter für Leica-M-Bajonett an E-Mount – Quelle: fotosaurier
Bild 18: Ernostar 10cm 1:2,0 adaptiert über den Autofokus-Adapter an der SONY A7R2 – Quelle: fotosaurier

Das funktionierte technisch gut, die Autofokus-Scharfeinstellung im Adapter war sehr präzise – allerdings wäre der filigrane Adapter mit Sicherheit durch das extrem schwere Objektiv (1.290 gr) auf Dauer überfordert gewesen.

Das größte Hindernis sah ich aber in dem dramatischen Schärfenabfall (auch nach Abblenden!) zu den Rändern und Ecken.

Das folgende Bild zeigt die dramatische Abnahme der Auflösung vom Bildzentrum zur Bildecke (Aufnahme mit Sony A7R2 am 05.12.2018):

Bild 19: Auflösung bei voller Öffnung f/2.0 an der Sony A7R4 (42,2 MP) von der Bildmitte (Null auf der x-Achse) bis äußerste Bildecke (100 auf der x-Achse) – Quelle: fotosaurier

Kurz danach stieg ich auf die A7R4 mit 60,2 MP-Sensor um. Damit war das Ecken-Problem im Grunde noch dramatischer.

Schwer vorstellbar, dass dies die konstruktionsbedingten Eigenschaften dieser Optik sein sollten.

Der erste Schritt musste die Nutzung des Ernostar-Objektivs an einer Analog-Spiegelreflex-Kamera sein – der zweite würde dann beinhalten, dass die Auflösung auf einem Analog-Negativ gemessen werden sollte.

Wie ich das gemacht habe, beschreibe ich im Folgenden:

Zum 1. Schritt habe ich zunächst den Abstand des Scheitelpunktes der hintersten Linse von der Filmebene analysiert. Die Analyse ergab, dass nur ein einziges Spiegelreflex-System ein ausreichend kurzes „Auflagemaß“ besitzt, das es erlaubte, noch einen mechanischen Adapter für dieses Ernostar-Objektiv zu realisieren: die Alpa-Reflex ! … die ich „zufällig“ schon besass (eine wunderschöne Alpa 10d)!

Zufällig besaß ich auch eine Schrott-Optik für Alpa-Reflex, aus der nun der Bajonett-Anschluss herausoperiert und an das Ernostar rückseitig angebaut wurde.

Bild 20: Ernostar 10cm 1:2 adaptiert an meine Alpa 10d – Quelle: fotosaurier

Man ahnt schon an diesem Bild, dass es da zum Kamerakörper eng zugeht! Noch besser sieht man das hier:

Bild 21: „Luft“ zwischen Ernostar und Alpa 10d – Quelle: fotosaurier

Der 2. Schritt bedurfte nun einiger Jahre Entwicklungsarbeit – und ich weiß bis heute nicht, ob jemand sowas schon mal gemacht hat.

Das Prinzip ist wie folgt:

Dasselbe IMATEST-Target, das auch mit der Digitalkamera für die Analyse mit IMATEST-Software fotografiert wird, wird hier auf Analog-Film in der Alpa 10d gebannt.

Die Entwicklung erfolgt mit einem klassischen Standardentwickler unter Standardbedingungen: Rodinal 1+25, 8 min bei 20°C.

Bild 22: Imatest-Testchart auf Analog-Schwarzweiß-Film – Quelle: fotosaurier

Das Negativ des Targets wird mit dem Scanner Reflecta RPS 10M bei 5.000 dpi als Positiv eingescannt als Mehrfachscan mit einer mittleren Glättung und stets den gleichen Schärfungsparametern für die USM (Unschärfe-Maskierung) – Scan-Software ist Silverfast 8 (ein Wechsel oder auch nur Update der Software ist wegen der Reproduzierbarkeit der Messergebnisse nicht denkbar!).

Die digitale Bild-Datei hat 30-34 Megapixel, die Nyquist-Frequenz beträgt ca. 2.250 Linienpaare/Bildhöhe.

Die Methode zur Messung der Auflösung mit IMATEST habe ich vor genau 2 Jahren in meinem Artikel https://fotosaurier.de/wp-admin/post.php?post=2657&action=edit detailliert beschrieben.

Die Qualität des Ernstar-Objektives bei Makro-Aufnahmen

Dem Buch von Erhard Bertele /1/ habe ich entnommen, dass die Arbeiten am Ernostar aus Entwicklungen eines lichtstarken Projektionsobjektives mit verbesserter Schärfe hervorgegangen waren. Da liegt es nahe, von dem Objektiv auch im Nahbereich gute Leistungen zu erwarten, zumal es in der Ermanox-Kamera mit einem sehr langen helikalen Auszug ausgestattet war.

Die folgende Aufnahme mit dem Aufnahme-Maßstab von ca. 4:1 habe ich mit dem Ernostar an der Sony A7RII bereits 2016 gemacht. Der darunter stehende Ausschnitt nahe der Bildmitte entspricht in der Bildschirmansicht etwa 45% Vergrößerung (1 Bildschirmpixel entspricht etwa 2 Aufnahmepixeln).

Ich glaube, die Qualität der ansonsten völlig unbearbeiteten Darstellung (keinerlei Nach-Schärfung!) spricht für sich.

Bild 23: Nahaufnahme mit Ernostar 10cm 1:2 etwa 4:1 Aufnahmemaßstab – an Sony A7R2 – Quelle: fotosaurier
Bild 24: Ausschnittvergrößerung von Bild 23 – Quelle: fotosaurier

Herbert Börger

Berlin, 25. Oktober 2025

Literatur:

/1/ Erhard Bertele, Ludwig J. Bertele – Ein Pionier der geometrischen Optik. 2017, VdK Hochschulverlag AG an der ETH Zürich, ISBN 978-3-7281-3816-3

/2/ Marco Kröger, im Blog „zeissikonveb.de“ – Vom Ernostar zum Sonnar, Ludwig Bertele – Meister der Koma-Korrektur

Die ERNOSTAR-Objektive – Geniestreich eines 23-jährigen? – Teil 1

Eine Hommage an Ludwig Bertele und Dr. Erich Salomon

von Herbert Börger, November 2016

Neu im Dezember 2025: Anläßlich des 100-jährigen Jubiläums der Ernostar-Erfindung gibt es nun einen ergänzenden Artikel : 100 Jahre Ernostar

Dort finden Sie detaillierte Auflösung-Informationen mit Analog-Film und Digitalsensor.

Fazit:

Das Ernostar ist ein faszinierendes Optik-Design von (Jahr der Berechnung) 1922. mit dem heute immer noch wunderbare Bilder gemacht werden können – wenn man sich auf die damit verbundenen „Unbequemlichkeiten“ einläßt!

Überraschend: das Objektiv ist bereits bei Blende 2.0 für KB-Format BRAUCHBAR. Abgeblendet bietet es sehr gute Bildergebnisse … wenn der Sensor mitspielt!

Hier ein erstes Bildbeispiel im Nahbereich bei Blende 8 (Sony A7RII):

VeronikaMaul_A7RII_Ernostar-100f2_f11

Bild 1: Nahaufnahme Veronika-Blüten im morgendlichen Gegenlicht – Ernostar 100mm f2.0 bei f8 – Sony A7RII (JPEG-File, unbearbeitet mit Ausnahme von „Auto-Kontrast“)

Auf das Bild klicken, dann wird das Bild in Flickr geladen! Wenn man in Flickr rechts außen auf das Download-Symbol klickt, kann man die Bilder stets auch in der vollen Auflösung betrachten. Die volle Sensor-Auflösung wird als Bild aber nur sichtbar, wenn man bei Flickr angemeldet und auch eingeloggt ist – sonst ist die Bildgröße auf eine Breite von 2048 Pixel begrenzt.

Die Bildmitte liegt – abgeblendet um 2-3 Blenden – in der Auflösung auf dem Niveau heutiger Spitzenoptiken. Zu diesen modernen Optiken gibt es zwei gravierende Qualitäts-Unterschiede: Streulicht, da die Optik noch kein Coating besitzt, sowie den damals noch unvermeidlichen Kontrast- und Auflösungs-Abfall zum Rand. Während heute Optiken (auch sehr lichtstarke!) oft schon bei Maximal-Öffnung oder um eine Blende abgeblendet maximale Auflösung und Kontrast besitzen, war es damals normal und akzeptiert, daß die Optik bis Blende 11 oder 16 abgeblendet werden musste, um ein gleichmäßigen Schärfe-Eindruck über das ganze Bildfeld zu erreichen.

Aus meinen bisher gewonnenen Erkenntnissen ziehe ich den Schluß, dass das Objektiv im Nahbereich (wir sollten hier nicht von „Makro“ sprechen) sogar eine ausgesprochene Stärke hat.

Beim Gebrauch mit modernen Digitalkamera-Sensoren ist bei allen historischen Objektiven Skepsis insofern angebracht, dass im Zusammenspiel von Optik und Sensor Artefakte entstehen können – und oft entstehen! – die nichts mit der Optik an sich zu tun haben.

Der Designer hatte logischerweise den analogen Film als Aufzeichnungs-Medium im Sinn! Die Oberflächen der Film-Emulsionen hatten ein weitgehend standardisiertes Verhalten gegen die auftreffenden Lichtbündel – relativ unabhängig vom Einfallswinkel der Strahlen. Digital-Bildsensoren sind technische Individuen, heute noch weit von jeder Standardisierung entfernt.

Ergebnisse, die mit einem adaptierten Analog-Objektiv an einem Digital-Sensor gewonnen werden, sind keinesfalls „objektiv“.

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Anscheinend existiert ein Fehler in meiner Sony A7RII beim anlegen der EXIF-Datei zum jeweiligen Bild. Bei manchen Bildern in diesem Beitrag- z.B. bei Bild 1 –  steht unter der Kamera als Objektiv „Voigtlander SUPER WIDE-HELIAR 15mm F4.5 III“. Eigentlich hätte da ein Strich oder nichts stehen müssen, da das adaptierte Ernostar ja keine Datenschnittstelle hat. Sie können sich darauf verlasssen, dass ich in der Bildunsterschrift das RICHTIGE Objektiv benenne. Ob der beschriebene EXIF-Fehler vermeidbar ist, muss ich erst noch genauer untersuchen….)

Die Vorgeschichte:

Vor Jahren stieß ich auf die Geschichte von Erich Salomon (1886-1944), der – auf Nebenwegen zum Journalismus und dabei aus Pragmatismus zur Fotografie gekommen – zum Schöpfer eines neuartigen Fotojournalismus wurde. Er galt damals als Shooting Star der internationalen Fotojournalismus-Szene, weil er die ab 1923 verfügbare Ermanox-Kamera mit dem Ernostar 100mm f2,0 konsequent zur Available-Light-Freihand-Fotografie einsetzte (aktiv wohl erst ab 1926 – frühere Bilder kenne ich nicht) . Ernst Salomons Lebensgeschichte endete tragisch: als Jude gelang Ihm die Flucht vor den Nazis nur bis Holland. Dort wurde er zwar versteckt – aber dann ähnlich wie Anne Frank denunziert und 1944 im KZ ermordet.

Da die Ermanox eine Planfilm-Kamera (4,5 x 6 cm) ist, wäre ich zunächst im Traum nicht darauf gekommen, dieses früheste Beispiel eines lichtstarken Standbildkamera-Objektives selbst einmal für meine eigenen fotografischen Zwecke einzusetzen.

Im Rahmen meiner Foto-Optik-Liebhaberei stieß ich nun in den letzten 3 Jahren bei der Suche nach Informationen über die Optik-Entwicklungen der 1900er bis 1980er Jahre erneut auf das Ernostar 100mm f2,0 (bzw. die Weiterentwicklungen mit 85mm f1,8 … 165mm f1,8) von 1923 – 1926.

Man kann sich die Informationen stückchenweise zusammensuchen – oder die sehr empfehlenswerte Darstellung von Frank Mechelhoff („Taunusreiter“ – Cameras der 1950er, 1960er und 1970er, „Mein privates virtuelles Camera Museum“) nutzen – die auch noch sehr gut geschrieben und reich bebildert ist. Inzwischen gibt es auch eine 2017 in Buchform erschienene Bertele-Biografie, verfasst von seinem Sohn Erhard Bertele).

Fast unglaublich, welch großen Wurf dem 23-jährige Optik-Designer Ludwig Bertele zunächst bei Ernemann und dann nach 1926 übernommen von Zeiss da gelungen ist…. 

Und dann leitete Bertele daraus auch noch den Sonnar-Typ ab, der zum dominierenden Typ für lichtstarke Optiken besonders im KB-Format avancierte – solange die mangelnde oder sehr bescheidene Vergütungstechnik es notwendig machte, so wenige Glas-Luft-Flächen wie möglich zu verwenden.

Das ursprüngliche Ernostar hat praktisch immer mindestens 4, manchmal 5 Gruppen mit 4 – 6 Einzellinsen.

Das sind relativ viele Glas-Luft-Flächen, wenn man bedenkt, dass es keine Vergütung gab.

Welches Motiv habe ich, mich mit einem solchen Subjekt zu befassen?

Ich bin Physiker und Ingenieur. Schon seit „Kindesbeinen“ war ich sehr an Optik interessiert. Gebt mir ein Stück Optik in die Hand, das ein Ingenieur klug erdacht hat und Ihr macht mich glücklich! Wenn dann noch ein Stück Technikgeschichte mit Innovation damit verbunden ist – um so mehr.

Seit Kindesbeinen bin ich auch Amateurfotograf. Beginnend mit einer 6X6cm Rollfim-Box in den späteren 1950er Jahren. Das selbst Entwickeln der Filme und Vergrößern der Bilder hat mich stark geprägt.

Ich bin aber kein Sammler – mein Antrieb ist der Technik-Hintergrund und der Wunsch zu verstehen, wie die Designer die Foto-Optik vorangetrieben haben. Mein Ziel ist zu erfahren: Was steckt dahinter? …und wie viel besser (und warum?! – und ob überhaupt?) sind heutige moderne Foto-Objektive wirklich verglichen mit historischen Lösungen – besonders seit den 1920er Jahren? 

Das Ernostar war (nach dem Tessar) eine der wichtigen Wegmarke auf dem Weg zur heutigen (Kleinbild-)Foto-Optik. Auch wenn es für die kleineren Mittelformate gemacht war – es war vor allem eines: sehr lichtstark in Verbindung einer schon recht handlichen Ermanox-Kamera! Es war auch sehr erfolgreich am Markt – logischerweise wurde allerdings das Ende dieser Kamera-Nische durch das Erscheinen der Leica mit Kleinbildfilm ab 1926 eingeläutet. Auch Erich Salomon wechselte dann verständlicherweise zu dieser neuen, noch unauffälliger zu verwendenden Kamera, zu der es aber eine Optik mit F2.0 erst ab 1933 gab (das Summar 50mmf2.0).

Es wird konkret:

Ich wurde neugierig: Kann man so eine Optik an eine moderne Digitalkamera anpassen und praktisch benutzen, um einen Eindruck davon zu bekommen, was eine Objektiv-Konstruktion leistet, die noch quasi mit den Methoden von Abbe`scher geometrischer Optik mit Rechenschieber berechnet wurden?

Ich sah mich im Internet um und stellte fest, ja – es werden vereinzelt Ermanox-Kameras angeboten. Aber über den Zustand wollte ich mir keine Illusionen machen…. Ein Stahlblechgehäuse aus den 20er Jahren mit Leder bezogen/beklebt… fast hundert Jahre alt!?

Dann fand ich heraus, dass hier offensichtlich schon seit längerer Zeit Freaks den Weg beschritten haben, das eigentlich relevante Ernostar-Objektiv „heraus zu operieren“ und an Kleinbild-Kameras zu adaptieren, was wegen der länglichen Brennweite > 85 mm auch für Spiegelreflex-Kameras funktioniert.

Ich habe dann eines der ursprünglichen Ernostar-Objektive 100mm f/2,0 adaptiert für Leica M39-Gewinde gefunden (natürlich ohne RF-Kupplung….). Der Sinn der Adaptierung an M39 erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht (darüber unten mehr): wie soll man mit einer Entfernungsmesser-Kamera auf den Punkt scharf stellen – zumal bei langer Brennweite und hoher Lichtstärke? Aber ich konnte M39 problemlos über vorhandene Adapter an Digitalkameras Sony-E-Mount oder Fuji-FX anschließen. Es stellt sich dabei nur die Frage: harmonieren Digital-Sensor und Optik miteinander?

Spiegellose Systemkameras haben hierfür den unschlagbaren Vorteil, dass für die manuelle Fokussierung dieser Optiken ausgezeichnete Fokussier-Hilfsmittel zur Verfügung stehen – wobei das Sony-E-System (ich benutze die A7RII) hier alle anderen in der Präzision überragt (12,5-fache Vergrößerung!) – basierend auf dem 42,5 MP-Vollformat-Chip.

Im Live-View kann man dabei in hoher Vergrößerung direkt auf dem Chip fokussieren – und zwar problemlos auch bei Abblendung auf f/11 oder gar f/16.

Das angebotene Ernostar 100mm f/2,0 kam aus der Ukraine, der Anbieter stellte umfangreiche Informationen zur Verfügung und hatte bei Ebay eine „weiße Weste“… Ich spreche hier grundsätzlich nicht über Preise von historischen Objektiven. Das Preisniveau ist zu ein einem gegebenen Zeitpunkt nicht immer sehr einheitlich. Allerdings spreche ich logischerweise über Käufe in der Vergangenheit – und ich sehe aber meine Aufgabe hier nicht darin, irgendwelche „Preis-Marken“ bei solchen Objekten in Umlauf zu setzen!

Allerdings kann ich feststellen, dass man beim Preis dieser Objektive durchaus dreimal schlucken muss – und sich eines gewissen Risikos  immer bewusst sein sollte, was man sich da wirklich einhandelt…

In diesem Fall ging alles glatt! Ich erhielt zuverlässig ein sauber adaptiertes Objektiv in hervorragendem Zustand,  das alle meine Erwartungen übertraf….

Ernostar_einzel_1

Bild 2: Ernostar 100mm f/2,0 umgebaut für LTM – M39.

Es ist genau der Objektiv-Typ, der auf dem Ermanox-Bild auf der Mechelhoff-Website zu sehen ist.

Zum Umbau ist das Ernostar in einen massiven Metall-Hohlzylinder eingelassen – Die Optik mit Sony-E-Adapter und Yoghurtbecher-Geli wiegt satte 1.205 gr – ich halte die Kombination mit der Sony A7Rii immer am Objektiv! Ich habe dann auch noch das Stativgewinde mit dem abnehmbaren Ring vom ApoElmar 100f2.8 angepasst.

Derzeit mache ich aber alle Aufnahmen frei Hand – was mit dem Stabi-System der A7Rii sehr gut gelingt (pixelscharf bei 42,5 MP!) – ISO von 200…800.

Ernostar100f2+Geli

Bild 3 zeigt das Objektiv mit dem von einem isländischen Yoghurtbecher abgeleitetem Gegenlichtblenden-Design (man ahnt hier, wo Zeiss bei Batis/Milvus/Otus Design-Anleihen gemacht hat, oder?).

Technische Daten Ernostar 100mm f2.0:

Brennweite: 10 cm

Max. Öffnungsverhältnis; 2,0 (…36)

Bildkreis –  BK (an der Ermanox-Kamera): 75 mm

Baujahr: wahrscheinlich. 1923/25 (Design von 1922, Ludwig Bertele, Fa. Ernemann – ab 1926 übernommen von Zeiss)

Serien-Nr.: 150197

Vermutlich 5 Linsen (4 Gruppen?)

Keinerlei Vergütung!

Naheinstellung mit Einfach-Schneckengang mit Geradführung: bis ca. 3 : 1 (KB)

Adaptiert auf LTM (M39)

Von mir verwendet: adaptiert an Sony E-Mount (A7RII, 42,5 MP, Vollformat 35 mm) und Fuji-X-Mount (APS-C mit 24 MP an der X-Pro2/X-T2).

Manuell fokussiert mit der Fokussier-Lupenfunktion.

Zunächst habe ich das Objektiv ohne Gegenlichtblende benutzt, denn die musste ja erst „entwickelt“ werden….

Die Optik hat einen extrem langen, sehr präzisen Schneckengang. Damit bekam ich einen unerwarteten Mehrwert: Nahaufnahmen bis 1:3 sind möglich! Und das mit einer überraschend hohen Qualität.

Die Kameras:

Logischerweise wird das Experiment mit einer spiegellosen Systemkamera durchgeführt, weil an die wegen des geringen Auflage-Maßes (=Abstand Sensoroberfläche zu Objektivanlage-Flansch) praktisch jedes historische Wechsel-Objektiv ADAPTIERT werden kann.

Die Sony A7RII ist wegen des Kleinbild-Formates (KB, 36mm x 24mm) und der hohen Auflösung von 42,5 Millionen-Pixeln (MP) besonders gut geeignet, weil die meisten historischen Objektive für Kleinbild-Format gerechnet sind. Ich besitze die Kamera seit ihrem Erscheinen 2015 und bin gut mit ihr vertraut. Ich habe schon dutzende historischer, analoger Optiken daran verwendet wodurch ich schon auf einen gewissen Erfahrungs-Schatz zurückgreifen konnte.

Ich wollte mich aber wegen dieser Erfahrungen nicht auf einen einzelnen Sensor verlassen.

Daher habe ich parallel die Fujifilm X-Pro2 (APS-C, 22,2mm x 14,8mm) und der Auflösung 24 MP eingesetzt. Wegen der kleineren Sensorfläche ist hier die lineare Auflösung mit 270 Pixel/mm sogar höher als bei der Sony mit ca. 220 Pixel/mm!

… und die Referenzobjektive:

A – Leica Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.8, das bei mir den Referenzstatus bei den 100mm-Objektiven hat und im direkten Vergleich auch die Naheinstellung erlaubt.

Es wurde bisher nur an der Sony im direkten vergleich benutzt.

B – Macro-Fujinon 60mm f2.4 – eine Original-Optik für das Fuji-X-System. Das einzige Makro-Objektiv, mit dem ich derzeit auch im Nahbereich den Autofocus problemlos einsetzen kann. Auf APS-C hat es die Vergleichsbrennweite 90mm zu Kleinbild.

Die Methodik:

Zunächst musste ich lernen, mit dem Objektiv umzugehen, d.h.: die manuelle Fokussierung im abgeblendeten Zustand zuverlässig zu bewältigen. Der Schneckengang ist sehr lang und eher schwergängig: aber er erlaubt sehr präzises Arbeiten – und der Kontrast im Sucher der A7RII ist immerhin so hoch, dass ich bis zu Bl. 13 zügig fokussieren kann. Die Optik hat eine gravierte Blendenreihe mit 2,0 – 3,5 – 4,5 – 6,3 – 9 – 13 – 25 – 36. Keine Rastung auf Blendenstufen. Man muss von vorne drauf schauen, um die Blende einzustellen. Allerdings fokussiere ich ohnehin immer bei der jeweiligen verwendeten Blende und nicht bei Offenblende, um den Fokus-Shift beim Abblenden auszuschließen. Diese geringfügige Verschiebung der Schärfenebene beim Abblenden ist relevant bei der genauen Untersuchung der Auflösung, vor allem, wenn bei längeren Brennweiten und lichtstarker Öffnung im Nahbereich der Schärfenbereich oft nur wenige Millimeter beträgt! Bei diesem Objektiv ist dieser Focus-Shift erstaunlicherweise deutlich geringer als bei manchen „modernen“ Objektiven.

Zunächst gilt der alte Grundsatz: um aus dem jeweiligen Equipment etwas herauszuholen muss man… fotografieren… fotografieren… fotografieren. Übung macht eindeutig den Meister.

Natürlich half dem Fotosaurier hier, dass er in Bezug auf manuelles Fokussieren ohnehin „Old-School“ ist…

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Bild 4: Kater Fritzi – Kopfporträt von oben – das Tier lief neben mir durch den Garten! Ernostar 100f2 an der Sony A7RII – ich hatte ca. 2 sec Zeit zum Fokussieren! Die Schärfentiefe am 42,5 MP-Sensor beträgt wenige Millimeter!

Nach meinen Erfahrungen ist die Erfolgsquote mit normalem Autofokus im Nahbereich eher schlechter als bei gut geübter manueller Fokussierung – allenfalls mit eingeschalteter Augenerkennung erzielt man bei Menschen und Tieren deutlich bessere Ergebnisse. Aber auch da weiß man bei einer „Spontan-Situation“ nicht vorher immer, welches Auge das „richtige“ sein wird…

Ich gehe hier so ausführlich auf diesen Punkt ein, damit Sie meine Ergebnisse richtig einordnen können: ohne intensive Übung, kommt beim Arbeiten mit einem solchen Objektiv nicht viel heraus. Hierfür habe ich mir einige Monate Zeit genommen.

Das folgende Bild 5 wurde mit Fujifilm und Autofokus aufgenommen – der Kater war auf dem Sprung (der Kenner sieht es am Blick), 2 Sekunden später schoß er los. Das Makroobjektiv 60f2.4 an der Fijifilm X-Pro2 mit 24 MP-Sensor ist das einzige meiner Makro-Objektive, das fast zuverlässig und blitzschnell im Nahbereich fokussiert.

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Bild 5: Kater Fritzi – vor dem Sprung! Fujinon 60f2.4 AF(!) an der Fujifilm X-Pro 2, Bl. 5.6 – ich hatte wieder max. 2 sec Zeit incl. Fokussieren! Absolut scharf ist das hintere Auge… Ohne eingeschaltete Augenerkennung fokussiert die Kamera in der Tiefe auf die Struktur, die den höchsten Kontrast hat…

Um die Ergebnisse mit dem Ernostar richtig einzuordenen, versuche ich gleichartige Aufnahmen mit dem Leica-R Apo-Macro 100 f/2,8 oder dem Fujinon Macro 60f2.4 daneben zu stellen. Es ist einer meiner ganz bewährten Klassiker, mit denen ich viel Erfahrung habe. Ich kenne kein für Digital gerechnetes Objektiv, das dieses in Schärfeleistung und Kontrast übertrifft! Ein modernes – für den Digital-Sensor gerechnetes 100er für KB habe ich nicht. 

Dieses Leica-R Apo-Macro 100 f/2,8 soll nun als modernere Analog-Referenz and der Sony gelten. Das Fujinon 60mm am linear in der „Filmebene“ noch höher auflösenden APS-C-Sensor soll den Vergleich zu einer modernen Rechnung für den Digitalsensor liefern.

Ich wollte hier keine unrealistische Verherrlichung der alten Linse vornehmen. Mein Ziel war, zu sehen: was hat die Entwicklung der Objektive in gut 90 Jahren gebracht und wohin hat uns das geführt? Das – ohne jedes Coating – erreichte Niveau des Veteranen hat mir in diesem Falle doch allerhöchsten Respekt abgenötigt – vor allem vor dem jungen Herrn Bertele – ein ganz großer Wurf!

Erste Aufgabe für den „Tester“ war es auf jeden Fall, sich einige Wochen und Monate in verschiedensten Situationen mit dem Objektiv praktisch vertraut zu machen!

Die Bildserie, die mich ursprünglich ganz besonders angefeuert hat, dieses Objektiv genauer „unter die Lupe“ zu nehmen entstand im Nahaufnahme-Bereich – freihändig bei Arbeitsblende fokussierte Nahaufnahmen der Veronica Blüten. Bild 1 ist das schönste Beispiel davon mit dem Ernostar: irgendwas zu meckern? – Aufnahme am frühen morgen 1/2 Stunde nach Sonnenaufgang direkt gegen die Sonne – allerdings mit dunklem Schatten im Hintergrund.

Das folgende Bild 6 eine Vergleichsaufnahme mit dem 60er Makroobjektiv an der X-Pro2…:

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Bild 6: Nahaufnahme Veronika-Blüten im morgendlichen Gegenlicht – Fujinon 60mm f2.4 Autofocus bei f8 – X-Pro2 (JPEG-File, unbearbeitet mit Ausnahme von „Auto-Kontrast“)

Ich glaube man braucht danach nicht viel mehr zu erklären, woher meine Begeisterung kommt, mich mit dem Ernostar genauer zu beschäftigen!

Bild 7 entstand während dieser Übungs- und Übungsphase in einem Hotel mit Spa…. Ernostar 100mm f/2.0 am Sony-42,5 MP-Sensor bei Bl. 8. Man sieht in der Bildmitte eine eindrucksvolle Detailzeichnung und zum Rand des Bildkreises (BK) von 43 mm das Bild langsam weicher werden (zur Erinnerung: das Objektiv ist für einen BK 75 mm gerechnet!) – aber es wirkt auf mich am Rand keineswegs „unscharf“.  Im kleineren Bildkreis des APS-C-Sensors ist das Bild bei Bl.9 bereits auf Pixelebene scharf bis zum Rand.

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Bild 7: Spa-Landschaft in Achenkirch ohne Sonne, mit niedrigem Kontrast -Ernostar 100f2  Bl.8 an der Sony A7RII – Schärfe liegt auf der „Nike“ –  (JPEG-File, unbearbeitet mit Ausnahme von „Auto-Kontrast“)

Das war jetzt viel delaillierte Beschreibung der verwendeten Technik und meiner Methodik.

Zur Entspannung und Einstimmung nun erst einmal einfach einige Bilder nur mit dem Ernostar an der Sony (ohne Vergleichsaufnahmen).

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Bild 8: Innenbereich des Spa – Ernostar 100f2.0 – bei f5,6 – Sony A7RII

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Bild 9: Ernostar 100f2.0 – bei f8 – Sony A7RII

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Bild 10: Ernostar 100f2.0 – bei f5,6 – Sony A7RII

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Bild 11: Ernostar 100f2.0 – bei f11 – Sony A7RII

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Bild 12: Ernostar 100f2.0 – bei f9 – Sony A7RII

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Bild 13: Ernostar 100f2.0 – bei f5,6 – Sony A7RII

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Bild 14: Ernostar 100f2.0 – bei f8 – Sony A7RII

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Bild 15: Dahlie im „Altweibersommer“ Ernostar 100f2.0 – bei f6,3 – Sony A7RII

Dieses letzte Bild 15 habe ich quasi als Paukenschlag platziert… jedenfalls hat das Ergebnis so auf mich gewirkt. Morgens kurz nach Sonnenaufgang gegen das Licht fotografiert (freihand – 1/1600 s)

Um das zu unterstreichen, hier drei Ausschnitte aus diesem Bild, jeweils ca. 1600 x 1600 Pixel groß aus dem Bild das ursprünglich 7938 x 5292 Pixel hatte (Sony A7RII):

Dahlie1_Erno100f2_Crop68-MR_1600x1600

Bild 16: Dahlie im „Altweibersommer“ Ernostar 100f2.0 – Ausschnitt Mitte 1600×1600 Pixel – bei f6,3 – Sony A7RII

Dahlie1A_Erno100f2_Crop67-ML_1750x1600

Bild 17: Dahlie im „Altweibersommer“ Ernostar 100f2.0 – Ausschnitt Mitte Links 1750×1600 Pixel – bei f6,3 – Sony A7RII

Das sind überzeugende Beispiele der makellosen Auflösungsleistung über einen größeren Bereich des Kleinbildbereiches. Ich finde auch den Übergang zur Unschärfebereich sehr angenehm bzw. harmonisch.

Dazu hier noch ein anderes, überzeugendes Beispiel für den Übergang von Scharf zu unscharf:

TauROS1_A7RII_Ernostar100f2_f5,6

Bild 18: Schärfeübergang im Nahbereich, Ernostar 100f2.0  bei f5,6 – Sony A7RII

Aber was ist mit der Leistung bei voller Offnung – Bl. 2,0?

Hier haben wir das Gegenstück zu Bild 7 (Bl. 8) , das mit Bl. 2,0 aufgenommen wurde:

AchenBeckenNike1_A7RII_Erno100f2_f2,0

Bild19: A7RII – Ernostar 100f2.0 – Bl. 2,0, Schärfe auf die „Nike“ gelegt

Hier der direkte Vergleich bei 100%-Darstellung:

AchenBeckenNike1_A7RII_Erno100f2_f2,0_crop100

Bild 20: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.2,0 (A7RII) – 100%-Ausschnitt nahe Mitte.

AchenBeckenNike1_A7RII_Erno100f2_f8_crop100

Bild 21: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.8,0 (A7RII) – 100%-Ausschnitt nahe Mitte.

Es ist zu erkennen, dass die Schärfe in der Bildmitte  sehr deutlich zunimmt (übrigens schon stark zu Bl. 3,5 – 4,5) – aber der Kontrast sinkt sogar, was daran liegt, dass die Schatten aufgehellt sind. Das gilt aber nur für die Bildmitte (in einem Bildkreis-Durchmesser 12-15 mm), am Rand steigt der Kontrast an.

Sehen wir uns dasselbe Detail aufgenommen mit der X-Pro2 an – leider nicht unter identischen Lichtverhältnissen: bei den folgenden Aufnahmen schien die Sonne.

Zunächst auch mit Blende 2,0:

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Bild 22: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.2,0 (X-Pro2) – 100%-Ausschnitt nahe Mitte.

Und jetzt mit Blende 6,3:

AchenNike1_X-Pro2_Erno100f2_f6,3_crop100

Bild 23: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.6,3 (X-Pro2) – 100%-Ausschnitt nahe Mitte.

Hier erkennt man deutlich, dass der Kontrast bei Abblenden mit der Zunahme der Auflösung auch ansteigt, was dem normalen Verhalten einer solchen Optik entspechen würde.

Hier erkennt man deutlich eine Farbverschiebung bei Abblenden: bei Bl.2,0 hat das Bild eher einen grün-blauen Stich, wird dann bei Bl.6,3 ins rötliche verschoben. Das liegt entweder an der Beteiligung des direkten Sonnenlichtes oder/und an der unterschieldichen Reaktion des automatischen Weißabgleiches – entspricht aber dem generellen Verhalten bei diesem Objektiv – auch am Sony-Sensor.

Nachdem ich diese Beobachtung gemacht habe, bin ich dem Kontrastverhalten in der Bildmitte gezielt nachgegangen.

In der folgenden Bildsituation ist das Kontrastverhalten am Sony-A7RII-Sensor deutlich zu erkennen – zuerst Blende 2,0 dann Blende 18:

Gärten1_Ernostar100f2_f2,0

Bild 24: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.2,0 (an A7RII) – KB-Vollbild.

Gärten1_Ernostar100f2_f18

Bild 25: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.18 (an A7RII) – KB-Vollbild.

Nun ist deutlich erkennbar, dass bei voller Öffnung das gesamte Bild einen ziemlich hohen Kontrast hat, dass sich beim Abblenden in einem zentralen Bildkreis mit ca. 15 mm Durchmesser ein heller Schleier auf das Bild legt. In einer vollständige Belichtungsreihe zeigt sich, dass der Kontrast bei Bl.2,8 noch gut ist (und Auflösung auch am Rand deutlich verbessert), bei Blende 4,5 ist das Bild noch „in Ordnung“ – ab Blende 5,6/6,3 bildet sich der Schleier in der Mitte deutlich erkennbar. Das Optimum dieser Kombination Ernostar/A7RII liegt im Bereich 2,8 – 4,5.

Hier der direkte Vergleich mit identischer Lichtsituation mit dem Referenobjektiv Leica Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.8:

Gärten1_ApoElmar100f2,8_f2,8

Bild 26:Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.8 bei Bl.2,8 (an A7RII) – KB-Vollbild.

Gärten1_ApoElmar100f2,8_f16

Bild 27:Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.8 bei Bl.16 (an A7RII) – KB-Vollbild.

Beim Apo-Makro-Elmar ist eine Kontrastreduzierung in der Bildmitte am Sony-Sensor nicht erkennbar – oder jedenfalls im Vergleich zum Bild bei voller Blendenöffnung nicht auffällig. Dabei wissen wir nicht, ob eigentlich eine Kontraststeigerung des Objektives an sich vorhanden wäre, die sich aber hier nicht entfalten kann.

Somit ziehe ich den Schluss, dass am Sony-Sensor mit dem Ernostar ein Streulicht-Schleier in der Bildmitte entsteht, der sensorspezifisch ist, da wir ihn mit demselben Objektiv am Fuji-Sensor nicht beobachten, andererseits aber auch objektivspezifisch, da er mit dem Apo-Elmar nicht oderjedenfalls nicht in dem starken Maße beobachtet wird.

Nach meinem derzeitigen Stand der Erkenntnis entsteht der Streulichtschleier durch helle Bildpartien im aktiven Bildkreis! Das folgende Bild zeigt sehr deutlich, dass mit einem großflächig dunklen Hintergrund mit Ernostar bei f6,3 am Sony-Sensor keinerlei Bildschleier entsteht, der das Bild in der Mitte beeinträchtigt:

JapKirsch_Ernostar100f2,0_f6,3

Bild 28: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.6,3 (an A7RII) – KB-Vollbild.

Wenden wir uns nun der Frage der Schärfe-Verteilung über das gesamte Kleinbild-Format zu. Hierzu verwende ich – wenn eine praktische Aufnahmesituation verwendet werden soll und kein genormtes Auflösungs-Target – am liebsten „mittelgrundige“ Architektur/Landschafts-Szenarien, da bei diesen vielfältige auch sehr feine Bildstrukturen vorhanden sind und die Witterung (Luftfeuchtigkeit!) keine nennenswerte Rolle spielt.

Hier also einmal Schloss Frankenstein (kein Witz!) in Ullstadt zuerst mit Ernostar und Apo-Elmar 100mm, beide abgeblendet auf f5,6:

SchlossFrankenstein_Ernostar100f2,0_f5,6

Bild 29: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.5,6 (an A7RII) – KB-Vollbild.

SchlossFrankenstein_ApoElm100f2,8_f5,6

Bild 30:Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.8 bei Bl.5,6 (an A7RII) – KB-Vollbild.

Bei mittlerer Vergrößerung betrachtet sind die Bilder mit beiden 100mm-Objektiven m.E. völlig gleichwertig. Der Streulichtschleier im Ernostar ist bei Bl 5,6 hier noch so gering, dass er nur erkennbar ist, wenn man von dem Problem weiß. (Bei Blende 4 wären die Bilder noch ähnlicher ausgefallen).

Die Schärfe wurde auf das Stuck-Wappen etwas links oben von der Mitte gelegt.

Nun zur 100%-Ansicht auf Pixelebene des Sony-Bildes. Die Ausschnitte haben etwa die Größe 1500 x 1100 pixel. Zunächst das Ernostar:

SchlossFrankenstein_Ernostar100f2,0_f5,6_LOcrop100

Bild 31: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.5,6 (an A7RII) – 100%-Ansicht Mitte-Links-Oben.

SchlossFrankenstein_ApoElm100f2,8_f5,6_LOcrop100

Bild 32:Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.8 bei Bl.5,6 (an A7RII) – 100%-Ansicht Mitte-Links-Oben.

Im direkten Vergleich bei 100% sieht man den Kontrastverlust beim Ernostar schon deutlich – aber die Auflösung ist hier bei beiden Objektiven in der Bildmitte mindestens gleichwertig!

Der dramatische Unterschied zwischen den beiden Objektiven liegt dann in der Abbildungsleistung am Bildrand! Hier der Vergleich – erst wieder Ernostar, dann Apo-Elmar:

SchlossFrankenstein_Ernostar100f2,0_f5,6_LLOOcrop100

Bild 33: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.5,6 (an A7RII) – 100%-Ansicht Rand-Links-Oben.

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Bild 34:Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.8 bei Bl.5,6 (an A7RII) – 100%-Ansicht Rand-Links-Oben.

Noch eindrucksvoller präsentiert sich das Apo-Elmar mit seiner Leistung am Rand bei voller Öffnung – Auflösung praktisch schon gleich wie abgeblendet – daher der Referenz-Status bei mir! Ich meine, dass der Kontrast hier bei Bl.2,8 sogar deutlich besser als bei Bl.5,6 ist – vielleicht ein zeichen, dass das Apo-Elmar mit dem Sony-Sensor ebenfalls etwas Streulicht produziert.

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Bild 35:Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.8 bei Bl.2,8 (an A7RII) – 100%-Ansicht Rand-Links-Oben.

Diese Ansicht lohnt sich beim Ernostar bei Blende 2,8 nicht mehr aufzurufen… aber auch bei Blende 2,8 hält das Ernostar in der Bildmitte mit dem Apo-Elmar völlig gleich-auf mit! Und da stimmt auch der Kontrast an der Sony noch… Das ist für mich eine mehr als achtbare Leistung.

Ebenfalls bemerkenswert finde ich, dass – außer bei voller Öffnung Bl. 2,0 – das Ernostar keine nennenswerten Farbsäume an harten Kontrast-Kanten zeigt!

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Bild 36: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.2,8 (an A7RII) – 100%-Ansicht Mitte – harte  Hell-Dunkel-Kontraste nahezu ohne Farbsäume!!! Ähnliche Qualität auch bis in die Ränder und Ecken!!!

Landschaft + Unendlich-Einstellung:

Die Beurteilung der Bildleistung eines Objektivs in tiefen Landschaften mit fernem Horizont kämpft grundsätzlich mit der Problematik langer Lichtwege durch die Luft und den damit verbundenen Einflüssen von Wetter (Luftfeuchtigkeit), Beleuchtungsverhältnissen (Tageszeit, Sonnenstand, Bewölkung) und Luft-Schichtungen – im Sommer auch mit Thermik-Schlieren!

Die manuelle Fokussierung ist dabei auch besonders kritisch – besonders bei hoch-auflösenden Sensoren und leistungsfähigen Objektiven, da kleinste Objektiv-Verschiebungen große Auswirkungen auf die Lage der Schärfe-Ebene haben.

Die diffuse Beleuchtung der Landschaft bietet im Allgemeinen die beste Basis um die Detailwiedergabe zu beurteilen. Harte Sonnenbeleuchtung zerstört bei allen Sonnenständen auch Details durch spitze Lichter und Schlagschatten. Schließlich liefert auch das flaueste Objektiv bei Streifendem Licht tolle Kontraste…..

Zwischen meiner Wohnung und dem fernen Horizont in einigen Kilometern Entfernung liegt ein flacher Talgrund – womit unter Normalbedingungen eine erhöhte Luftfeuchtigkeit = Dunst hinzunehmen ist (aber gesund!). Das erste Landschafts-Bild mit Ernostar bei voller Öffnung entstand noch im Hochsommer:

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Bild 37: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.2,0 (an A7RII) – Volles KB-Format, Diffuses Licht, Schärfe liegt auf dem Kirchturm.

Volle Öffnung des Objektivs Bl.2,0. Ein tonal sehr ausgewogenes Bild, leicht warme Tönung trotz bedeckten Himmels (kann aber auch am Weißabgleich gelegen haben). Die Schärfe in der Bildmitte ist hervorragend und auch der Kontrast in der Bildmitte gut – selbstverständlich ist hier der Schärfeabfall zum Rand bei 100%-Ansicht des 42 MP-Bildes ganz erheblich, aber der Kontrast am Rand immer noch gut. Trotz voller Öffnung ist kaum Vignettierung zu sehen. Ich habe ja schon an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass noch bis in die 50er/60er Jahre als normal hinzunehmen war, dass man bis B.8 oder sogar Bl.16 abblenden musste, um Bilder mit einigermaßen gleichmäßigem Schärfeverlauf zum Rand zu bekommen.

Immerhin kann man diesses Bild – nach leichter Kontrastanhebung – bis zu A3 drucken, ohne dass der Schärfeabfall zum Rand stört! Keine schlechte Leistung für ein 92 Jahre altes Objektiv ohne Coating…

Nun läge es ja nahe, die Leistung des Objektives bei entsprechend starker Abblendung zu überprüfen. Allerdings wissen wir von den vorangegangenen Untersuchungen bereits, dass sich dann bei der Kombination A7RII+Ernostar100f2.0 in einem großen Bereich der Bildmitte ein sehr störender Streulichtschleier auf die Bildmitte legt – und dieser Effekt ist bei Landschaftsaufnahmen, die üblicherweise eine große helle Himmelsfläche als Bildelement enthalten, besonders stark ausgeprägt.

Beim Vergleich des Apo-Elmarit 100f2.8 mit dem Ernostar 100f2.0 in dieser Aufnahmesituation ergab sich in der Bildmitte – mäßig auf 5,6/6,3 abgeblendet folgender überraschender Befund:

Ebenfalls diffuses Licht auf der Landschaft und leichter Dunst  also niedriger Kontrast, zeigt sich bei 100%-Ansicht der 42 MP-Bilder (ca. 1600 x 1100 Pixel) in der Bildmitte sogar ein Auflösungsvorteil für das Ernostar!

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Bild 38: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.6,3 (an A7RII) – 100%-Ansicht Mitte

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Bild 39:Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.8 bei Bl.5,6 (an A7RII) – 100%-Ansicht Mitte

Allerdings ist die Kontrastminderung durch Streulicht in den Schatten hier auch schon zu erkennen!

Am 20.November 2018 ergab sich plötzlich die Wettersituation, die an dieser Stelle sehr selten auftritt: absolut klare Luft und Windstille. Eine Gelegenheit, den Streulicht-Vergleich zwischen den beiden Sensoren unter günstigen Bedingungen zu überprüfen:

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Bild 40: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.2,8 (an A7RII) – KB-Vollformat – Klare Luft + Sonnenschein

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Bild 41: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.11 (an A7RII) – KB-Vollformat – Klare Luft + Sonnenschein

Hier sieht man den fast schon brutalen Kontrasteinbruch bei starkem Abblenden fast über das ganze Bildfeld. In dieser Situation bestätigt sich, dass das Streulicht oberhalb Blende 4,0 deutlich auftritt. Folgend die 100%-Ausschnitte, die zeigen, wie stark die Schärfe am Rand bei starkem Abblenden zunimmt:

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Bild 42: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.2,8 (an A7RII) – 100%-Ausschnitt rechter Rand vom KB-Vollformat – Klare Luft + Sonnenschein

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Bild 43: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.11 (an A7RII) – 100%-Ausschnitt rechter Rand vom KB-Vollformat – Klare Luft + Sonnenschein

Diese Bildqualität würde beim Ausdruck mindestens bis A2 ausreichen! Die 100%-Ansicht zeigt beim Sony-Sensor das Bild ja mit ungefähr 1,2 Metern Vollformat-Breite.

Aber die Bildmitte wird bei Bl.11 leider völlig durch das Streulicht degradiert:

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Bild 44: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.11 (an A7RII) – 100%-Ausschnitt Mitte vom KB-Vollformat – Klare Luft + Sonnenschein

Dagegen noch einmal die Bildmitte bei Bl.2,8:

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Bild 45: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.2,8 (an A7RII) – 100%-Ausschnitt Mitte vom KB-Vollformat – Klare Luft + Sonnenschein

Hier noch einmal derselbe Ausschnittt mit dem Apo-Elmar am Rand – zwar nicht mit der klaren Luft, aber die Detailwiedergabe hier zeigt deutlich, dass der größte Fortschritt von 1922 bis zu den 1980er Jahren in der Optik in der konstanten Auflösung bis zum Rand liegt:

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Bild 46:Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.0 bei Bl.5,6 (an A7RII) – 100%-Ausschnitt rechter Rand vom KB-Vollformat – Diffuses Licht, bedeckter Himmel

Anmerkungen zum zum genauen Fokussieren an Sony A7RII und Fujifilm X-Pro2:

Die extrem hohe Auflösung der benutzten Sensoren (linear 220 – 270 Pixel je mm) erfordert – besonders bei Brennweiten >35mm (KB-Äquivalent) extrem genaues Fokussieren. Das kann grundsätzlich nur mit manueller Fokussierung sicher geleistet werden (auch bei AF-Objektiven in Vergleichssituationen zu empfehlen!).

Der Vorteil der Digitalen System-Kamera ist, dass grundsätzlich im Live-View in dem Bild fokussiert wird, das der Sensor liefert. Die Kameras leifern heute Fokussierhilfen für das manuelle Fokussieren.Die Kantenanhebungsmethode ist dabei für unsere Bedürfnisse nicht genau genug. Man muss bei den längeren Brennweiten grundsätzlich die Vergrößerung im Sucherbild verwenden! Diese Vergrößerung ist bei der Sony A7RII mit 12,5-fach ausreichend (das ist die zweite Stufe!) – bei der Fuji X-Pro2 ist auch die höhere Vergrößerungs-Stufe nicht ausreichend für kritisches Fokussieren! Ich hatte einen sehr hohen %-Anteil ungenau fokussierter Bilder…

Um dieses Problem zu umgehen hatte ich schon vor einiger Zeit Folgendes ausprobiert:

Das Ernostar wurde an der Sony A7RII genau fokussiert, dann aus dem M39-Gewinde ausgeschraubt und in den M39-Adapter an der X-Pro2 wieder eingeschraubt. Das Fokussier-Gewinde ist in meinem Ernostar schwergängig genug, dass die Stellung nicht extra gesichert werden musste.

Das ging zunächst völlig schief!!! An der Sony hatte ich den NEXLEI-Adapter von Novoflex, an der Fuji irgendein billiges chinesisches Produkt (ca. 10:1 Kostenverhältnis….!). Das Problem bestand natürlich in dem nicht exakt gleichen Auflagemaß bei den beiden Adaptern (mehrere 1/10 mm Unterschied….) – wobei das für die Benutzung an einer einzelnen Kamera ohne Bedeutung wäre… nur hier gibt die Präzision natürlich den Ausschlag.

Also habe ich erst einmal den FUXLEI-Adapter von Novoflex besorgt….

Nexlei+Fuxlei

Bild 46: Das Präzisions-Adapter-Pärchen

… und gerade an diesem klaren Ausnahme-Tag 20.11. war ich bereit.

Tatsächlich waren nun alle vorher an der Sony fokussierten Einstellungen mit der Fuji auch auf den Punkt scharf!

Hier nun das entsprechende Vergleichs-Bild an der X-Pro2 mit dem Ernostar 100mm f2.0 bei Blende 6,3:

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Bild 47: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.6,3 (an X-Pro2, fokussiert an der A7RII) –  APS-C-Format – Klare Luft + Sonnenschein – wegen des sehr tiefen Sonnenstandes bei iso400 (Standard war sonst iso200 an A7RII) – weiter Abblenden ging nicht, da dann die Verschlußzeit zu lang geworden wäre (Sollwert ist <1/400 s)

Hier zum direkten Vergleich das Bild mit Bl.6,3 an der A7RII – das KB-Format wurde exakt auf den Ausschnitt des APS-C-Formates an der X-Pro2 beschnitten – die Bildgröße ist 5176 x 3504 Pixel, gegenüber 6000 x 4000 Pixel bei X-Pro2:

Hambühl_A7RII_Ernostar100f2,0_f6,3_cropAPS

Bild 48: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.6,3 (an A7RII) –  KB-Format beschnitten auf APS-C-Format – Klare Luft + Sonnenschein

Der Unterschied im Kontrast vor allem in Bildmitte ist zur Aufnahme an der X-Pro2 ist sehr deutlich: wesentlich höherer Kontrast am Fuji-Sensor, vermutlich weil dieser weniger Streulicht-Reflexionen mit dem Linsensystem des Ernostars erzeugt.

Eine Lösung für das kameraseitige kritische Fokussier-Problem an der X-Pro2 (das auch für jede andere manuell zu fokussierende Optik besteht!) könnte in der Verwendung einer Zubehör-Sucherlupe liegen, die man hochklappen kann. Ich habe bereits einen Winkelsucher mit Vergrößerung 2,5-fach provisorisch angesetzt: damit würde die Fokussierungsgenauigkeit allen Anforderungen genügen. Ich arbeite dran!

Noch besser wäre es  allerdings, wenn Fujifilm dieses Problem kameraseitig dadurch lösen würde, dass man für diese 24 MP-Sensoren eine stärker vergrößernde Software-Fokussierlupenfunktion realisieren würde! Falls das mit einem Firmware-Update zu machen wäre: tut es bitte, Fuji !!!

An der X-Pro2 ist das Objektiv also fast ohne Einschränkungen nutzbar – Allerdings wäre das Objektiv für mich am APS-C-Format nicht so nützlich, da es dort eine KB-äquivalente Brennweite von 150mm besitzt. Das ist eine Brennweite, die ich bei meiner üblichen Arbeitsweise nicht so häufig verwende – als „echtes“ 100er an KB wäre es wesentlich nützlicher für mich.

Eine Lösung könnte darin liegen, einen der neuerdings verfügbaren „Booster“ zu verwenden (eigentlich ein „Brennweiten-Reduzierer“ – als Reducer seit sehr langer Zeit in der Astro-Optik bekannt). Mit dem (nach meinen bisherigen Erkenntnissen ausgezeichneten) Metabones „Booster ULTRA“ würde das Objektiv dann auf eine effektive Brennweite von 105mm kommen – mit dem Zusatznutzen einer Offenblende von f1,4 !!!

Außerdem könnte der „Booster“ – wie es bei den „Focal-Reducern“ in der Astro-Optik üblich ist – das Bildfeld etwas besser ebnen – wodurch die Randschärfe sich noch einmal deutlich verbessern könnte… (?)

Ich mag die Optik mit ihrem Bildcharakter sehr und das ist mir diesen Aufwand wert!

Zu überprüfen wäre, ob die gute Kompatibilität auch im abgeblendeten Zustand mit Booster an der X-Pro2 weiterhin besteht!

Mit dem existierenden M39-Anschluss geht das allerdings nicht. Ich werde das Objektiv daher als Nächstes auf einen SLR-Anschluß umrüsten, für den ich einen APS-C-Booster zum FX-Anschluß besitze. Danach werde ich wieder berichten.

Bisheriges FAZIT zum Ernostar 100mm f2.0:

Die Optik liefert in der Bildmitte bereits offen und vor allem ab Bl.2,8 sehr gute Auflösung und guten Kontrast. Der Kontrast ist bis zum Rand des KB-Formates ab Bl.2,8 ebenfalls gut, und das, obwohl das Objektiv keinerlei Vergütung besitzt! Die Schärfe am Rand legt bis mindestens Bl.18 extrem stark zu. Ab Bl.11 sollten Vergrößerungen bis mindestens A2 mit sehr guter Qualität über das KB-Bildformat möglich sein.

An dem Vollformat-Sensor der Sony A7RII bildet sich beim Abblenden des Ernostar über Bl.4,5 ein sehr stark störender Streulicht-Schleier, der sich bis Bl.18 auf das ganze Bild ausweitet und den Kontrast sehr stark degradiert! Dies ist keine Eigenschaft des Ernostar selbst, sondern entsteht durch die Kombination mit dem Sony-Sensor. Mit dem 24 MP-Sensor der Fuji X-Pro2 besteht diese Einschränkung nicht. Das Objektiv scheint damit an der Fuji-Kamera fast uneingeschränkt – die Vergrößerung der Fokussier-Lupeenfunktion ist allerdings für punktkritisches Arbeiten der Sensor-Auflösung von 270 Pixeln/mm nicht angemessen.

Nach diesen sensor-spezifischen Erfahrungen habe ich den Schluss gezogen, dass mich nur Aufnahmen auf Film zur vollen Wahrheit über die Eigenschaften Leistungsfähigkeit des Ernostar führen wird. Ich habe deshalb schon Aufnahmen mit dem Ernostar an meiner Rangefinder-Canon mit LTM-Anschluss gemacht, bei denen ich das Ernostar vorher an der Sony A7RII fokussiert habe. Ich warte auf die entwickelten Bilder, werde diese hochauflösend Scannen und dann wieder berichten.

Damit ist die Reise mit dem Ernostar 100mm f2.0 Bj. ca. 1923 vorläufig zuende – ein Teil 2 wird folgen, um die restlichen Fragen zu klären.

Auf bald!

Historische Anolog-Objektive und ihre Verträglichkeit mit Digitalsensoren:

Dies wird das Thema meines nächsten Blog-Beitrages sein. Ich hatte schon im Vorfeld der Ernostar-Untersuchungen mit mehreren Analog-Linsen einschlägige Erfahrungen mangelnder Kompatibilität mit Digital-Sensoren gemacht.

Dies ist ein weites Feld, denn jedes Objektiv und jeder Sensor ist ein Individuelles, komplexes technisches Meisterwerk. Allerdings habe ich nicht vor, reihenweise verschiedene Sensoren zu testen…