Ernostar (die 2.) – Streulicht-Problem auf Anolog-Film?

Die Ernostar-Exkursion geht weiter….

Ich hatte zuletzt die Situation herausgearbeitet, dass am 42 MP-Sensor der Sony A7RII bei zunehmander Abblendung (deutlich über Bl.4,5) ein zentraler Streulichtfleck im Mittelbereich des Bildes entsteht, der zuhnehmend dort den Kontrast degradiert.

Am 24 MP-Sensor der Fujifilm X-Pro2 tritt diese Erscheinung nicht auf. Allerdings sind die Bilder nie direkt vergleichbar, da die Fuji nur APS-C-Format abdeckt.

Die Vermutung liegt nahe, dass der Streulicht-Fehler auf einer speziellen Wechselwirkung zwischen der Oberfläche des Sony-Sensors und dem Ernostar beruht und nicht eine reale Eigenschaft des Ernostar selbst ist.

Aber ich hätte es gerne genau gewußt!

Also muss der Fotosaurier nach über einem Jahrzehnt mal wieder zur Analog-Fotografie zurückkehren…. Schnell gesagt – nicht so leicht getan!

Denn: wie fotografiert man nun mit einer Optik mit M39-Gewinde und ohne Leica-spezifische Fokussiervorrichtungen des Objektivs auf Analog-Film? Und es geht ja nicht darum mal eben ein Bild zu machen: es sollten sehr präzise Vergleichsbilder gemacht werden…

Schritt 1: Eine Analog-Kamera dafür aussuchen!

1A) Da hatte ich eigentlich zunächst keine große Auswahl: die einzige Entfernungsmesser-Kamera mit M39-Gewinde, die ich zur Zeit besitze ist die Canon 7. Und welcher Film? Da wählte ich spontan meinen lange heißgeliebten Velvia 100.

Im folgenden Bild sieht man die Canon 7 – allerdings mit dem grandiosen Canon 85mm f/1.8, mit dem die Verglaichsaufnahmen auf dem selben Film gemacht werden sollten.

Canon-RF_7_85f1,8 Bild 1: Canon 7 (RF) mit dem legendären Canon 85mm f1.8

Schritt 2: Fokussieren!

Im ersten Ernostar Blog-Beitrag hatte ich bereits im Zusammenhang mit der Fokussierproblematik an der Fujifilm X-Pro2 über diese Idee berichtet: Objektiv an der Sony A7RII fokussieren, dann die Fokussierposition fixieren – umsetzen auf die andere Kamera: Foto. Zugegebenermaßen kein Verfahren für eine spontane Street-Fotografie-Situation – aber für Testaufnahmen machbar. Und an der Fuji funktionierte das ja auch schon ganz gut. In der Folge – und mit ein bisschen Übung – sollte sich das dann auch als probates Verfahren erweisen… schließlich gelang das tatsächlich absolut punkt-genau!

Schritt 3: Analog-Film prozessieren!

3A) Hier bin ich im ersten Anlauf gescheitert: den belichteten Velvia 100 gab ich in einem Drogeriemarkt zur Entwicklung ab…. was zurück kam, war eine Dia-Emulsion, die erstens total verdreckt war und zweitens so verquollen und verschwurbelt war, dass die Aufnahmen nur ungefähr wieder zu erkennen waren! No way! Aber wahrscheinlich selbst schuld… ich hätte wohl vorher jemanden fragen sollen, wo man heute ein Fotolabor seines Vertrauens finden kann….

Nun hatte ich schon ziemlich viel Zeit investiert und wollte nicht noch weiter eine Odyssee durch ein Neben-Thema der ganzen Geschichte durchlaufen.Ich erinnerte mich daran, weshalb ich 3/4 meines Lebens mit der Selbst-Entwicklung von Schwarz-Weiß-Filmen verbracht habe: das Fotolabor seines Vertrauens ist man SEBST! Also kurzfristig alles wieder beschafft (Mit On-Line-Einkauf war binnen 2 Tagen alles da!!!). Am dritten Tag hing der nach 11 Jahren der erste wieder selbst entwickelte SW-Film zum Trocknen da!

3B) Um mit der Belichtungszeit über einen breite Blendenbereich Reserve zu haben, wählte ich dieses Mal den geliebten alten 400er S/W-Film TRI-X-Pan für das Vorhaben aus. Keine Experimente: Entwicklung mit D76 1:2. Das war wie mit dem Radfahren: man verlernt es nicht! Für den angestrebten Zweck (Untersuchung der Streulicht-Situation in der Bildmitte) ist der Wechsel zum Schwarzweiß-Film kein Problem: Licht ist Licht!

1B) Vorher ging es aber zurück auf Los: plötzlich fiel mir ein, dass ich ja den so minimalistisch anmutenden Adapter-Ring „LTM (M39) auf LeicaM“ besaß. Damit kann ich M39-Objektive an eine ziemlich moderne Kamera – die Konica Hexar mit LeicaM-Bajonett anschließen… und noch das Leica Apo-Summicron 90f2,0 ASPH dazu als Referenz verwenden. Die Konica Hexar ist der Grund, weshalb ich keine Leica-M-Kamera besitze. Es ist eine Leica-M aber mit 1/4000 sec, Motor-Filmtransport und TTL-Belichtungsmessung. Die hat mir nicht nur bei Bl. 2,0 und 2,8 das Graufilter erspart, sondern auch noch den ganzen Film perfekt belichtet…

Hexar-RF+APO-Sum90
Bild 2: Konica Hexar – hier mit Leica M Apo-Summicron 90mm f/2 ASPH

Die Fokussierung ging genau wie vorher beschrieben über die Sony A7RII – nur inzwischen mit viel mehr Übung.

Aber vor die Digital-Datei von einem Analog-Film haben die Götter nun mal den Scanner gesetzt!

Schritt 4. Digital-Scan des Anolog-Filmes mit Reflecta RPS 10M und SilverFast 8

Nach einigen Stunden Einarbeitung funktioniert die Zusammenarbeit mit dem hochauflösenden Reflecta-Scanner RPS 10M gut. Nur die mitgelieferte Scansoftware läuft irgendwie sehr „hakelig“ – könnte auch an mir gelegen haben. Ich bin der Sache nicht völlig auf den Grund gegangen.

Also habe ich noch eine weitere Runde gedreht und auch noch in die SilverFast-Software investiert. Da ging die Sache nach kurzer Einarbeitung dann wie geschmiert – zumal das Programm Voreinstellungen für Filme wie Tri-X besitzt! Wichtig ist für präzise pixelgenaue Vergleichs-Scans, dass man Optimierungsmodule wie Schärfen und Staubbeseitigung völlig ausschaltet!

Schritt 5. Und damit liegt nun der Anolog-Film-Gegencheck auf SW-Film vor:

5A) Belichtungsreihe mit dem Ernostar 100mm f/2,0:

Tri-X_Ernostar100f2_f2,0 (2) Bild 3: Ernostar 100 f/2,0 mit Bl. 2,0 auf Tri-X Tri-X_Ernostar100f2_f4,5 (2)

Bild 4: Ernostar 100 f/2,0 mit Bl. 4,5 auf Tri-X

Tri-X_Ernostar100f2_f13 Bild 5: Ernostar 100 f/2,0 mit Bl. 13,0 auf Tri-X Ich erkenne auf diesen Bildern keine Anzeichen von Streulicht-Halo oder Kontrastminderung in der Bildmitte! Was zu beweisen war: Streulichtreflexe zwischen Sensoroberfläche und Linsenflächen des Ernostar (ohne Vergütung!) sind die Ursache für den effekt am Sony-Senor der A7RII. Da wir einmal dabei sind, füge ich die unter identischen Bedingen auf demselben Tri-X-Film belichteten und entwickelten Aufnahmen mit dem Leica Apo-Summicron-M 90mmf2.0 ASPH

Tri-X_ApoSumAsph90f2_f5,6

Bild 6: Leica Apo-Summicron-M 90mmf2.0 ASPH bei Bl. 5.6 an der Konca Hexar RF auf Tri-X Pan (vergessen vorher auf dem Film Staub abzublasen)

und mit dem Kult-M39-Objektiv Canon 85mm f1.8 hinzu.

Tri-X_Crf85f1,8_f8korrGrau

Bild 7: Canon RF (M39) 85mm f1,8 bei Bl. 8 an der Konca Hexar RF auf Tri-X Pan

Qualitätsvergleich der drei Objektive auf Analog-Film:

Ich habe die Bildausschnitte der drei Brennweiten 100mm, 90mm und 85 mm angeglichen, damit die Übersichtsbilder hier gleich erscheinen. Geht man allerdings auf die volle Vergrößerung, ist der Effekt der unterschiedlichen Brennweiten wieder sichtbar.

Ich hatte nicht erwartet, bei Verwendung des Tri-X ISO400 (belichtet wie ISO320) einen nenneswerten Unterschied in der Bildqualität in der Bildmitte zu finden, da das Korn dies vermutlich verhindern dürfte, so fein aufzulösen. Erwartet hatte ich einen deutlich höheren Bildkontrast mit dem Leica Apo…

Die Tri-X-Scans haben eine Auflösung, die 25 MP bei einer Kamera entsprechen würden. Ich war jetzt aber wieder verblüfft über die Kantenschärfe der Bilder auf den relativ grobkörnigen Film… phänomenal!

Zu der gewählten Aufnahmeszene „Siedlung am Hang“: diese hat für mich den Vorteil, dass durch die enge Tiefenstaffelung der Szene ein Fokussierfehler leicht dadurch zu entdecken ist, dass nicht der Bereich, auf den ich scharf stellen will (die Spitze des Dachfirstes mit dem flachen Neigungswinkel etwa in der unteren Bildmitte) sondern ein Bereich davor oder dahinter… und es gibt auch in der geplanten Schärfe-Ebene Elemente nahe dem Bildrand oder sogar nahe der Bildecke.

Klar, wie zu erwarten, dass das Ernostar von 1922 am Rand und in der Ecke mit den beiden „jüngeren“ Objektiven nicht mit kommt! Hervorragend, wie sich das Canon-Objektiv von 1961 am Rand schlägt!

Verblüffenderweise ist hier allerdings in der Bildmitte das Ernostar bei der Auflösung leicht im Vorteil – auch gegenüber dem doch schon sehr modernen Apo-Summicron 90mm f2.0 ASPH von ca. 1990. Frank Mechelhoff hat ja in einem seiner Artikel darauf hingewiesen dass dieses Objektiv einen sehr ähnlichen Linsenschnitt (5-Linser!) hat wie das Canon RF 85mm f1.8.

Vielleicht entsteht der Eindruck in diesem Vergleich aber nur durch die unterschiedlichen Brennweiten (10% stärkere Vergrößerung mit dem Ernostar…).

Ich werde das baldmöglichst in einem weiteren Bericht mit einem sehr feinkörnigen Film und mit dem hoch-auflösenden Fuji-Sensor für die Bildmitte versuchen zu verifizieren.

Fazit: der Streulicht-Halo in der Bildmitte mit dem Ernostar an der Sony A7RII ist ein Artefakt, das durch die Kombination Objektiv/Sensor entsteht. Zwischen Bl. 2 und 4 hat man aber an der Sony auch eine hervorragende Bildqualität. Randscharfe Bilde erfordern mit dem Ernostar Bl. 8-16. Diese sind mit der Sony im Vollformat nicht brauchbar.

Daher werde ich hier einen anderen Weg beschreiten: das Ernostar „liegt derzeit im OP“ und wird auf einen anderen Kamera-Anschluß umoperiert… mehr dazu in Kürze!

fotosaurier, 07.Februar 2017

(P.S.: … leider nicht „bald“ möglich gewesen: Dem Autor kam ein Umzug von Mittelfranken nach Berlin mit entsprechender „Aklimatisierung“ und eine zweite Hüft-Endoprothese dazwischen … aber nun bald! Der Text ist schon fertig! Berlin, den 3. Okt. 2018 )

Altweibersommer 2016

Stellen Sie sich vor: tausende von winzigen Baldachinspinnen verabreden sich  über Nacht zu einem Flash-Mob im Garten…

Was Sie am nächsten Morgen erblicken sieht dann etwa so aus:

WieseEingesponnen_X-T2_60f2,4_f8

Bild 1: Wiese morgens im Altweibersommer – Fujifilm X-Pro2 – 60mmf2.4, f8

Nicht nur dem fotosaurier fällt bei diesem Anblick sofort der Begriff „Altweibersommer“ ein… und wie es sich für ihn gehört, hat er eine gute Kamera schnell greifbar, um von dem faszinierenden Phänomen ein paar Lichtbilder zu machen.

Rosenknospe_X-T2_60f2,4_f7,1

Bild 2: Rosenknospe morgens im Altweibersommer – Fujifilm X-Pro2 – 60mmf2.4, f7,1

Ich kann bezeugen, dass in unserem Garten nachts keine alten Weiber sitzen und spinnen und weben… Der aufgeklärte Mensch erkennt sofort, dass hier Spinnen am Werk waren, denen sicher nicht bewusst ist, dass sie mit ihrer Arbeit einen Fotoamateur glücklich machen können. Es sei gleich hinzugefügt, dass der Begriff „Altweibersommer“ auch unter dem Aspekt der politischen Korrektheit unbedenklich ist: es gibt wohl ein Landgerichtsurteil (1989), laut dem eine reifere Dame durch diesen Begriff nicht „beleidigungsfähig“ sei!

Als Wikipedia-Unterstützer erlaube ich mir, dies hier zu zitieren:

Altweibersommer ist die – keinesfalls frauendiskriminierende! – Bezeichnung für eine meteorologische Singularität. Es handelt sich um eine Phase gleichmäßiger Witterung im Spätjahr, oft im September, die durch ein stabiles Hochdruckgebiet und ein warmes Ausklingen des Sommers gekennzeichnet ist.

Nach der einen Erklärung leitet sich der Name von Spinnfäden her, mit denen junge Baldachinspinnen im Herbst durch die Luft segeln. Der Flugfaden, den die Spinnen produzieren und auf dem sie durch die Luft schweben, erinnert die Menschen an das graue Haar alter Frauen. Mit „weiben“ wurde im Althochdeutschen das Knüpfen der Spinnweben bezeichnet. Nach der anderen Erklärung, in der von Kluge/Seebold die „vielleicht“ ursprüngliche, von Pfeifer hingegen „wahrscheinlicher“ eine sekundäre Bedeutung gesehen wird, liegt dem Wort das Motiv der zweiten Jugend bei Frauen, die als unzeitig und nur kurze Zeit dauernd angesehen wird, zugrunde.

Wie schon das Bild 2 überdeutlich zeigt, haben die Spinnen-Netze eine ganz andere Struktur als die sonst im Sommer üblichen symmetrischen radförmigen Netze in den Zwischenräumen zwischen Stauden, Büschen etc.: vielmehr sind die Pflanzen und Gegenstände selbst „umsponnen“ – wie ich finde in einer poetischen Weise, die den Fotosaurier begeisterte – folgend eine kurze erste Fotostrecke:

Aster_Altweiber_1-11_X-T2_60f2,4_klein

Bild 3

Dahlienknospe_X-T2_60f2,4_f5,6

Bild 4

Gr+KleineDahlie_X-T2_60f2,4_f11

Bild 5

Rosenspalier2_AWS_X-T2_60f2,4_f5,6

Bild 6

RosenKnospenKokon_X-T2_60f2,4_f5,6

Bild 7

Diese vorstehenden Bilder wurden alle mit Fujifilm X-T2 und dem Makro-Objektiv 60mm f2.4 bei F4…f5,6 am 31.10.2016 vormittags gemacht.

Mich hat zunächst die Diskrepanz zwischen der Datums-Angabe „oft im September“ in Wikipedia und dem hier dokumentierten Datum (31.10.) verwirrt… stieß dann aber auf alte Bauernregeln, die sagten, was passieren sollte, wenn der Altweibersommer am 1.11. oder 15.11. auftritt. Schließlich stieß ich auf statistische Aussagen von „MeteoSchweiz“, die feststellen, dass in den letzten 35  Jahren die größte Häufung des Wetter-Phänomens nun zwischen dem 25.10 und 27.10. liegen soll! Entsprechend müsste die Darstellung in Wikipädia wohl in Bezug auf jüngere Erkenntnisse einmal überarbeitet werden.

Die folgenden Bilder zeigen, dass es sich am 31.10./1.11.2016 tatsächlich um die für den Altweibersommer als typisch beschriebene Hochwetterlage mit klarer Luft handelte:

Wetter+Lichtfern_1-11_X-Pro2_35f1,4_f8

Bild 8: Wetterlage über dem Ehegrund am 1.11.2016, vormittags

Wetter+LichtNah_1-11_X-Pro2_35f1,4_f8

Bild 9: Altweibersommer-Licht am Garten am 1.11.2016

Die Spinn-Fäden, die hier zu sehen sind, stellen auch sicher nicht die „Flugfäden“ dar, mit denen die Baldachinspinne Entfernungen von mehreren hundert Kilometern überwinden soll. Die Fäden sind sicher „in Endlosproduktion“ um die Planzen herumgesponnen worden. Ich kenne auch von früher die herumfliegenden Fäden – habe sie aber dieses Jahr nicht beobachtet – wie ich auch überhaupt noch nie die „Baldachinspinne“ bewusst beobachtet habe. Für 2017 werde ich mich entsprechend vorbereiten und dann auf die (Foto-)Jagd nach dem Tierchen gehen, um sie – möglichst im Flug an ihrem Flugfaden!!! – hier präsentieren zu können….

Wenn man in die Bilder in Originalgröße „hineinspaziert“ (Anleitung: Klick auf das Bild – dann öffnet das Bild in Flickr – am Download-Symbol rechts außen „alle Größen“ wählen und in dem Fenster dann „Original“ wählen – allerdings wird die Originalgröße nur angeboten, wenn man auf Flickr angemeldet und eingeloggt ist – sonst werden max. 2048 Pixel Breite angeboten als „Groß“) sieht man deutlich, dass die Sichtbarkeit der hellen leuchtenden Gespinnste nicht von den extrem dünnen Spinnfäden bestimmt wird, sondern von einer lückenlosen engen Kette von Tautropfen, die auf den Spinnfäden wie Perlen auf einer Schnur sitzen (nicht zu verwechseln mit den „Klebetropfen“, die auf anderen Spinnfäden in größeren Abständen sitzen!). Die Tautropfen haben nach meiner Abschätzung etwa den 10 – 25-fachen Durchmesser verglichen mit dem Spinnfaden. Der Spinnfaden wird typischerweise mit 2,5 µm Durchmesser angegeben. Zum Vergleich: menschliches Kopfhaar hat Durchmesser von 25 – 90 µm!

Da das Spinnweben-Phänomen mit einer Hochdruck-Schönwetterlage verbunden ist, zieht tagsüber trockene Luft ein und die Tautropfen verschwinden mehr oder weniger schnell. Damit sinkt auch das Potential zur Tau-Bildung am folgenden Morgen: die Tautropfen werden dann deutlich kleiner ausfallen – und genau das sieht man auf den folgenden Bildern, die am 1.11.2016 morgens/vormittags entstanden sind.

Hier habe ich bewusst auch meine andere Digitalkamera, die Sony A7RII, verwendet. Da ich gerade in der Endphase der Arbeiten am ERNOSTAR-Bericht war, kam das über 90 Jahre alte Objektiv Ernostar 100f2.0  zum Einsatz, und zum Vergleich das Apo-Macro-Elmarit 100mm f2.8 aus den 80er/90er Jahren, das ich als „Referenzobjektiv“ bei 100mm Brennweite einsetze. Beide Objektive können an der Sony nur mit manuellem Focus eingesetzt werden, was mir aber stets eine sehr hohe Trefferquote bzgl. der Lage der Schärfeebene beschert!

Alle Aufnahmen freihand (Verschlußzeit nie unter 1/250 s! – trotz sensorgestütztem IS)

AWS-VglSpinnenwiese_A7RII_Apo-Elmarit100f2.8_f5,6

Bild 10: Betaute-Spinnweben-Wiese am Folgemorgen – jetzt mit Apo-Elmarit an der Sony mit 42,5 MP-Sensor

WieseNahAWS1-11_A7RII_Ernostar100f2_f6,3

Bild 11: Detail-Aufnahme der Wiese mit dem Ernostar 100f2.0 bei f6,3

Rosenknospe1-11_A7RII_Apo-Elmarit100f2.8_f5,6

Bild 12: Dieselbe Rosenknospe wie bei Bild 2 jetzt am 1.11.2016 – mit dem Apo-Macro-Elmarit 100mm f2.8 – Bl.5,6

Rosenknospe1-11_A7RII_Ernostar100f2_f4

Bild 13: Hier etwas später dieselbe Szene mit dem Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.4 – die Schärfentiefe beträgt hier im Nahbereich am 42,5 MP-Sensor nur wenige mm in der Natur: aber in der Bildmitte liegt das über 90 Jahre alte Objektiv (ohne Vergütung!) in der Schärfe gleich auf mit dem legendären Leica-Boliden.

Man sieht im Vergleich zu Bild 2 deutlich, dass es sich noch um dasselbe Spinnen-Netz handelt – aber nun mit viel kleineren Tautropfen besetzt!

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Bild 14: Mit dem Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.13 – geschützter Bereich im Garten mit vielen größeren Tautropfen

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Bild 15: Mit dem Apo-Macro-Elmarit 100f2.8

AWS-VergleichDahlie_A7RII_Apo-Elmarit100f2.8_f5,6

Bild 16: Ebenfalls Apo-Elmarit 100mm f2.8 – Vergleichsbild zu Bild 15 – 17 im Ernostar-Artikel, Teil 1. In der Bildmitte erscheinen mir die Details mit dem 92 Jahre alten Ernostar sogar noch plastischer…

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Bild 17: Mit Ernostar 100f2.0 – hier waren die Tautropfen an den Spinnfäden bereits völlig verdampft – aber die Rosenblätter noch völlig tau-nass!

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Bild 18: Enger Ausschnitt um die Schärfe-Ebene aus Bild 16 (Apo-Elmarit) – vergrößern und tief eintauchen in diese pittoreske Raumwelt

Bei vielen dieser umsponnen-betauten-Blumenobjekten führt einen starke Vergrößerung (Bilder 18 + 19) zu geradezu phantastisch anmutenden 3D-Räumen, wenn man sie sich bei voller Vergrößerung im Original ansieht (über Flickr (s.o.) auf die Originalgröße gehen!)

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Bild 19: Mit Ernostar 100f2 eintauchen in phantastische 3D-Welt auf einer Dahlie

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Bild 20: Detail einer betauten Rose mit Apo-Macro-Elmarit 100mmf2.8 (Sony A7RII)

Diese Fotomotive sind sehr vergänglich! Sie entstehen über Nacht durch die unvorhersagbare Tätigkeit fast unsichtbarer Wesen und wohl besonders am frühen Morgen beim Fall des Taus und verändern sich mit Sonneneinfall und Luftbewegung von Stunde zu Stunde… Ich kenne nur ein anderes – in der Entstehung ähnliches – Phänomen, das noch wesentlich „volatiler“ (also flüchtiger) ist: Die Reifbildung. Sobald die Reifkristalle auf einer Pflanze oder einem Gegenstand im Sonnenlicht bizarr aufleuchten, beginnt ihre unaufhaltsame Zerstörung durch den Wärmeanteil derselben Strahlen! Man hat da wirklich nur wenige Minuten Zeit, um das im Bild festzuhalten!

Hier ist der Physiker in seinem Element: wenn es gilt zu begreifen, dass man ein Objekt niemals betrachten kann, ohne es zu verändern – das Objekt, das bilderzeugende Licht und der Betrachter bilden ein System, das miteinander unauflöslich verbunden ist. Ein Foto ist eine sehr schmale (zeitliche) Schicht, die wir aus diesem unauffhörlichen Fluß der Veränderung „herausschneiden“ – und dann als Lichtbild präsentieren. Diese Erkenntnis läßt mich einerseits sehr bescheiden werden in Bezug auf die Einschätzung meiner Möglichkeiten – manchmal macht es mich aber auch froh und zufrieden, wenn es mir gelungen ist, einzelne „Zeitscheibchen“ erhascht zu haben, die mein ästhetisches Empfinden befriedigen.

Jedes Altweibersommer-Bild ist ein „Unikat“: beginnend mit dem Wuchs der Pflanzen und der individuellen Aktivität der Spinnen haben dann Temperaturen, Luftfeuchtigkeit, Lage am Hang oder im Tal, Datum, Uhrzeit, Sonnenstand, Tageszeit, Luftbewegung Einfluss auf das Ergebnis … und nicht zuletzt das Auge und die Erfahrungen des Betrachters – und natürlich auch die Ausrüstung, die er verwendet. In hunderten von Jahren wird nicht eine völlig identische Aufnahme dieses Phänomens entstehen… das ist das für mich eigentlich Faszinierende an derartigen Naturfotografien!

Und noch eine Anmerkung: ob nun Tau, Altweibersommer oder Reifbildung – alle diese Naturphänomene haben eines gemeinsam: sie ereignen sich ausschließlich morgens – ggf. sogar am frühen Morgen. Es soll nun ja Menschen geben, deren Schlaf-Wach-Rhytmus derart gestaltet ist, dass sie diese Naturwunder NIE IN IHREM LEBEN zu sehen bekommen… man könnte auch einfacher sagen, dass diese Menschen keine Frühaufsteher sind!

Genau für diese Menschen leisten andere – wie ich – diese aufopferungsvolle Schaffenstätigkeit am frühen Morgen, damit auch sie einmal wenigstens im Bild sehen können, weche wunderbaren Dinge die Welt auch schon (und nur!) am frühen Morgen für uns bereit hält!

Ich erkläre hier mit Nachdruck, dass ich solche Aufnahmen niemals manipulieren würde! Alle Aufnahmen entstehen aus der von der Natur gebildeten Objekt-Situation bei vorhandenem, natürlichem Licht. Dies dann in der zur Verfügung stehenden Zeit einzufangen und zum „Lichtbild“ zu formen, befriedigt mich, wenn es gelingt! Die Situation manipuliert herbei zu führen ist nicht mein Ding!

Schöne Bilder zu machen, bei denen man irgendwie „nachgeholfen“ hat, ist völlig in Ordnung – wenn man dazu sagt, dass und wie man es gemacht hat….

fotosaurier, im Dezember 2016

Aus dem Leben einer Schnecke

Eine prä-faktische Schneckengeschichte…

Veronika ist eine Sommerblume, die aussieht, als wäre sie von einem Jugendstil-Künstler geschaffen worden.

VeronikaSchön

Wahrscheinlich ist es aber umgekehrt gewesen…

2.August 2016, sehr früher morgens im Frankenland…. Das wird ein großer Tag im Leben einer Schnecke werden!

SchneckVeronika_auf4

Oh, da oben ist der Mond: heut´ wage ich`s:

SchneckVeronika2_X-Pro2_60f2,4_f4

Ich werde die erste Schnecke sein, die die Reise zum Mond wagt.

SchneckVeronika_oben3

Äh – wo ist der Mond denn jetzt? Ich sehe ihn nicht mehr…

SchneckVeronika_X-Pro2_60f2,4_f4

Ganz klar: ich hab´s geschafft – auf dem Mond ist die einzige Stelle, an der man den Mond nicht sieht!

SchneckVeronika_oben1

Wie komme ich denn jetzt hier wieder runter – ich habe HUNGER… weite Reise!

SchneckVeronika_oben4

Ah, da ist eine Leiter… 

SchneckVeronika3_X-Pro2_60f2,4_f4

da gehts runter!

Nun heben bitte die die Hand, die noch nie etwas scheinbar Sinnloses getan haben!

(Ich weiß, es ist taktlos, in Anwesenheit von Schecken von einer „Hand“ zu sprechen!)

Eben höre ich noch ein Gerücht:

Bei den SchneckInnen grassiert die VERONIKA-PEAK-CHALLENGE !!!

Und ich hab das als einziger im Kasten: die Reporter-Schnecke ist natürlich wieder … ja: zu spät dran gewesen!

Alle Aufnahmen mit der Fujifilm X-Pro2 und dem Macro-Fujinon 60mm f2.4 bei f4,0 und f5,6. Autofocus – 2 Aufnahmen von 23 waren unscharf… Alle Bilder als JPEGs direkt aus der Kamera – kleine Ausschnitt-Korrektur – und „Auto-Kontrast“ in PS.

Die Fähigkeit zur extrem schnellen Bildfolge war bei dieser Wildlife-Strecke eher NICHT gefordert…

Mit lichtschnellem Gruß

Ihr fotosaurier

Die ERNOSTAR-Objektive – Geniestreich eines 23-jährigen? – Teil 1

Eine Hommage an Ludwig Bertele und Dr. Erich Salomon

von Herbert Börger, November 2016

Fazit:

Das Ernostar ist ein faszinierendes Optik-Design von (Jahr der Berechnung) 1922. mit dem heute immer noch wunderbare Bilder gemacht werden können – wenn man sich auf die damit verbundenen „Unbequemlichkeiten“ einläßt!

Überraschend: das Objektiv ist bereits bei Blende 2.0 für KB-Format BRAUCHBAR. Abgeblendet bietet es sehr gute Bildergebnisse … wenn der Sensor mitspielt!

Hier ein erstes Bildbeispiel im Nahbereich bei Blende 8 (Sony A7RII):

VeronikaMaul_A7RII_Ernostar-100f2_f11

Bild 1: Nahaufnahme Veronika-Blüten im morgendlichen Gegenlicht – Ernostar 100mm f2.0 bei f8 – Sony A7RII (JPEG-File, unbearbeitet mit Ausnahme von „Auto-Kontrast“)

Auf das Bild klicken, dann wird das Bild in Flickr geladen! Wenn man in Flickr rechts außen auf das Download-Symbol klickt, kann man die Bilder stets auch in der vollen Auflösung betrachten. Die volle Sensor-Auflösung wird als Bild aber nur sichtbar, wenn man bei Flickr angemeldet und auch eingeloggt ist – sonst ist die Bildgröße auf eine Breite von 2048 Pixel begrenzt.

Die Bildmitte liegt – abgeblendet um 2-3 Blenden – in der Auflösung auf dem Niveau heutiger Spitzenoptiken. Zu diesen modernen Optiken gibt es zwei gravierende Qualitäts-Unterschiede: Streulicht, da die Optik noch kein Coating besitzt, sowie den damals noch unvermeidlichen Kontrast- und Auflösungs-Abfall zum Rand. Während heute Optiken (auch sehr lichtstarke!) oft schon bei Maximal-Öffnung oder um eine Blende abgeblendet maximale Auflösung und Kontrast besitzen, war es damals normal und akzeptiert, daß die Optik bis Blende 11 oder 16 abgeblendet werden musste, um ein gleichmäßigen Schärfe-Eindruck über das ganze Bildfeld zu erreichen.

Aus meinen bisher gewonnenen Erkenntnissen ziehe isch den Schluß, dass das Objektiv im Nahbereich (wir sollten hier nicht von „Makro“ sprechen) sogar eine ausgesprochene Stärke hat.

Beim Gebrauch mit modernen Digitalkamera-Sensoren ist bei allen historischen Objektiven Skepsis insofern angebracht, dass im Zusammenspiel von Optik und Sensor Artefakte entstehen können – und oft entstehen! – die nichts mit der Optik an sich zu tun haben.

Der Designer hatte logischerweise den analogen Film als Aufzeichnungs-Medium im Sinn! Die Oberflächen der Film-Emulsionen hatten ein weitgehend standardisiertes Verhalten gegen die auftreffenden Lichtbündel – relativ unabhängig vom Einfallswinkel der Strahlen. Digital-Bildsensoren sind technische Individuen, heute noch weit von jeder Standardisierung entfernt.

Ergebnisse, die mit einem adaptierten Analog-Objektiv an einem Digital-Sensor gewonnen werden, sind keinesfalls „objektiv“.

Dem Thema Kompatibilität von historischen Analog-Objektiven mit Digital-Sensoren werde ich einen ausführlichen Blog-Beitrag im Dezember 2016 widmen.

(Zum Anzeigen der Bilder in voller Größe: 

Auf das Bild klicken (1x) – das Bild wird in Flickr geöffnet. Rechts außen auf das Download-Symbol klicken: dann die Auswahl „Alle Größen anzeigen“ anklicken. Es erscheint das Bild in neuem Fenster mit einer Liste der Größen darüber. Nun auf „Original“ klicken. Zürück mit dem Rück-Pfeil im Flickr-Fenster!

Anscheinend existiert ein Fehler in meiner Sony A7RII beim anlegen der EXIF-Datei zum jeweiligen Bild. Bei manchen Bildern in diesem Beitrat – z.B. bei Bild 1 –  steht unter der Kamera als Objektiv „Voigtlander SUPER WIDE-HELIAR 15mm F4.5 III“. Eigentlich hätte da ein Strich oder nichts stehen müssen, da das adaptierte Ernostar ja keine Datenschnittstelle hat. Sie können sich darauf verlasssen, dass ich in der Bildunsterschrift das RICHTIGE Objektiv benenne. Ob der beschriebene EXIF-Fehler vermeidbar ist, muss ich erst noch genauer untersuchen….)

Die Vorgeschichte:

Vor Jahren stieß ich auf die Geschichte von Erich Salomon (1886-1944), der – auf Nebenwegen zum Journalismus und dabei aus Pragmatismus zur Fotografie gekommen – zum Schöpfer eines neuartigen Fotojournalismus wurde. Er galt damals als Shooting Star der internationalen Fotojournalismus-Szene, weil er die ab 1923 verfügbare Ermanox-Kamera mit dem Ernostar 100mm f2,0 konsequent zur Available-Light-Freihand-Fotografie einsetzte. Ernst Salomons Lebensgeschichte endete tragisch: als Jude gelang Ihm die Flucht vor den Nazis nur bis Holland. Dort wurde er zwar versteckt – aber dann ähnlich wie Anne Frank denunziert und 1944 im KZ ermordet.

Da die Ermanox eine Planfilm-Kamera (4,5 x 6 cm) ist, wäre ich zunächst im Traum nicht darauf gekommen, dieses früheste Beispiel eines lichtstarken Standbildkamera-Objektives selbst einmal für meine eigenen fotografischen Zwecke einzusetzen.

Im Rahmen meiner Foto-Optik-Liebhaberei stieß ich nun in den letzten 3 Jahren bei der Suche nach Informationen über die Optik-Entwicklungen der 1900er bis 1980er Jahre erneut auf das Ernostar 100f2,0 (bzw. die Weiterentwicklungen mit 85mm f1,8 … 165mm f1,8) von 1923 – 1926.

Man kann sich die Informationen stückchenweise zusammensuchen – oder die sehr empfehlenswerte Darstellung von Frank Mechelhoff („Taunusreiter“ – Cameras der 1950er, 1960er und 1970er, „Mein privates virtuelles Camera Museum“) nutzen – die auch noch sehr gut geschrieben und reich bebildert ist.

Fast unglaublich, welch großen Wurf dem 23-jährige Optik-Designer Ludwig Bertele zunächst bei Ernemann und dann nach 1926 übernommen von Zeiss da gelungen ist…. 

Und dann leitete Bertele daraus auch noch den Sonnar-Typ ab, der zum dominierenden Typ für lichtstarke Optiken besonders im KB-Format avancierte – solange die mangelnde oder sehr bescheidene Vergütungstechnik es notwendig machte, so wenige Glas-Luft-Flächen wie möglich zu verwenden.

Das ursprüngliche Ernostar hat praktisch immer mindestens 4, manchmal 5 Gruppen mit 4 – 6 Einzellinsen.

Das sind relativ viele Glas-Luft-Flächen, wenn man bedenkt, dass es keine Vergütung gab.

Am Ende Dieses Artikels werde ich auf die Ermanox/Sonnar-Thematik noch einmal zurück kommen.

Welches Motiv habe ich, mich mit einem solchen Subjekt zu befassen?

Ich bin Physiker und Ingenieur. Schon seit „Kindesbeinen“ war ich sehr an Optik interessiert. Gebt mir ein Stück Optik in die Hand, das ein Ingenieur klug erdacht hat und Ihr macht mich glücklich! Wenn dann noch ein Stück Technikgeschichte mit Innovation damit verbunden ist – um so mehr.

Seit Kindesbeinen bin ich auch Amateurfotograf. Beginnend mit einer 6X6cm Rollfim-Box in den späteren 1950er Jahren. Das selbst Entwickeln der Filme und Vergrößern der Bilder hat mich stark geprägt.

Ich bin aber kein Sammler – mein Antrieb ist der Technik-Hintergrund und der Wunsch zu verstehen, wie die Designer die Foto-Optik vorangetrieben haben. Mein Ziel ist zu erfahren: Was steckt dahinter? …und wie viel besser (und warum?!) sind heutige moderne Foto-Objektive wirklich verglichen mit historischen Lösungen – besonders seit den 1920er Jahren? 

Das Ernostar war (nach dem Tessar) eine der wichtigen Wegmarke auf dem Weg zur heutigen (Kleinbild-)Foto-Optik. Auch wenn es für die kleineren Mittelformate gemacht war – es war vor allem eines: sehr lichtstark in Verbindung einer schon recht handlichen Ermanox-Kamera! Es war auch sehr erfolgreich am Markt – logischerweise wurde allerdings das Ende dieser Kamera-Nische durch das Erscheinen der Leica mit Kleinbildfilm ab 1926 eingeläutet. Auch Erich Salomon wechselte dann verständlicherweise zu dieser neuen, noch unauffälliger zu verwendenden Kamera, zu der es aber eine Optik mit F2.0 erst ab 1933 gab (das Summar 50mmf2.0).

Es wird konkret:

Ich wurde neugierig: Kann man so eine Optik an eine moderne Digitalkamera anpassen und praktisch benutzen, um einen Eindruck davon zu bekommen, was eine Objektiv-Konstruktion leistet, die noch quasi mit den Methoden von Abbe`scher geometrischer Optik mit Rechenschieber berechnet wurden?

Ich sah mich im Internet um und stellte fest, ja – es werden vereinzelt Ermanox-Kameras angeboten. Aber über den Zustand wollte ich mir keine Illusionen machen…. Ein Stahlblechgehäuse aus den 20er Jahren mit Leder bezogen/beklebt… fast hundert Jahre alt!?

Dann fand ich heraus, dass hier offensichtlich schon seit längerer Zeit Freaks den Weg beschritten haben, das eigentlich relevante Ernostar-Objektiv „heraus zu operieren“ und an Kleinbild-Kameras zu adaptieren, was wegen der länglichen Brennweite > 85 mm auch für Spiegelreflex-Kameras funktioniert.

Ich habe dann eines der ursprünglichen Ernostar-Objektive 100mm f/2,0 adaptiert für Leica M39-Gewinde gefunden (natürlich ohne RF-Kupplung….). Der Sinn der Adaptierung an M39 erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht (darüber unten mehr): wie soll man mit einer Entfernungsmesser-Kamera auf den Punkt scharf stellen – zumal bei langer Brennweite und hoher Lichtstärke? Aber ich konnte M39 problemlos über vorhandene Adapter an Digitalkameras Sony-E-Mount oder Fuji-FX anschließen. Es stellt sich dabei nur die Frage: harmonieren Digital-Sensor und Optik miteinander?

Spiegellose Systemkameras haben hierfür den unschlagbaren Vorteil, dass für die manuelle Fokussierung dieser Optiken ausgezeichnete Fokussier-Hilfsmittel zur Verfügung stehen – wobei das Sony-E-System (ich benutze die A7RII) hier alle anderen in der Präzision überragt (12,5-fache Vergrößerung!) – basierend auf dem 42,5 MP-Vollformat-Chip.

Im Live-View kann man dabei in hoher Vergrößerung direkt auf dem Chip fokussieren – und zwar problemlos auch bei Abblendung auf f/11 oder gar f/16.

Das angebotene Ernostar 100mm f/2,0 kam aus der Ukraine, der Anbieter stellte umfangreiche Informationen zur Verfügung und hatte bei Ebay eine „weiße Weste“… Ich spreche hier grundsätzlich nicht über Preise von historischen Objektiven. Das Preisniveau ist zu ein einem gegebenen Zeitpunkt nicht immer sehr einheitlich. Allerdings spreche ich logischerweise über Käufe in der Vergangenheit – und ich sehe aber meine Aufgabe hier nicht darin, irgendwelche „Preis-Marken“ bei solchen Objekten in Umlauf zu setzen!

Allerdings kann ich feststellen, dass man beim Preis dieser Objektive durchaus dreimal schlucken muss – und sich eines gewissen Risikos  immer bewusst sein sollte, was man sich da wirklich einhandelt…

In diesem Fall ging alles glatt! Ich erhielt zuverlässig ein sauber adaptiertes Objektiv in hervorragendem Zustand,  das alle meine Erwartungen übertraf….

Ernostar_einzel_1

Bild 2: Ernostar 100mm f/2,0 umgebaut für LTM – M39.

Es ist genau der Objektiv-Typ, der auf dem Ermanox-Bild auf der Mechelhoff-Website zu sehen ist.

Zum Umbau ist das Ernostar in einen massiven Metall-Hohlzylinder eingelassen – Die Optik mit Sony-E-Adapter und Yoghurtbecher-Geli wiegt satte 1.205 gr – ich halte die Kombination mit der Sony A7Rii immer am Objektiv! Ich habe dann auch noch das Stativgewinde mit dem abnehmbaren Ring vom ApoElmar 100f2.8 angepasst.

Derzeit mache ich aber alle Aufnahmen frei Hand – was mit dem Stabi-System der A7Rii sehr gut gelingt (pixelscharf bei 42,5 MP!) – ISO von 200…800.

Ernostar100f2+Geli

Bild 3 zeigt das Objektiv mit dem von einem isländischen Yoghurtbecher abgeleitetem Gegenlichtblenden-Design (man ahnt hier, wo Zeiss bei Batis/Milvus/Otus Design-Anleihen gemacht hat, oder?).

Technische Daten Ernostar 100mm f2.0:

Brennweite: 10 cm

Max. Öffnungsverhältnis; 2,0 (…36)

Bildkreis –  BK (an der Ermanox-Kamera): 75 mm

Baujahr: wahrscheinlich. 1923/25 (Design von 1922, Ludwig Bertele, Fa. Ernemann – ab 1926 übernommen von Zeiss)

Serien-Nr.: 150197

Vermutlich 5 Linsen (4 Gruppen?)

Keinerlei Vergütung!

Naheinstellung mit Einfach-Schneckengang mit Geradführung: bis ca. 3 : 1 (KB)

Adaptiert auf LTM (M39)

Von mir verwendet: adaptiert an Sony E-Mount (A7RII, 42,5 MP, Vollformat 35 mm) und Fuji-X-Mount (APS-C mit 24 MP an der X-Pro2/X-T2).

Manuell fokussiert mit der Fokussier-Lupenfunktion.

Zunächst habe ich das Objektiv ohne Gegenlichtblende benutzt, denn die musste ja erst „entwickelt“ werden….

Die Optik hat einen extrem langen, sehr präzisen Schneckengang. Damit bekam ich einen unerwarteten Mehrwert: Nahaufnahmen bis 1:3 sind möglich! Und das mit einer überraschend hohen Qualität.

Die Kameras:

Logischerweise wird das Experiment mit einer spiegellosen Systemkamera durchgeführt, weil an die wegen des geringen Auflage-Maßes (=Abstand Sensoroberfläche zu Objektivanlage-Flansch) praktisch jedes historische Wechsel-Objektiv ADAPTIERT werden kann.

Die Sony A7RII ist wegen des Kleinbild-Formates (KB, 36mm x 24mm) und der hohen Auflösung von 42,5 Millionen-Pixeln (MP) besonders gut geeignet, weil die meisten historischen Objektive für Kleinbild-Format gerechnet sind. Ich besitze die Kamera seit ihrem Erscheinen 2015 und bin gut mit ihr vertraut. Ich habe schon dutzende historischer, analoger Optiken daran verwendet wodurch ich schon auf einen gewissen Erfahrungs-Schatz zurückgreifen konnte.

Ich wollte mich aber wegen dieser Erfahrungen nicht auf einen einzelnen Sensor verlassen.

Daher habe ich parallel die Fujifilm X-Pro2 (APS-C, 22,2mm x 14,8mm) und der Auflösung 24 MP eingesetzt. Wegen der kleineren Sensorfläche ist hier die lineare Auflösung mit 270 Pixel/mm sogar höher als bei der Sony mit ca. 220 Pixel/mm!

… und die Referenzobjektive:

A – Leica Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.8, das bei mir den Referenzstatus bei den 100mm-Objektiven hat und im direkten Vergleich auch die Naheinstellung erlaubt.

Es wurde bisher nur an der Sony im direkten vergleich benutzt.

B – Macro-Fujinon 60mm f2.4 – eine Original-Optik für das Fuji-X-System. Das einzige Makro-Objektiv, mit dem ich derzeit auch im Nahbereich den Autofocus problemlos einsetzen kann. Auf APS-C hat es die Vergleichsbrennweite 90mm zu Kleinbild.

Die Methodik:

Zunächst musste ich lernen, mit dem Objektiv umzugehen, d.h.: die manuelle Fokussierung im abgeblendeten Zustand zuverlässig zu bewältigen. Der Schneckengang ist sehr lang und eher schwergängig: aber er erlaubt sehr präzises Arbeiten – und der Kontrast im Sucher der A7RII ist immerhin so hoch, dass ich bis zu Bl. 13 zügig fokussieren kann. Die Optik hat eine gravierte Blendenreihe mit 2,0 – 3,5 – 4,5 – 6,3 – 9 – 13 – 25 – 36. Keine Rastung auf Blendenstufen. Man muss von vorne drauf schauen, um die Blende einzustellen. Allerdings fokussiere ich ohnehin immer bei der jeweiligen verwendeten Blende und nicht bei Offenblende, um den Fokus-Shift beim Abblenden auszuschließen. Diese geringfügige Verschiebung der Schärfenebene beim Abblenden ist relevant bei der genauen Untersuchung der Auflösung, vor allem, wenn bei längeren Brennweiten und lichtstarker Öffnung im Nahbereich der Schärfenbereich oft nur wenige Millimeter beträgt! Bei diesem Objektiv ist dieser Focus-Shift erstaunlicherweise deutlich geringer als bei manchen „modernen“ Objektiven.

Zunächst gilt der alte Grundsatz: um aus dem jeweiligen Equipment etwas herauszuholen muss man… fotografieren… fotografieren… fotografieren. Übung macht eindeutig den Meister.

Natürlich half dem Fotosaurier hier, dass er in Bezug auf manuelles Fokussieren ohnehin „Old-School“ ist…

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Bild 4: Kater Fritzi – Kopfporträt von oben – das Tier lief neben mir durch den Garten! Ernostar 100f2 an der Sony A7RII – ich hatte ca. 2 sec Zeit zum Fokussieren! Die Schärfentiefe am 42,5 MP-Sensor beträgt wenige Millimeter!

Nach meinen Erfahrungen ist die Erfolgsquote mit normalem Autofokus im Nahbereich eher schlechter als bei gut geübter manueller Fokussierung – allenfalls mit eingeschalteter Augenerkennung erzielt man bei Menschen und Tieren deutlich bessere Ergebnisse. Aber auch da weiß man bei einer „Spontan-Situation“ nicht vorher immer, welches Auge das „richtige“ sein wird…

Ich gehe hier so ausführlich auf diesen Punkt ein, damit Sie meine Ergebnisse richtig einordnen können: ohne intensive Übung, kommt beim Arbeiten mit einem solchen Objektiv nicht viel heraus. Hierfür habe ich mir einige Monate Zeit genommen.

Das folgende Bild 5 wurde mit Fujifilm und Autofokus aufgenommen – der Kater war auf dem Sprung (der Kenner sieht es am Blick), 2 Sekunden später schoß er los. Das Makroobjektiv 60f2.4 an der Fijifilm X-Pro2 mit 24 MP-Sensor ist das einzige meiner Makro-Objektive, das fast zuverlässig und blitzschnell im Nahbereich fokussiert.

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Bild 5: Kater Fritzi – vor dem Sprung! Fujinon 60f2.4 AF(!) an der Fujifilm X-Pro 2, Bl. 5.6 – ich hatte wieder max. 2 sec Zeit incl. Fokussieren! Absolut scharf ist das hintere Auge… Ohne eingeschaltete Augenerkennung fokussiert die Kamera in der Tiefe auf die Struktur, die den höchsten Kontrast hat…

Um die Ergebnisse mit dem Ernostar richtig einzuordenen, versuche ich gleichartige Aufnahmen mit dem Leica-R Apo-Macro 100 f/2,8 oder dem Fujinon Macro 60f2.4 daneben zu stellen. Es ist einer meiner ganz bewährten Klassiker, mit denen ich viel Erfahrung habe. Ich kenne kein für Digital gerechnetes Objektiv, das dieses in Schärfeleistung und Kontrast übertrifft! Ein modernes – für den Digital-Sensor gerechnetes 100er für KB habe ich nicht. 

Dieses Leica-R Apo-Macro 100 f/2,8 soll nun als modernere Analog-Referenz and der Sony gelten. Das Fujinon 60mm am linear in der „Filmebene“ noch höher auflösenden APS-C-Sensor soll den Vergleich zu einer modernen Rechnung für den Digitalsensor liefern.

Ich wollte hier keine unrealistische Verherrlichung der alten Linse vornehmen. Mein Ziel war, zu sehen: was hat die Entwicklung der Objektive in gut 90 Jahren gebracht und wohin hat uns das geführt? Das – ohne jedes Coating – erreichte Niveau des Veteranen hat mir in diesem Falle doch allerhöchsten Respekt abgenötigt – vor allem vor dem jungen Herrn Bertele – ein ganz großer Wurf!

Erste Aufgabe für den „Tester“ war es auf jeden Fall, sich einige Wochen und Monate in verschiedensten Situationen mit dem Objektiv praktisch vertraut zu machen!

Die Bildserie, die mich ursprünglich ganz besonders angefeuert hat, dieses Objektiv genauer „unter die Lupe“ zu nehmen entstand im Nahaufnahme-Bereich – freihändig bei Arbeitsblende fokussierte Nahaufnahmen der Veronica Blüten. Bild 1 ist das schönste Beispiel davon mit dem Ernostar: irgendwas zu meckern? – Aufnahme am frühen morgen 1/2 Stunde nach Sonnenaufgang direkt gegen die Sonne – allerdings mit dunklem Schatten im Hintergrund.

Das folgende Bild 6 eine Vergleichsaufnahme mit dem 60er Makroobjektiv an der X-Pro2…:

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Bild 6: Nahaufnahme Veronika-Blüten im morgendlichen Gegenlicht – Fujinon 60mm f2.4 Autofocus bei f8 – X-Pro2 (JPEG-File, unbearbeitet mit Ausnahme von „Auto-Kontrast“)

Ich glaube man braucht danach nicht viel mehr zu erklären, woher meine Begeisterung kommt, mich mit dem Ernostar genauer zu beschäftigen!

Bild 7 entstand während dieser Übungs- und Übungsphase in einem Hotel mit Spa…. Ernostar 100mm f/2.0 am Sony-42,5 MP-Sensor bei Bl. 8. Man sieht in der Bildmitte eine eindrucksvolle Detailzeichnung und zum Rand des Bildkreises (BK) von 43 mm das Bild langsam weicher werden (zur Erinnerung: das Objektiv ist für einen BK 75 mm gerechnet!) – aber es wirkt auf mich am Rand keineswegs „unscharf“.  Im kleineren Bildkreis des APS-C-Sensors ist das Bild bei Bl.9 bereits auf Pixelebene scharf bis zum Rand.

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Bild 7: Spa-Landschaft in Achenkirch ohne Sonne, mit niedrigem Kontrast -Ernostar 100f2  Bl.8 an der Sony A7RII – Schärfe liegt auf der „Nike“ –  (JPEG-File, unbearbeitet mit Ausnahme von „Auto-Kontrast“)

Das war jetzt viel delaillierte Beschreibung der verwendeten Technik und meiner Methodik.

Zur Entspannung und Einstimmung nun erst einmal einfach einige Bilder nur mit dem Ernostar an der Sony (ohne Vergleichsaufnahmen).

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Bild 8: Innenbereich des Spa – Ernostar 100f2.0 – bei f5,6 – Sony A7RII

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Bild 9: Ernostar 100f2.0 – bei f8 – Sony A7RII

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Bild 10: Ernostar 100f2.0 – bei f5,6 – Sony A7RII

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Bild 11: Ernostar 100f2.0 – bei f11 – Sony A7RII

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Bild 12: Ernostar 100f2.0 – bei f9 – Sony A7RII

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Bild 13: Ernostar 100f2.0 – bei f5,6 – Sony A7RII

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Bild 14: Ernostar 100f2.0 – bei f8 – Sony A7RII

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Bild 15: Dahlie im „Altweibersommer“ Ernostar 100f2.0 – bei f6,3 – Sony A7RII

Dieses letzte Bild 15 habe ich quasi als Paukenschlag platziert… jedenfalls hat das Ergebnis so auf mich gewirkt.Morgens kurz nach Sonnenaufgang gegen das Licht fotografiert (freihand – 1/1600 s)

Um das zu unterstreichen, hier drei Ausschnitte aus diesem Bild, jeweils ca. 1600 x 1600 Pixel groß aus dem Bild das ursprünglich 7938 x 5292 Pixel hatte (Sony A7RII):

Dahlie1_Erno100f2_Crop68-MR_1600x1600

Bild 16: Dahlie im „Altweibersommer“ Ernostar 100f2.0 – Ausschnitt Mitte 1600×1600 Pixel – bei f6,3 – Sony A7RII

Dahlie1A_Erno100f2_Crop67-ML_1750x1600

Bild 17: Dahlie im „Altweibersommer“ Ernostar 100f2.0 – Ausschnitt Mitte Links 1750×1600 Pixel – bei f6,3 – Sony A7RII

Das sind überzeugende Beispiele der makellosen Auflösungsleistung über einen größeren Bereich des Kleinbildbereiches. Ich finde auch den Übergang zur Unschärfebereich sehr angenehm bzw. harmonisch.

Dazu hier noch ein anderes, überzeugendes Beispiel für den Übergang von Scharf zu unscharf:

TauROS1_A7RII_Ernostar100f2_f5,6

Bild 18: Schärfeübergang im Nahbereich, Ernostar 100f2.0  bei f5,6 – Sony A7RII

Aber was ist mit der Leistung bei voller Offnung – Bl. 2,0?

Hier haben wir das Gegenstück zu Bild 7 (Bl. 8) , das mit Bl. 2,0 aufgenommen wurde:

AchenBeckenNike1_A7RII_Erno100f2_f2,0

Bild19: A7RII – Ernostar 100f2.0 – Bl. 2,0, Schärfe auf d1e „Nike“ gelegt

Hier der direkte Vergleich bei 100%-Darstellung:

AchenBeckenNike1_A7RII_Erno100f2_f2,0_crop100

Bild 20: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.2,0 (A7RII) – 100%-Ausschnitt nahe Mitte.

AchenBeckenNike1_A7RII_Erno100f2_f8_crop100

Bild 21: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.8,0 (A7RII) – 100%-Ausschnitt nahe Mitte.

Es ist zu erkennen, dass die Schärfe in der Bildmitte  sehr deutlich zunimmt (übrigens schon stark zu Bl. 3,5 – 4,5) – aber der Kontrast sinkt sogar, was daran liegt, dass die Schatten aufgehellt sind. Das gilt aber nur für die Bildmitte (in einem Bildkreis-Durchmesser 12-15 mm), am Rand steigt der Kontrast an.

Sehen wir uns dasselbe Detail aufgenommen mit der X-Pro2 an – leider nicht unter identischen Lichtverhältnissen: bei den folgenden Aufnahmen schien die Sonne.

Zunächst auch mit Blende 2,0:

AchenNike1_X-Pro2_Erno100f2_f2,0_crop100

Bild 22: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.2,0 (X-Pro2) – 100%-Ausschnitt nahe Mitte.

Und jetzt mit Blende 6,3:

AchenNike1_X-Pro2_Erno100f2_f6,3_crop100

Bild 23: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.6,3 (X-Pro2) – 100%-Ausschnitt nahe Mitte.

Hier erkennt man deutlich, dass der Kontrast bei Abblenden mit der Zunahme der Auflösung auch ansteigt, was dem normalen Verhalten einer solchjen Optik entspechen würde.

Hier erkennt man deutlich eine Farbverschiebung bei Abblenden: bei Bl.2,0 hat das Bild eher einen grün-blauen Stich, wird dann bei Bl.6,3 ins rötliche verschoben. Das liegt entweder an der Beteiligung des direkten Sonnenlichtes oder/und an der unterschieldichen Reaktion des automatischen Weißabgleiches – entspricht aber dem generellen Verhalten bei diesem Objektiv – auch am Sony-Sensor.

Nachdem ich diese Beobachtung gemacht habe, bin ich dem Kontrastverhalten in der Bildmitte gezielt nachgegangen.

In der folgenden Bildsituation ist das Kontrastverhalten am Sony-A7RII-Sensor deutlich zu erkennen – zuerst Blende 2,0 dann Blende 18:

Gärten1_Ernostar100f2_f2,0

Bild 24: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.2,0 (an A7RII) – KB-Vollbild.

Gärten1_Ernostar100f2_f18

Bild 25: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.18 (an A7RII) – KB-Vollbild.

Nun ist deutlich erkennbar, dass bei voller Öffnung das gesamte Bild einen ziemlich hohen Kontrast hat, dass sich beim Abblenden in einem zentralen Bildkreis mit ca. 15 mm Durchmesser ein heller Schleier auf das Bild legt. In einer vollständige Belichtungsreihe zeigt sich, dass der Kontrast bei Bl.2,8 noch gut ist (und Auflösung auch am Rand deutlich verbessert), bei Blende 4,5 ist das Bild noch „in Ordnung“ – ab Blende 5,6/6,3 bildet sich der Schleier in der Mitte deutlich erkennbar. Das Optimum dieser Kombination Ernostar/A7RII liegt im Bereich 2,8 – 4,5.

Hier der direkte Vergleich mit identischer Lichtsituation mit dem Referenobjektiv Leica Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.8:

Gärten1_ApoElmar100f2,8_f2,8

Bild 26:Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.8 bei Bl.2,8 (an A7RII) – KB-Vollbild.

Gärten1_ApoElmar100f2,8_f16

Bild 27:Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.8 bei Bl.16 (an A7RII) – KB-Vollbild.

Beim Apo-Makro-Elmar ist eine Kontrastreduzierung in der Bildmitte am Sony-Sensor nicht erkennbar – oder jedenfalls im Vergleich zum Bild bei voller Blendenöffnung nicht auffällig. Dabei wissen wir nicht, ob eigentlich eine Kontraststeigerung des Objektives an sich vorhanden wäre, die sich aber hier nicht entfalten kann.

Somit ziehe ich den Schluss, dass am Sony-Sensor mit dem Ernostar ein Streulicht-Schleier in der Bildmitte entsteht, der sensorspezifisch ist, da wir ihn mit demselben Objektiv am Fuji-Sensor nicht beobachten, andererseits aber auch objektivspezifisch, da er mit dem Apo-Elmar nicht oderjedenfalls nicht in dem starken Maße beobachtet wird.

Nach meinem derzeitigen Stand der Erkenntnis entsteht der Streulichtschleier durch helle Bildpartien im aktiven Bildkreis! Das folgende Bild zeigt sehr deutlich, dass mit einem großflächig dunklen Hintergrund mit Ernostar bei f6,3 am Sony-Sensor keinerlei Bildschleier entsteht, der das Bild in der Mitte beeinträchtigt:

JapKirsch_Ernostar100f2,0_f6,3

Bild 28: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.6,3 (an A7RII) – KB-Vollbild.

Wenden wir uns nun der Frage der Schärfe-Verteilung über das gesamte Kleinbild-Format zu. Hierzu verwende ich – wenn eine praktische Aufnahmesituation verwendet werden soll und kein genormtes Auflösungs-Target – am liebsten „mittelgrundige“ Architektur/Landschafts-Szenarien, da bei diesen vielfältige auch sehr feine Bildstrukturen vorhanden sind und die Witterung (Luftfeuchtigkeit!) keine nennenswerte Rolle spielt.

Hier also einmal Schloss Frankenstein (kein Witz!) in Ullstadt zuerst mit Ernostar und Apo-Elmar 100mm, beide abgeblendet auf f5,6:

SchlossFrankenstein_Ernostar100f2,0_f5,6

Bild 29: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.5,6 (an A7RII) – KB-Vollbild.

SchlossFrankenstein_ApoElm100f2,8_f5,6

Bild 30:Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.8 bei Bl.5,6 (an A7RII) – KB-Vollbild.

Bei mittlerer Vergrößerung betrachtet sind die Bilder mit beiden 100mm-Objektiven m.E. völlig gleichwertig. Der Streulichtschleier im Ernostar ist bei Bl 5,6 hier noch so gering, dass er nur erkennbar ist, wenn man von dem Problem weiß. (Bei Blende 4 wären die Bilder noch ähnlicher ausgefallen).

Die Schärfe wurde auf das Stuck-Wappen etwas links oben von der Mitte gelegt.

Nun zur 100%-Ansicht auf Pixelebene des Sony-Bildes. Die Ausschnitte haben etwa die Größe 1500 x 1100 pixel. Zunächst das Ernostar:

SchlossFrankenstein_Ernostar100f2,0_f5,6_LOcrop100

Bild 31: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.5,6 (an A7RII) – 100%-Ansicht Mitte-Links-Oben.

SchlossFrankenstein_ApoElm100f2,8_f5,6_LOcrop100

Bild 32:Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.8 bei Bl.5,6 (an A7RII) – 100%-Ansicht Mitte-Links-Oben.

Im direkten Vergleich bei 100% sieht man den Kontrastverlust beim Ernostar schon deutlich – aber die Auflösung ist hier bei beiden Objektiven in der Bildmitte mindestens gleichwertig!

Der dramatische Unterschied zwischen den beiden Objektiven liegt dann in der Abbildungsleistung am Bildrand! Hier der Vergleich – erst wieder Ernostar, dann Apo-Elmar:

SchlossFrankenstein_Ernostar100f2,0_f5,6_LLOOcrop100

Bild 33: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.5,6 (an A7RII) – 100%-Ansicht Rand-Links-Oben.

SchlossFrankenstein_ApoElm100f2,8_f5,6_LLOOcrop100

Bild 34:Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.8 bei Bl.5,6 (an A7RII) – 100%-Ansicht Rand-Links-Oben.

Noch eindrucksvoller präsentiert sich das Apo-Elmar mit seiner Leistung am Rand bei voller Öffnung – Auflösung praktisch schon gleich wie abgeblendet – daher der Referenz-Status bei mir! Ich meine, dass der Kontrast hier bei Bl.2,8 sogar deutlich besser als bei Bl.5,6 ist – vielleicht ein zeichen, dass das Apo-Elmar mit dem Sony-Sensor ebenfalls etwas Streulicht produziert.

SchlossFrankenstein_ApoElmar100f2,8_f2,8_LLOOcrop100

Bild 35:Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.8 bei Bl.2,8 (an A7RII) – 100%-Ansicht Rand-Links-Oben.

Diese Ansicht lohnt sich beim Ernostar bei Blende 2,8 nicht mehr aufzurufen… aber auch bei Blende 2,8 hält das Ernostar in der Bildmitte mit dem Apo-Elmar völlig gleich-auf mit! Und da stimmt auch der Kontrast an der Sony noch… Das ist für mich eine mehr als achtbare Leistung.

Ebenfalls bemerkenswert finde ich, dass – außer bei voller Öffnung Bl. 2,0 – das Ernostar keine nennenswerten Farbsäume an harten Kontrast-Kanten zeigt!

SchlossFrankenstein_Ernostar100f2,0_f2,8_Mcrop100

Bild 36: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.2,8 (an A7RII) – 100%-Ansicht Mitte – harte  Hell-Dunkel-Kontraste nahezu ohne Farbsäume!!! Ähnliche Qualität auch bis in die Ränder und Ecken!!!

Landschaft + Unendlich-Einstellung:

Die Beurteilung der Bildleistung eines Objektivs in tiefen Landschaften mit fernem Horizont kämpft grundsätzlich mit der Problematik langer Lichtwege durch die Luft und den damit verbundenen Einflüssen von Wetter (Luftfeuchtigkeit), Beleuchtungsverhältnissen (Tageszeit, Sonnenstand, Bewölkung) und Luft-Schichtungen – im Sommer auch mit Thermik-Schlieren!

Die manuelle Fokussierung ist dabei auch besonders kritisch – besonders bei hoch-auflösenden Sensoren und leistungsfähigen Objektiven, da kleinste Objektiv-Verschiebungen große Auswirkungen auf die Lage der Schärfe-Ebene haben.

Die diffuse Beleuchtung der Landschaft bietet im Allgemeinen die beste Basis um die Detailwiedergabe zu beurteilen. Harte Sonnenbeleuchtung zerstört bei allen Sonnenständen auch Details durch spitze Lichter und Schlagschatten. Schließlich liefert auch das flaueste Objektiv bei Streifendem Licht tolle Kontraste…..

Zwischen meiner Wohnung und dem fernen Horizont in einigen Kilometern Entfernung liegt ein flacher Talgrund – womit unter Normalbedingungen eine erhöhte Luftfeuchtigkeit = Dunst hinzunehmen ist (aber gesund!). Das erste Landschafts-Bild mit Ernostar bei voller Öffnung entstand noch im Hochsommer:

Hambühl_Ernostar100f2,0_f2,0

Bild 37: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.2,0 (an A7RII) – Volles KB-Format, Diffuses Licht, Schärfe liegt auf dem Kirchturm.

Volle Öffnung des Objektivs Bl.2,0. Ein tonal sehr ausgewogenes Bild, leicht warme Tönung trotz bedeckten Himmels (kann aber auch am Weißabgleich gelegen haben). Die Schärfe in der Bildmitte ist hervorragend und auch der Kontrast in der Bildmitte gut – selbstverständlich ist hier der Schärfeabfall zum Rand bei 100%-Ansicht des 42 MP-Bildes ganz erheblich, aber der Kontrast am Rand immer noch gut. Trotz voller Öffnung ist kaum Vignettierung zu sehen. Ich habe ja schon an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass noch bis in die 50er/60er Jahre als normal hinzunehmen war, dass man bis B.8 oder sogar Bl.16 abblenden musste, um Bilder mit einigermaßen gleichmäßigem Schärfeverlauf zum Rand zu bekommen.

Immerhin kann man diesses Bild – nach leichter Kontrastanhebung – bis zu A3 drucken, ohne dass der Schärfeabfall zum Rand stört! Keine schlechte Leistung für ein 92 Jahre altes Objektiv ohne Coating…

Nun läge es ja nahe, die Leistung des Objektives bei entsprechend starker Abblendung zu überprüfen. Allerdings wissen wir von den vorangegangenen Untersuchungen bereits, dass sich dann bei der Kombination A7RII+Ernostar100f2.0 in einem großen Bereich der Bildmitte ein sehr störender Streulichtschleier auf die Bildmitte legt – und dieser Effekt ist bei Landschaftsaufnahmen, die üblicherweise eine große helle Himmelsfläche als Bildelement enthalten, besonders stark ausgeprägt.

Beim Vergleich des Apo-Elmar 100f2.8 mit dem Ernostar 100f2.0 in dieser Aufnahmesituation ergab sich in der Bildmitte – mäßig auf 5,6/6,3 abgeblendet folgender überraschender Befund:

Ebenfalls diffuses Licht auf der Landschaft und leichter Dunst  also niedriger Kontrast, zeigt sich bei 100%-Ansicht der 42 MP-Bilder (ca. 1600 x 1100 Pixel) in der Bildmitte sogar ein Auflösungsvorteil für das Ernostar!

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Bild 38: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.6,3 (an A7RII) – 100%-Ansicht Mitte

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Bild 39:Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.8 bei Bl.5,6 (an A7RII) – 100%-Ansicht Mitte

Allerdings ist die Kontrastminderung durch Streulicht in den Schatten hier auch schon zu erkennen!

Am 20.November 2018 ergab sich plötzlich die Wettersituation, die an dieser Stelle sehr selten auftritt: absolut klare Luft und Windstille. Eine Gelegenheit, den Streulicht-Vergleich zwischen den beiden Sensoren unter günstigen Bedingungen zu überprüfen:

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Bild 40: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.2,8 (an A7RII) – KB-Vollformat – Klare Luft + Sonnenschein

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Bild 41: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.11 (an A7RII) – KB-Vollformat – Klare Luft + Sonnenschein

Hier sieht man den fast schon brutalen Kontrasteinbruch bei starkem Abblenden fast über das ganze Bildfeld. In dieser Situation bestätigt sich, dass das Streulicht oberhalb Blende 4,0 die deutlich auftritt. Folgend die 100%-Ausschnitte, die zeigen, wie stark die Schärfe am Rand bei starkem Abblenden zunimmt:

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Bild 42: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.2,8 (an A7RII) – 100%-Ausschnitt rechter Rand vom KB-Vollformat – Klare Luft + Sonnenschein

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Bild 43: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.11 (an A7RII) – 100%-Ausschnitt rechter Rand vom KB-Vollformat – Klare Luft + Sonnenschein

Diese Bildqualität würde beim Ausdruck mindestens bis A2 ausreichen! Die 100%-Ansicht zeigt beim Sony-Sensor das Bild ja mit ungefähr 1,2 Metern Vollformat-Breite.

Aber die Bildmitte wird bei Bl.11 leider völlig durch das Streulicht degradiert:

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Bild 44: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.11 (an A7RII) – 100%-Ausschnitt Mitte vom KB-Vollformat – Klare Luft + Sonnenschein

Dagegen noch einmal die Bildmitte bei Bl.2,8:

Hambühl_A7RII_Ernostar100f2,0_f2,8_Mcrop100

Bild 45: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.2,8 (an A7RII) – 100%-Ausschnitt Mitte vom KB-Vollformat – Klare Luft + Sonnenschein

Hier noch einmal derselbe Ausschnittt mit dem Apo-Elmar am Rand – zwar nicht mit der klaren Luft, aber die Detailwiedergabe hier zeigt deutlich, dass der größte Fortschritt von 1922 bis zu den 1980er Jahren in der Optik in der konstanten Auflösung bis zum Rand liegt:

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Bild 46:Apo-Macro-Elmarit R 100mm f2.0 bei Bl.5,6 (an A7RII) – 100%-Ausschnitt rechter Rand vom KB-Vollformat – Diffuses Licht, bedeckter Himmel

Anmerkungen zum zum genauen Fokussieren an Sony A7RII und Fujifilm X-Pro2:

Die extrem hohe Auflösung der benutzten Sensoren (linear 220 – 270 Pixel je mm) erfordert – besonders bei Brennweiten >35mm (KB-Äquivalent) extrem genaues Fokussieren. Das kann grundsätzlich nur mit manueller Fokussierung sicher geleistet werden (auch bei AF-Objektiven in Vergleichssituationen zu empfehlen!).

Der Vorteil der Digitalen System-Kamera ist, dass grundsätzlich im Live-View in dem Bild fokussiert wird, das der Sensor liefert. Die Kameras leifern heute Fokussierhilfen für das manuelle Fokussieren.Die Kantenanhebungsmethode ist dabei für unsere Bedürfnisse nicht genau genug. Man muss bei den längeren Brennweiten grundsätzlich die Vergrößerung im Sucherbild verwenden! Diese Vergrößerung ist bei der Sony A7RII mit 12,5-fach ausreichend (das ist die zweite Stufe!) – bei der Fuji X-Pro2 ist auch die höhere Vergrößerungs-Stufe nicht ausreichend für kritisches Fokussieren! Ich hatte einen sehr hohen %-Anteil ungenau fokussierter Bilder…

Um dieses Problem zu umgehen hatte ich schon vor einiger Zeit Folgendes ausprobiert:

Das Ernostar wurde an der Sony A7RII genau fokussiert, dann aus dem M39-Gewinde ausgeschraubt und in den M39-Adapter an der X-Pro2 wieder eingeschraubt. Das Fokussier-Gewinde ist in meinem Ernostar schwergängig genug, dass die Stellung nicht extra gesichert werden musste.

Das ging zunächst völlig schief!!! An der Sony hatte ich den NEXLEI-Adapter von Novoflex, an der Fuji irgendein billiges chinesisches Produkt (ca. 10:1 Kostenverhältnis….!). Das Problem bestand natürlich in dem nicht exakt gleichen Auflagemaß bei den beiden Adaptern (mehrere 1/10 mm Unterschied….) – wobei das für die Benutzung an einer einzelnen Kamera ohne Bedeutung wäre… nur hier gibt die Präzision natürlich den Ausschlag.

Also habe ich erst einmal den FUXLEI-Adapter von Novoflex besorgt….

Nexlei+Fuxlei

Bild 46: Das Präzisions-Adapter-Pärchen

… und gerade an diesem klaren Ausnahme-Tag 20.11. war ich bereit.

Tatsächlich waren nun alle vorher an der Sony fokussierten Einstellungen mit der Fuji auch auf den Punkt scharf!

Hier nun das entsprechende Vergleichs-Bild an der X-Pro2 mit dem Ernostar 100mm f2.0 bei Blende 6,3:

Hambühl_X-Pro2_Ernostar100f2,0_f6,3_iso400

Bild 47: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.6,3 (an X-Pro2, fokussiert an der A7RII) –  APS-C-Format – Klare Luft + Sonnenschein – wegen des sehr tiefen Sonnenstandes bei iso400 (Standard war sonst iso200 an A7RII) – weiter Abblenden ging nicht, da dann die Verschlußzeit zu lang geworden wäre (Sollwert ist <1/400 s)

Hier zum direkten Vergleich das Bild mit Bl.6,3 an der A7RII – das KB-Format wurde exakt auf den Ausschnitt des APS-C-Formates an der X-Pro2 beschnitten – die Bildgröße ist 5176 x 3504 Pixel, gegenüber 6000 x 4000 Pixel bei X-Pro2:

Hambühl_A7RII_Ernostar100f2,0_f6,3_cropAPS

Bild 48: Ernostar 100mm f2.0 bei Bl.6,3 (an A7RII) –  KB-Format beschnitten auf APS-C-Format – Klare Luft + Sonnenschein

Der Unterschied im Kontrast vor allem in Bildmitte ist zur Aufnahme an der X-Pro2 ist sehr deutlich.

Eine Lösung für das kameraseitige kritische Fokussier-Problem an der X-Pro2 (das auch für jede andere manuell zu fokussierende Optik besteht!) könnte in der Verwendung einer Zubehör-Sucherlupe liegen, die man hochklappen kann. Ich habe bereits einen Winkelsucher mit Vergrößerung 2,5-fach provisorisch angesetzt: damit würde die Fokussierungsgenauigkeit allen Anforderungen genügen. Ich arbeite dran!

Noch besser wäre es  allerdings, wenn Fujifilm dieses Problem kameraseitig dadurch lösen würde, dass man für diese 24 MP-Sensoren eine stärker vergrößernde Software-Fokussierlupenfunktion realisieren würde! Falls das mit einem Firmware-Update zu machen wäre: tut es bitte, Fuji !!!

An der X-Pro2 ist das Objektiv also fast ohne Einschränkungen nutzbar – Allerdings wäre das Objektiv für mich am APS-C-Format nicht so nützlich, da es dort eine KB-äquivalente Brennweite von 150mm besitzt. Das ist eine Brennweite, die ich bei meiner üblichen Arbeitsweise nicht so häufig verwende – als „echtes“ 100er an KB wäre es wesentlich nützlicher für mich.

Eine Lösung könnte darin liegen, einen der neuerdings verfügbaren „Booster“ zu verwenden (eigentlich ein „Brennweiten-Reduzierer“ – als Reducer seit sehr langer Zeit in der Astro-Optik bekannt). Mit dem (nach meinen bisherigen Erkenntnissen ausgezeichneten) Metabones „Booster ULTRA“ würde das Objektiv dann auf eine effektive Brennweite von 105mm kommen – mit dem Zusatznutzen einer Offenblende von f1,4 !!!

Außerdem könnte der „Booster“ – wie es bei den „Focal-Reducern“ in der Astro-Optik üblich ist – das Bildfeld etwas besser ebnen – wodurch die Randschärfe sich noch einmal deutlich verbessern könnte… (?)

Ich mag die Optik mit ihrem Bildcharakter sehr und das ist mir diesen Aufwand wert!

Zu überprüfen wäre, ob die gute Kompatibilität auch im abgeblendeten Zustand mit Booster an der X-Pro2 weiterhin besteht!

Mit dem existierenden M39-Anschluss geht das allerdings nicht. Ich werde das Objektiv daher als Nächstes auf einen SLR-Anschluß umrüsten, für den ich einen APS-C-Booster zum FX-Anschluß besitze. Danach werde ich wieder berichten.

Bisheriges FAZIT zum Ernostar 100mm f2.0:

Die Optik liefert in der Bildmitte bereits offen und vor allem ab Bl.2,8 sehr gute Auflösung und guten Kontrast. Der Kontrast ist bis zum Rand des KB-Formates ab Bl.2,8 ebenfalls gut, und das, obwohl das Objektiv keinerlei Vergütung besitzt! Die Schärfe am Rand legt bis mindestens Bl.18 extrem stark zu. Ab Bl.11 sollten Vergrößerungen bis mindestens A2 mit sehr guter Qualität über das KB-Bildformat möglich sein.

An dem Vollformat-Sensor der Sony A7RII bildet sich beim Abblenden des Ernostar über Bl.4,5 ein sehr stark störender Streulicht-Schleier, der sich bis Bl.18 auf das ganze Bild ausweitet und den Kontrast sehr stark degradiert! Dies ist keine Eigenschaft des Ernostar selbst, sondern entsteht durch die Kombination mit dem Sony-Sensor. Mit dem 24 MP-Sensor der Fuji X-Pro2 besteht diese Einschränkung nicht. Das Objektiv scheint damit an der Fuji-Kamera fast uneingeschränkt – die Vergrößerung der Fokussier-Lupeenfunktion ist allerdings für punktkritisches Arbeiten der Sensor-Auflösung von 270 Pixeln/mm nicht angemessen.

Nach diesen sensor-spezifischen Erfahrungen habe ich den Schluss gezogen, dass mich nur Aufnahmen auf Film zur vollen Wahrheit über die Eigenschaften Leistungsfähigkeit des Ernostar führen wird. Ich habe deshalb schon Aufnahmen mit dem Ernostar an meiner Rangefinder-Canon mit LTM-Anschluss gemacht, bei denen ich das Ernostar vorher an der Sony A7RII fokussiert habe. Ich warte auf die entwickelten Bilder, werde diese hochauflösend Scannen und dann wieder berichten.

Damit ist die Reise mit dem Ernostar 100mm f2.0 Bj. ca. 1923 vorläufig zuende – ein Teil 2 wird folgen, um die restlichen Fragen zu klären.

Auf bald!

Historische Anolog-Objektive und ihre Verträglichkeit mit Digitalsensoren:

Dies wird das Thema meines nächsten Blog-Beitrages sein. Ich hatte schon im Vorfeld der Ernostar-Untersuchungen mit mehreren Analog-Linsen einschlägige Erfahrungen mangelnder Kompatibilität mit Digital-Sensoren gemacht.

Dies ist ein weites Feld, denn jedes Objektiv und jeder Sensor ist ein Individuelles, komplexes technisches Meisterwerk. Allerdings habe ich nicht vor, reihenweise verschiedene Sensoren zu testen… es wird bei den Beispielen Sony A7RII 42 MP und Fuji X-Trans 24 MP bleiben.

Willkommen bei „fotosaurier“

Unabhängiger Foto-Blog mit Schwerpunkt auf historischen Optiken.

fotosaurier“ will ein herstellerunabhängiger Blog zum Thema Foto-Optik (und auch Kamerasysteme) sein. Er will über 55 Jahre Fotoamateur-Erfahrungen, -Leiden und (auch einiges) -Wissen mit dem Teil der Welt teilen, der sich dafür interessiert.

Es wird viel über Optik und Technik zu reden sein – aber Ziel ist dabei immer das LICHT-BILD selbst und sein Entstehungsprozess…. nicht die Messwerte.

Wirtschaftlich – und das ist uns das Wichtigste – wird „fotosaurier“ völlig unabhängig sein: es werden dem Nutzer keine Links zum Kauf von hier besprochener Foto-Ausrüstung angeboten, für die der Blog eine Provision kassieren möchte… Diese weit verbreitete Bettel-Praxis (help to finance…) halten wir im Zusammenhang mit Produktbesprechungen, die nicht als Werbung gekennzeichnet, sind für mehr als fragwürdig und lehnen diese ab!! Es mag ja sein, dass die Betreiber mit dieser Praxis, die anscheinend auch oft Rezensionsexemplar-Optiken zugeschickt bekommen, mit der besten Absicht unterwegs sind – aber UNABHÄNGIG darf er sich beim besten willen nicht nennen. Der Leser eines Blogs ist allerdings sicher meistens klug genug, sein eigenes Urteil zu fällen….

Ich bin Physiker und Ingenieur, Jahrgang 1945, und habe in Beruf und Hobby die Fotografie im Bereich Mikroskopie, Makro-Fotografie, Dokumentation, Reportage – nicht zuletzt auch für meine astronomische Liebhaberei – genutzt.

Foto-Amateuren stehen heute bezahlbare Ausrüstungen mit optischen und funktionalen Eigenschaften zur Verfügung, von denen wir in den 60er und 70er Jahren nicht einmal träumen konnten, weil seinerzeit nicht vorstellbar war, was heute möglich ist! Ich beglückwünsche Sie alle dazu – und mich auch, dass ich das noch erlebe… (Foto-Amateuere sind bezüglich Ihrer Ausrüstung übrigens auch in ganz besonders starkem Maße Globalisierungs-Gewinner!)

Ich bekenne, dass ich mehr an dem optischen Teil der Fototechnik interessiert bin. In den vor-digitalen Zeiten war mein Standpunkt sehr radikal: das Objektiv (und natürlich der FILM!!!) macht das Bild – die Kamera ist nur der „Film-Halter“ … und der Verschluss. Und da gab es immer (große!) Unterschiede in Qualität und Preis… Für die Kamera eines speziellen Herstellers habe ich mich persönlich aber nur interessiert, wenn er Objektive anbot, die mich interessierten. Ich habe dann auch öfters radikal das System gewechselt (- oder eines hinzu gefügt)!

Diese Aussage über die Kameras ist heute natürlich nicht mehr richtig, da die Kamera nun auch den Film enthält und auf Wunsch auch beim Scharfstellen helfen kann – alles sehr wichtig! Aber die Aussage über die Objektive ist deswegen immer noch fast genauso richtig wie damals.

Mein Antrieb ist seit Längerem, herauszufinden, ob und wenn ja wie viel Einfluss die optisch-technische Entwicklung der letzten 50-100 Jahre auf die optische Qualität der Objektive WIRKLICH hatte.

Wenn Sie wollen, können Sie mich auf der Reise zur ein paar Erkenntnissen darüber begleiten.

Ihr

fotosaurier