Ernostar (die 2.) – Streulicht-Problem auf Anolog-Film?

Die Ernostar-Exkursion geht weiter….

Ich hatte zuletzt die Situation herausgearbeitet, dass am 42 MP-Sensor der Sony A7RII bei zunehmander Abblendung (deutlich über Bl.4,5) ein zentraler Streulichtfleck im Mittelbereich des Bildes entsteht, der zuhnehmend dort den Kontrast degradiert.

Am 24 MP-Sensor der Fujifilm X-Pro2 tritt diese Erscheinung nicht auf. Allerdings sind die Bilder nie direkt vergleichbar, da die Fuji nur APS-C-Format abdeckt.

Die Vermutung liegt nahe, dass der Streulicht-Fehler auf einer speziellen Wechselwirkung zwischen der Oberfläche des Sony-Sensors und dem Ernostar beruht und nicht eine reale Eigenschaft des Ernostar selbst ist.

Aber ich hätte es gerne genau gewußt!

Also muss der Fotosaurier nach über einem Jahrzehnt mal wieder zur Analog-Fotografie zurückkehren…. Schnell gesagt – nicht so leicht getan!

Denn: wie fotografiert man nun mit einer Optik mit M39-Gewinde und ohne Leica-spezifische Fokussiervorrichtungen des Objektivs auf Analog-Film? Und es geht ja nicht darum mal eben ein Bild zu machen: es sollten sehr präzise Vergleichsbilder gemacht werden…

Schritt 1: Eine Analog-Kamera dafür aussuchen!

1A) Da hatte ich eigentlich zunächst keine große Auswahl: die einzige Entfernungsmesser-Kamera mit M39-Gewinde, die ich zur Zeit besitze ist die Canon 7. Und welcher Film? Da wählte ich spontan meinen lange heißgeliebten Velvia 100.

Im folgenden Bild sieht man die Canon 7 – allerdings mit dem grandiosen Canon 85mm f/1.8, mit dem die Verglaichsaufnahmen auf dem selben Film gemacht werden sollten.

Canon-RF_7_85f1,8 Bild 1: Canon 7 (RF) mit dem legendären Canon 85mm f1.8

Schritt 2: Fokussieren!

Im ersten Ernostar Blog-Beitrag hatte ich bereits im Zusammenhang mit der Fokussierproblematik an der Fujifilm X-Pro2 über diese Idee berichtet: Objektiv an der Sony A7RII fokussieren, dann die Fokussierposition fixieren – umsetzen auf die andere Kamera: Foto. Zugegebenermaßen kein Verfahren für eine spontane Street-Fotografie-Situation – aber für Testaufnahmen machbar. Und an der Fuji funktionierte das ja auch schon ganz gut. In der Folge – und mit ein bisschen Übung – sollte sich das dann auch als probates Verfahren erweisen… schließlich gelang das tatsächlich absolut punkt-genau!

Schritt 3: Analog-Film prozessieren!

3A) Hier bin ich im ersten Anlauf gescheitert: den belichteten Velvia 100 gab ich in einem Drogeriemarkt zur Entwicklung ab…. was zurück kam, war eine Dia-Emulsion, die erstens total verdreckt war und zweitens so verquollen und verschwurbelt war, dass die Aufnahmen nur ungefähr wieder zu erkennen waren! No way! Aber wahrscheinlich selbst schuld… ich hätte wohl vorher jemanden fragen sollen, wo man heute ein Fotolabor seines Vertrauens finden kann….

Nun hatte ich schon ziemlich viel Zeit investiert und wollte nicht noch weiter eine Odyssee durch ein Neben-Thema der ganzen Geschichte durchlaufen.Ich erinnerte mich daran, weshalb ich 3/4 meines Lebens mit der Selbst-Entwicklung von Schwarz-Weiß-Filmen verbracht habe: das Fotolabor seines Vertrauens ist man SEBST! Also kurzfristig alles wieder beschafft (Mit On-Line-Einkauf war binnen 2 Tagen alles da!!!). Am dritten Tag hing der nach 11 Jahren der erste wieder selbst entwickelte SW-Film zum Trocknen da!

3B) Um mit der Belichtungszeit über einen breite Blendenbereich Reserve zu haben, wählte ich dieses Mal den geliebten alten 400er S/W-Film TRI-X-Pan für das Vorhaben aus. Keine Experimente: Entwicklung mit D76 1:2. Das war wie mit dem Radfahren: man verlernt es nicht! Für den angestrebten Zweck (Untersuchung der Streulicht-Situation in der Bildmitte) ist der Wechsel zum Schwarzweiß-Film kein Problem: Licht ist Licht!

1B) Vorher ging es aber zurück auf Los: plötzlich fiel mir ein, dass ich ja den so minimalistisch anmutenden Adapter-Ring „LTM (M39) auf LeicaM“ besaß. Damit kann ich M39-Objektive an eine ziemlich moderne Kamera – die Konica Hexar mit LeicaM-Bajonett anschließen… und noch das Leica Apo-Summicron 90f2,0 ASPH dazu als Referenz verwenden. Die Konica Hexar ist der Grund, weshalb ich keine Leica-M-Kamera besitze. Es ist eine Leica-M aber mit 1/4000 sec, Motor-Filmtransport und TTL-Belichtungsmessung. Die hat mir nicht nur bei Bl. 2,0 und 2,8 das Graufilter erspart, sondern auch noch den ganzen Film perfekt belichtet…

Hexar-RF+APO-Sum90
Bild 2: Konica Hexar – hier mit Leica M Apo-Summicron 90mm f/2 ASPH

Die Fokussierung ging genau wie vorher beschrieben über die Sony A7RII – nur inzwischen mit viel mehr Übung.

Aber vor die Digital-Datei von einem Analog-Film haben die Götter nun mal den Scanner gesetzt!

Schritt 4. Digital-Scan des Anolog-Filmes mit Reflecta RPS 10M und SilverFast 8

Nach einigen Stunden Einarbeitung funktioniert die Zusammenarbeit mit dem hochauflösenden Reflecta-Scanner RPS 10M gut. Nur die mitgelieferte Scansoftware läuft irgendwie sehr „hakelig“ – könnte auch an mir gelegen haben. Ich bin der Sache nicht völlig auf den Grund gegangen.

Also habe ich noch eine weitere Runde gedreht und auch noch in die SilverFast-Software investiert. Da ging die Sache nach kurzer Einarbeitung dann wie geschmiert – zumal das Programm Voreinstellungen für Filme wie Tri-X besitzt! Wichtig ist für präzise pixelgenaue Vergleichs-Scans, dass man Optimierungsmodule wie Schärfen und Staubbeseitigung völlig ausschaltet!

Schritt 5. Und damit liegt nun der Anolog-Film-Gegencheck auf SW-Film vor:

5A) Belichtungsreihe mit dem Ernostar 100mm f/2,0:

Tri-X_Ernostar100f2_f2,0 (2) Bild 3: Ernostar 100 f/2,0 mit Bl. 2,0 auf Tri-X Tri-X_Ernostar100f2_f4,5 (2)

Bild 4: Ernostar 100 f/2,0 mit Bl. 4,5 auf Tri-X

Tri-X_Ernostar100f2_f13 Bild 5: Ernostar 100 f/2,0 mit Bl. 13,0 auf Tri-X Ich erkenne auf diesen Bildern keine Anzeichen von Streulicht-Halo oder Kontrastminderung in der Bildmitte! Was zu beweisen war: Streulichtreflexe zwischen Sensoroberfläche und Linsenflächen des Ernostar (ohne Vergütung!) sind die Ursache für den effekt am Sony-Senor der A7RII. Da wir einmal dabei sind, füge ich die unter identischen Bedingen auf demselben Tri-X-Film belichteten und entwickelten Aufnahmen mit dem Leica Apo-Summicron-M 90mmf2.0 ASPH

Tri-X_ApoSumAsph90f2_f5,6

Bild 6: Leica Apo-Summicron-M 90mmf2.0 ASPH bei Bl. 5.6 an der Konca Hexar RF auf Tri-X Pan (vergessen vorher auf dem Film Staub abzublasen)

und mit dem Kult-M39-Objektiv Canon 85mm f1.8 hinzu.

Tri-X_Crf85f1,8_f8korrGrau

Bild 7: Canon RF (M39) 85mm f1,8 bei Bl. 8 an der Konca Hexar RF auf Tri-X Pan

Qualitätsvergleich der drei Objektive auf Analog-Film:

Ich habe die Bildausschnitte der drei Brennweiten 100mm, 90mm und 85 mm angeglichen, damit die Übersichtsbilder hier gleich erscheinen. Geht man allerdings auf die volle Vergrößerung, ist der Effekt der unterschiedlichen Brennweiten wieder sichtbar.

Ich hatte nicht erwartet, bei Verwendung des Tri-X ISO400 (belichtet wie ISO320) einen nenneswerten Unterschied in der Bildqualität in der Bildmitte zu finden, da das Korn dies vermutlich verhindern dürfte, so fein aufzulösen. Erwartet hatte ich einen deutlich höheren Bildkontrast mit dem Leica Apo…

Die Tri-X-Scans haben eine Auflösung, die 25 MP bei einer Kamera entsprechen würden. Ich war jetzt aber wieder verblüfft über die Kantenschärfe der Bilder auf den relativ grobkörnigen Film… phänomenal!

Zu der gewählten Aufnahmeszene „Siedlung am Hang“: diese hat für mich den Vorteil, dass durch die enge Tiefenstaffelung der Szene ein Fokussierfehler leicht dadurch zu entdecken ist, dass nicht der Bereich, auf den ich scharf stellen will (die Spitze des Dachfirstes mit dem flachen Neigungswinkel etwa in der unteren Bildmitte) sondern ein Bereich davor oder dahinter… und es gibt auch in der geplanten Schärfe-Ebene Elemente nahe dem Bildrand oder sogar nahe der Bildecke.

Klar, wie zu erwarten, dass das Ernostar von 1922 am Rand und in der Ecke mit den beiden „jüngeren“ Objektiven nicht mit kommt! Hervorragend, wie sich das Canon-Objektiv von 1961 am Rand schlägt!

Verblüffenderweise ist hier allerdings in der Bildmitte das Ernostar bei der Auflösung leicht im Vorteil – auch gegenüber dem doch schon sehr modernen Apo-Summicron 90mm f2.0 ASPH von ca. 1990. Frank Mechelhoff hat ja in einem seiner Artikel darauf hingewiesen dass dieses Objektiv einen sehr ähnlichen Linsenschnitt (5-Linser!) hat wie das Canon RF 85mm f1.8.

Vielleicht entsteht der Eindruck in diesem Vergleich aber nur durch die unterschiedlichen Brennweiten (10% stärkere Vergrößerung mit dem Ernostar…).

Ich werde das baldmöglichst in einem weiteren Bericht mit einem sehr feinkörnigen Film und mit dem hoch-auflösenden Fuji-Sensor für die Bildmitte versuchen zu verifizieren.

Fazit: der Streulicht-Halo in der Bildmitte mit dem Ernostar an der Sony A7RII ist ein Artefakt, das durch die Kombination Objektiv/Sensor entsteht. Zwischen Bl. 2 und 4 hat man aber an der Sony auch eine hervorragende Bildqualität. Randscharfe Bilde erfordern mit dem Ernostar Bl. 8-16. Diese sind mit der Sony im Vollformat nicht brauchbar.

Daher werde ich hier einen anderen Weg beschreiten: das Ernostar „liegt derzeit im OP“ und wird auf einen anderen Kamera-Anschluß umoperiert… mehr dazu in Kürze!

fotosaurier, 07.Februar 2017

(P.S.: … leider nicht „bald“ möglich gewesen: Dem Autor kam ein Umzug von Mittelfranken nach Berlin mit entsprechender „Aklimatisierung“ und eine zweite Hüft-Endoprothese dazwischen … aber nun bald! Der Text ist schon fertig! Berlin, den 3. Okt. 2018 )

Altweibersommer 2016

Stellen Sie sich vor: tausende von winzigen Baldachinspinnen verabreden sich  über Nacht zu einem Flash-Mob im Garten…

Was Sie am nächsten Morgen erblicken sieht dann etwa so aus:

WieseEingesponnen_X-T2_60f2,4_f8

Bild 1: Wiese morgens im Altweibersommer – Fujifilm X-Pro2 – 60mmf2.4, f8

Nicht nur dem fotosaurier fällt bei diesem Anblick sofort der Begriff „Altweibersommer“ ein… und wie es sich für ihn gehört, hat er eine gute Kamera schnell greifbar, um von dem faszinierenden Phänomen ein paar Lichtbilder zu machen.

Rosenknospe_X-T2_60f2,4_f7,1

Bild 2: Rosenknospe morgens im Altweibersommer – Fujifilm X-Pro2 – 60mmf2.4, f7,1

Ich kann bezeugen, dass in unserem Garten nachts keine alten Weiber sitzen und spinnen und weben… Der aufgeklärte Mensch erkennt sofort, dass hier Spinnen am Werk waren, denen sicher nicht bewusst ist, dass sie mit ihrer Arbeit einen Fotoamateur glücklich machen können. Es sei gleich hinzugefügt, dass der Begriff „Altweibersommer“ auch unter dem Aspekt der politischen Korrektheit unbedenklich ist: es gibt wohl ein Landgerichtsurteil (1989), laut dem eine reifere Dame durch diesen Begriff nicht „beleidigungsfähig“ sei!

Als Wikipedia-Unterstützer erlaube ich mir, dies hier zu zitieren:

Altweibersommer ist die – keinesfalls frauendiskriminierende! – Bezeichnung für eine meteorologische Singularität. Es handelt sich um eine Phase gleichmäßiger Witterung im Spätjahr, oft im September, die durch ein stabiles Hochdruckgebiet und ein warmes Ausklingen des Sommers gekennzeichnet ist.

Nach der einen Erklärung leitet sich der Name von Spinnfäden her, mit denen junge Baldachinspinnen im Herbst durch die Luft segeln. Der Flugfaden, den die Spinnen produzieren und auf dem sie durch die Luft schweben, erinnert die Menschen an das graue Haar alter Frauen. Mit „weiben“ wurde im Althochdeutschen das Knüpfen der Spinnweben bezeichnet. Nach der anderen Erklärung, in der von Kluge/Seebold die „vielleicht“ ursprüngliche, von Pfeifer hingegen „wahrscheinlicher“ eine sekundäre Bedeutung gesehen wird, liegt dem Wort das Motiv der zweiten Jugend bei Frauen, die als unzeitig und nur kurze Zeit dauernd angesehen wird, zugrunde.

Wie schon das Bild 2 überdeutlich zeigt, haben die Spinnen-Netze eine ganz andere Struktur als die sonst im Sommer üblichen symmetrischen radförmigen Netze in den Zwischenräumen zwischen Stauden, Büschen etc.: vielmehr sind die Pflanzen und Gegenstände selbst „umsponnen“ – wie ich finde in einer poetischen Weise, die den Fotosaurier begeisterte – folgend eine kurze erste Fotostrecke:

Aster_Altweiber_1-11_X-T2_60f2,4_klein

Bild 3

Dahlienknospe_X-T2_60f2,4_f5,6

Bild 4

Gr+KleineDahlie_X-T2_60f2,4_f11

Bild 5

Rosenspalier2_AWS_X-T2_60f2,4_f5,6

Bild 6

RosenKnospenKokon_X-T2_60f2,4_f5,6

Bild 7

Diese vorstehenden Bilder wurden alle mit Fujifilm X-T2 und dem Makro-Objektiv 60mm f2.4 bei F4…f5,6 am 31.10.2016 vormittags gemacht.

Mich hat zunächst die Diskrepanz zwischen der Datums-Angabe „oft im September“ in Wikipedia und dem hier dokumentierten Datum (31.10.) verwirrt… stieß dann aber auf alte Bauernregeln, die sagten, was passieren sollte, wenn der Altweibersommer am 1.11. oder 15.11. auftritt. Schließlich stieß ich auf statistische Aussagen von „MeteoSchweiz“, die feststellen, dass in den letzten 35  Jahren die größte Häufung des Wetter-Phänomens nun zwischen dem 25.10 und 27.10. liegen soll! Entsprechend müsste die Darstellung in Wikipädia wohl in Bezug auf jüngere Erkenntnisse einmal überarbeitet werden.

Die folgenden Bilder zeigen, dass es sich am 31.10./1.11.2016 tatsächlich um die für den Altweibersommer als typisch beschriebene Hochwetterlage mit klarer Luft handelte:

Wetter+Lichtfern_1-11_X-Pro2_35f1,4_f8

Bild 8: Wetterlage über dem Ehegrund am 1.11.2016, vormittags

Wetter+LichtNah_1-11_X-Pro2_35f1,4_f8

Bild 9: Altweibersommer-Licht am Garten am 1.11.2016

Die Spinn-Fäden, die hier zu sehen sind, stellen auch sicher nicht die „Flugfäden“ dar, mit denen die Baldachinspinne Entfernungen von mehreren hundert Kilometern überwinden soll. Die Fäden sind sicher „in Endlosproduktion“ um die Planzen herumgesponnen worden. Ich kenne auch von früher die herumfliegenden Fäden – habe sie aber dieses Jahr nicht beobachtet – wie ich auch überhaupt noch nie die „Baldachinspinne“ bewusst beobachtet habe. Für 2017 werde ich mich entsprechend vorbereiten und dann auf die (Foto-)Jagd nach dem Tierchen gehen, um sie – möglichst im Flug an ihrem Flugfaden!!! – hier präsentieren zu können….

Wenn man in die Bilder in Originalgröße „hineinspaziert“ (Anleitung: Klick auf das Bild – dann öffnet das Bild in Flickr – am Download-Symbol rechts außen „alle Größen“ wählen und in dem Fenster dann „Original“ wählen – allerdings wird die Originalgröße nur angeboten, wenn man auf Flickr angemeldet und eingeloggt ist – sonst werden max. 2048 Pixel Breite angeboten als „Groß“) sieht man deutlich, dass die Sichtbarkeit der hellen leuchtenden Gespinnste nicht von den extrem dünnen Spinnfäden bestimmt wird, sondern von einer lückenlosen engen Kette von Tautropfen, die auf den Spinnfäden wie Perlen auf einer Schnur sitzen (nicht zu verwechseln mit den „Klebetropfen“, die auf anderen Spinnfäden in größeren Abständen sitzen!). Die Tautropfen haben nach meiner Abschätzung etwa den 10 – 25-fachen Durchmesser verglichen mit dem Spinnfaden. Der Spinnfaden wird typischerweise mit 2,5 µm Durchmesser angegeben. Zum Vergleich: menschliches Kopfhaar hat Durchmesser von 25 – 90 µm!

Da das Spinnweben-Phänomen mit einer Hochdruck-Schönwetterlage verbunden ist, zieht tagsüber trockene Luft ein und die Tautropfen verschwinden mehr oder weniger schnell. Damit sinkt auch das Potential zur Tau-Bildung am folgenden Morgen: die Tautropfen werden dann deutlich kleiner ausfallen – und genau das sieht man auf den folgenden Bildern, die am 1.11.2016 morgens/vormittags entstanden sind.

Hier habe ich bewusst auch meine andere Digitalkamera, die Sony A7RII, verwendet. Da ich gerade in der Endphase der Arbeiten am ERNOSTAR-Bericht war, kam das über 90 Jahre alte Objektiv Ernostar 100f2.0  zum Einsatz, und zum Vergleich das Apo-Macro-Elmarit 100mm f2.8 aus den 80er/90er Jahren, das ich als „Referenzobjektiv“ bei 100mm Brennweite einsetze. Beide Objektive können an der Sony nur mit manuellem Focus eingesetzt werden, was mir aber stets eine sehr hohe Trefferquote bzgl. der Lage der Schärfeebene beschert!

Alle Aufnahmen freihand (Verschlußzeit nie unter 1/250 s! – trotz sensorgestütztem IS)

AWS-VglSpinnenwiese_A7RII_Apo-Elmarit100f2.8_f5,6

Bild 10: Betaute-Spinnweben-Wiese am Folgemorgen – jetzt mit Apo-Elmarit an der Sony mit 42,5 MP-Sensor

WieseNahAWS1-11_A7RII_Ernostar100f2_f6,3

Bild 11: Detail-Aufnahme der Wiese mit dem Ernostar 100f2.0 bei f6,3

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Bild 12: Dieselbe Rosenknospe wie bei Bild 2 jetzt am 1.11.2016 – mit dem Apo-Macro-Elmarit 100mm f2.8 – Bl.5,6

Rosenknospe1-11_A7RII_Ernostar100f2_f4

Bild 13: Hier etwas später dieselbe Szene mit dem Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.4 – die Schärfentiefe beträgt hier im Nahbereich am 42,5 MP-Sensor nur wenige mm in der Natur: aber in der Bildmitte liegt das über 90 Jahre alte Objektiv (ohne Vergütung!) in der Schärfe gleich auf mit dem legendären Leica-Boliden.

Man sieht im Vergleich zu Bild 2 deutlich, dass es sich noch um dasselbe Spinnen-Netz handelt – aber nun mit viel kleineren Tautropfen besetzt!

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Bild 14: Mit dem Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.13 – geschützter Bereich im Garten mit vielen größeren Tautropfen

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Bild 15: Mit dem Apo-Macro-Elmarit 100f2.8

AWS-VergleichDahlie_A7RII_Apo-Elmarit100f2.8_f5,6

Bild 16: Ebenfalls Apo-Elmarit 100mm f2.8 – Vergleichsbild zu Bild 15 – 17 im Ernostar-Artikel, Teil 1. In der Bildmitte erscheinen mir die Details mit dem 92 Jahre alten Ernostar sogar noch plastischer…

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Bild 17: Mit Ernostar 100f2.0 – hier waren die Tautropfen an den Spinnfäden bereits völlig verdampft – aber die Rosenblätter noch völlig tau-nass!

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Bild 18: Enger Ausschnitt um die Schärfe-Ebene aus Bild 16 (Apo-Elmarit) – vergrößern und tief eintauchen in diese pittoreske Raumwelt

Bei vielen dieser umsponnen-betauten-Blumenobjekten führt einen starke Vergrößerung (Bilder 18 + 19) zu geradezu phantastisch anmutenden 3D-Räumen, wenn man sie sich bei voller Vergrößerung im Original ansieht (über Flickr (s.o.) auf die Originalgröße gehen!)

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Bild 19: Mit Ernostar 100f2 eintauchen in phantastische 3D-Welt auf einer Dahlie

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Bild 20: Detail einer betauten Rose mit Apo-Macro-Elmarit 100mmf2.8 (Sony A7RII)

Diese Fotomotive sind sehr vergänglich! Sie entstehen über Nacht durch die unvorhersagbare Tätigkeit fast unsichtbarer Wesen und wohl besonders am frühen Morgen beim Fall des Taus und verändern sich mit Sonneneinfall und Luftbewegung von Stunde zu Stunde… Ich kenne nur ein anderes – in der Entstehung ähnliches – Phänomen, das noch wesentlich „volatiler“ (also flüchtiger) ist: Die Reifbildung. Sobald die Reifkristalle auf einer Pflanze oder einem Gegenstand im Sonnenlicht bizarr aufleuchten, beginnt ihre unaufhaltsame Zerstörung durch den Wärmeanteil derselben Strahlen! Man hat da wirklich nur wenige Minuten Zeit, um das im Bild festzuhalten!

Hier ist der Physiker in seinem Element: wenn es gilt zu begreifen, dass man ein Objekt niemals betrachten kann, ohne es zu verändern – das Objekt, das bilderzeugende Licht und der Betrachter bilden ein System, das miteinander unauflöslich verbunden ist. Ein Foto ist eine sehr schmale (zeitliche) Schicht, die wir aus diesem unauffhörlichen Fluß der Veränderung „herausschneiden“ – und dann als Lichtbild präsentieren. Diese Erkenntnis läßt mich einerseits sehr bescheiden werden in Bezug auf die Einschätzung meiner Möglichkeiten – manchmal macht es mich aber auch froh und zufrieden, wenn es mir gelungen ist, einzelne „Zeitscheibchen“ erhascht zu haben, die mein ästhetisches Empfinden befriedigen.

Jedes Altweibersommer-Bild ist ein „Unikat“: beginnend mit dem Wuchs der Pflanzen und der individuellen Aktivität der Spinnen haben dann Temperaturen, Luftfeuchtigkeit, Lage am Hang oder im Tal, Datum, Uhrzeit, Sonnenstand, Tageszeit, Luftbewegung Einfluss auf das Ergebnis … und nicht zuletzt das Auge und die Erfahrungen des Betrachters – und natürlich auch die Ausrüstung, die er verwendet. In hunderten von Jahren wird nicht eine völlig identische Aufnahme dieses Phänomens entstehen… das ist das für mich eigentlich Faszinierende an derartigen Naturfotografien!

Und noch eine Anmerkung: ob nun Tau, Altweibersommer oder Reifbildung – alle diese Naturphänomene haben eines gemeinsam: sie ereignen sich ausschließlich morgens – ggf. sogar am frühen Morgen. Es soll nun ja Menschen geben, deren Schlaf-Wach-Rhytmus derart gestaltet ist, dass sie diese Naturwunder NIE IN IHREM LEBEN zu sehen bekommen… man könnte auch einfacher sagen, dass diese Menschen keine Frühaufsteher sind!

Genau für diese Menschen leisten andere – wie ich – diese aufopferungsvolle Schaffenstätigkeit am frühen Morgen, damit auch sie einmal wenigstens im Bild sehen können, weche wunderbaren Dinge die Welt auch schon (und nur!) am frühen Morgen für uns bereit hält!

Ich erkläre hier mit Nachdruck, dass ich solche Aufnahmen niemals manipulieren würde! Alle Aufnahmen entstehen aus der von der Natur gebildeten Objekt-Situation bei vorhandenem, natürlichem Licht. Dies dann in der zur Verfügung stehenden Zeit einzufangen und zum „Lichtbild“ zu formen, befriedigt mich, wenn es gelingt! Die Situation manipuliert herbei zu führen ist nicht mein Ding!

Schöne Bilder zu machen, bei denen man irgendwie „nachgeholfen“ hat, ist völlig in Ordnung – wenn man dazu sagt, dass und wie man es gemacht hat….

fotosaurier, im Dezember 2016